header
SVBV 2020 21.11.2020 von Thomas Warnke

Die 90er Jahre

Auf Wolke Sieben

Überglücklich waren am Anfang dieses Jahrzehnts nicht nur die Vorstandsmitglieder des Sportvereins. Der jahrzehntelange Kampf um eine Optimierung der Sportanlagen hatte endlich Erfolg gezeigt: Mit dem 70jährigen Vereinsjubiläum im Sommer 1990 fand die Einweihung der Stadionsportanlage oberhalb des alten Platzes statt, der damit endlich entlastet und vernünftig gepflegt werden konnte. 1994 wurde eine Tribüne errichtet, daneben wurden immer deutlichere Verbesserungen am Vereinsheim vorgenommen. Beste Voraussetzungen für „sportliche Höchstleistungen“ also. Und die Aktiven setzten die Wünsche und Hoffnungen des Vorstandes in diesem Jahrzehnt sofort in die Tat um. Allein 20 Staffel- und Kreismeisterschaften gingen in den 90er Jahren an den SV, dazu noch ein Kreispokalsieg und eine Vize-Staffelmeisterschaft der jüngsten Sparte des SV, der Korbballdamen.

Die Meistertitel wurden fast ausschließlich im Junioren- und Alt-Seniorenbereich eingefahren. Der SV Bruchhausen-Vilsen war attraktiv für alle Altersgruppen geworden: Der Jugendbereich boomte genauso wie der Seniorenbereich. Im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen blieben Seniorenspieler nach dem Ende ihrer Karriere in der 1., 2. oder 3. Herren weiter im Verein und betätigten sich aktiv in den Altherren-Mannschaften. 1990 verlieh der DFB dem SV die Auszeichnung „für eine bemerkenswerte Jugendarbeit“ der Sepp-Herberger-Stiftung. Ein ganz wichtiger und wesentlicher Schritt zur Unterstützung der jüngsten Sportlerinnen und Sportler im Verein war 1995 die Gründung des Jugendfördervereins. Der Gründungsvorstand um Hermann Grieme und Johann Mewes setzte klare Zeichen dafür, dass in der Arbeit dieses Vereins die Zukunft  zu suchen sei. Ihre Nachfolger Heinrich Büntemeyer und Jan Kornau bauten das Engagement bis in die Gegenwart weiter aus.

Ein absoluter Höhepunkt in den 90er Jahren war zweifellos das 75jährige Vereinsjubiläum im Sommer 1995. Der Manager des SV Werder Bremen, Willi Lemke, hielt die Festansprache, einen Tag zuvor hatte die Bundesligamannschaft gegen die 1. Herren des SV Bruchhausen-Vilsen einen begeisternden Eindruck hinterlassen. In der Jubiläumswoche, in der der SV noch gegen den FC St. Pauli antrat, fanden sich auf der Sportanlage 4000 Zuschauer ein, die so einen überaus positiven Eindruck von den Aktivitäten des Gesamtvereins gewinnen konnten. In einer Grußbotschaft der Gemeinde Bruchhausen-Vilsen zu diesem Jubiläum hieß es dementsprechend folögerichtig:

„Das ist ein Jubiläum, das es verdient, gefeiert und in entsprechendem Maße gewürdigt zu werden... Seit dem Gründungstag am 1.12.1920 hat es der SV Bruchhausen-Vilsen von 1920 e.V. stets verstanden, sich den Gepflogenheiten und Bedingungen der Zeit anzupassen, ohne jedoch die traditionellen Werte zu vernachlässigen. Nur so ist es zu erklären, dass der heute 450 Mitglieder starke Verein bereits nach kurzer Zeit zu einer festen Größe in der örtlichen Gemeinschaft des Fleckens Bruchhausen-Vilsen wurde ...“.

Für die Jugend sowohl der Gemeinde als auch natürlich des Sportvereins wurde ein Jahr später dieser Eindruck noch vertieft, als der VILSA-Cup die zweite Hälfte der 90er Jahre für die E- und D-Jugend-Mannschaften prägte. Mit der Unterstützung des Vereinssponsors trat in diesen Jahren der hochkarätige Nachwuchs von Mannschaften wie Bayern München, HSV, VfB Stuttgart, Hannover 96, Werder Bremen und weiteren namhaften Mannschaften der 1. und 2. Bundesliga in Bruchhausen-Vilsen an, ein Erlebnis, das kaum jemand vergessen haben dürfte.

Passend und quasi krönender Abschluss dieses Jahrzehnts war dann der Aufstieg der 1. Herren in die Bezirksliga. Die Planungen und Hoffnungen der Verantwortlichen im SV waren in Erfüllung gegangen. Der Verein war hervorragend aufgestellt, von der Jugend bis in den Altherrenbereich, von den Ehrenamtlichen bis zu den passiven Mitgliedern. Es war wie in den frühen Jahrzehnten: Der SV organisierte etwas – und alle kamen!

Recherche und Text: Horst Delekat

SVBV 2020 14.11.2020 von Thomas Warnke

Die 80er Jahre

Harte Arbeit trägt Früchte

Demokratie und Transparenz: die Ideale, die ab den 70er Jahren die Vereinsführungspolitik dominierten, waren das Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit nach dem Krieg. Der demokratische Weckruf war gehört worden, der Sportverein Bruchhausen-Vilsen hatte sich eine zeitgemäße und zukunftsorientierte Struktur gegeben. Allen Vereinsmitgliedern ab 16 Jahren waren nunmehr die Möglichkeiten zur Mitbestimmung eingeräumt. Der personelle Umbruch auf nahezu allen Ebenen des Vereins war eingeleitet worden. Die für die einzelnen Mannschaften des Vereins tätigen Trainer und Betreuer wurden nunmehr bewusst ausgesucht oder verpflichtet: es wurde einfach Wert darauf gelegt, in jeglicher Hinsicht den Staub der Vergangenheit abzuschütteln. Die Vereinsführung unter dem Präsidenten Dieter Borcherding suchte permanent nach Möglichkeiten, alle Bereiche innerhalb des Vereins zu optimieren. Der sportliche Erfolg ließ dementsprechend auch nicht lange auf sich warten. Die 80er Jahre waren gekennzeichnet durch eine Fülle von Kreis- und Staffelmeisterschaften, Kreispokalsiegen und Aufstiegen sowohl im Herren- als auch im Jugendbereich. 1981 schaffte es die 1. Herren des Vereins endlich wieder, auf Bezirksebene dabei zu sein, was zu einem sofortigen Anreiz innerhalb des Jugendbereichs sorgte. 1983 wird die B-Jugend Kreismeister, die D-Jugend Staffelsieger. 1985 steigt die A-Jugend in die Bezirksliga auf, die 3. Herren wird Staffelsieger, 1986 Kreismeister C-Jugend, 1987 Staffelmeister F-Jugend, die 2. Herren wird Kreispokalsieger und 1989 Kreismeister A-Jugend, ebenfalls A/B-Jugend und Staffelmeisterschaft bei der F-Jugend.

Als ein weiteres wesentliches Mittel dafür, nahezu jedes Mitglied noch stärker an den Verein anzubinden, konnte die Gründung der „SV - Vereinszeitung“ gelten. Die 1. Ausgabe wurde von Dieter Borcherding eingeleitet mit den Worten: „1983 ist zwar kein Jubiläumsjahr, jedoch ist es uns nach längerer Zeit wieder ein Bedürfnis, unseren Verein mit dieser Broschüre einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Aber auch für unsere eigenen Mitglieder ist dieses Vereinsheft als Informations- und Nachschlagewerk gedacht.“

Seit 1983 und damit seit fast 40 Jahren  erscheint die „SV – Vereinszeitung“, einmal im Jahr pünktlich zum Brokser Markt. Alle Mannschaften des Vereines finden in ihr Berücksichtigung. Pläne und Perspektiven des Vereins werden dargestellt, auch wird in fester Folge ein Blick in die Vergangenheit geworfen. Daneben wird der durch die Werbepartner erzielte Reinerlös direkt und in voller Höhe vor allem in die Jugendarbeit des Vereins gesteckt. Bis in die Gegenwart ist die Vereinszeitung ein Riesenerfolg, getragen von ehrenamtlichen Kräften.

Diese insgesamt so positive Entwicklung des Gesamtvereins hatte paradoxerweise aber auch negative Auswirkungen zur Folge. Die von allen so sehr gelobte und wunderschön gelegene Sportanlage, die sog. Marktplatzarena, konnte den Andrang an Mannschaften seit längerer Zeit schon nicht mehr verkraften. Gegen Ende des Jahrzehntes wollten fast 20 Mannschaften in jeder Woche dort sowohl trainieren als auch Punktspiele durchführen. Der einzige Platz stand schlicht unter Dauerbeanspruchung. Gästemannschaften beschwerten sich sowohl vor als auch nach den Punktspielen permanent über die unglaublich schlechte Qualität des Platzes. In den Strafräumen war so gut wie kein Grashalm mehr zu erkennen, bei Trockenheit standen die Spieler im Sandstaub. Pausenlos startete der Vorstand schon seit Jahren Bemühungen, hier eine Verbesserung zu erreichen. Mit der Gemeinde wurde geredet, mit dem Vereinswirt. Alles wurde getan, um endlich ein zweites Spielfeld zu bekommen und dem alten Platz die so dringend benötigte Ruhe zu verschaffen. Und endlich, nach Jahren harter Verhandlungen, konnte Dieter Borcherding 1989 folgendes verkünden:

„Unser größter Erfolg des Jahres wurde jedoch nicht auf dem Sportplatz erzielt, sondern am Verhandlungstisch: Der langersehnte zweite Sportplatz kann nun endlich gebaut werden, da unser Vereinswirt eine zusätzliche Fläche auf Pachtbasis zur Verfügung gestellt hat. Unser besonderer Dank gilt in diesem Zusammenhang dem Samtgemeinderat und der Verwaltung, ohne deren Engagement das Vorhaben gescheitert wäre.“

Recherche und Text: Horst Delekat

 

 

SVBV 2020 03.11.2020 von Thomas Warnke

Die 70er Jahre

Die Jugend revoltiert

Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre befand sich die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland komplett im Umbruch. Die Zweifel an den Autoritäten waren in vollem Gang, das Aufbegehren gegen überholte Traditionen unüberhörbar. Alte Zöpfe sollten abgeschnitten, die belastete Vergangenheit Deutschlands endlich aufgearbeitet werden. Mit Willy Brandt bekam Deutschland 1969 zum ersten Mal nach dem Krieg einen sozialdemokratischen Bundeskanzler. Sein Wahlkampfslogan „Mehr Demokratie wagen!“ war richtungsweisend vor allem für die junge Generation, deren Revolte nicht mehr zu stoppen war. Demokratie und Mitbestimmung sollten in allen Bereichen des Lebens Eingang finden. Dementsprechend wurden diese Forderungen auch im Sportverein laut. Zweifelsohne hatte Hermann Wülbers sich erhebliche Verdienste um den Wiederaufbau des Sportvereins erworben, seine teilweise rigide Vorgehensweise bei der Durchsetzung seiner Ziele war aber definitiv nicht mehr zeitgemäß.

Dieter Borcherding, der 1974 zum Präsidenten gewählt wurde, hatte nunmehr die schwierige Aufgabe zu bewältigen, die Generationen unter einen Hut zu bekommen. Und das war nicht leicht. Gerade aus dem A- und B-Jugend-Bereich wurde der Wunsch nach einer totalen Umwälzung der Verhältnisse immer lauter. Weg vom „Hipp-Hipp-Hurra – Enthusiasmus“ hin zur Mitbestimmung auf allen Ebenen, das war das nachvollziehbare Ziel der Jugendlichen im Sportverein. Dieser Prozess, den Dieter Borcherding mit einem unglaublichen Engagement und Geschick steuerte, führte schließlich dazu, dass die Beteiligung der Jugendlichen durch gewählte Jugendvertreter satzungsmäßig festgeschrieben wurde. Die ersten Jugendsprecher Hartmut Juricke, Ulf-Werner Schmidt, Kurt Henschel und Werner Schmitz nahmen ihr Amt mit Nachdruck wahr, die Zeiten hatten sich einfach geändert. So gesehen trat auch auf dieser Ebene wieder Ruhe ein.

Der Sportverein hatte nunmehr die besten Voraussetzungen geschaffen. Die ausgesprochen ansehnliche Stadionanlage an dem Wunschplatz war seit den 60er Jahren endlich da, die alte Umkleidebaracke ohne Duschen und Toiletten war (zum Glück) abgebrannt und ein neues, modernes Sportheim konnte gebaut und zum Vereinsjubiläum 1970 eingeweiht werden.

Ebenso positiv war, dass der Verein einen kontinuierlichen Zulauf an Mitgliedern vermelden konnte. Dadurch allerdings mussten Überlegungen angestellt werden, wie für alle Mannschaften Trainingszeiten einzurichten seien. Die einzige Möglichkeit, allen gerecht zu werden, bestand in der Installation einer leistungsstarken Flutlichtanlage, wodurch bis weit in den Abend hinein trainiert werden konnte. Die Organisation dieses Vorhabens wurde noch einmal in die Hände des Ehrenvorsitzenden Hermann Wülbers gelegt, der mit bekanntem Einsatz an die Umsetzung des Planes ging. Innerhalb eines halben Jahres konnte dann auch „Vollzug“ gemeldet werden. Die Anlage stand und übertraf alle Erwartungen. Und für die Einweihung hatte sich der Vorstand etwas Besonderes überlegt: Ein Prominentenspiel gegen altbekannte Fußballstars. Dieses Spiel zur Einweihung der Flutlichtanlage wurde auf den 23. August 1975 gelegt, dem Tag der Eröffnung des Volksfestes „Brokser Markt“. Und wie erhofft strömten die Zuschauer auf die Stadionanlage. Noch nie gesehene 4000 Zuschauer suchten die Gelegenheit, Stars aus der jüngeren, aber auch ferneren Vergangenheit leibhaftig sehen zu können. Ehemalige Nationalspieler, Weltmeister und Deutsche Meister wie Uwe Seeler, Helmut Rahn, Horst Szymaniak, Willi Schulz, Bernd Patzke, Max Lorenz, Günther Bernard, Pico Schütz, Heinz Steinmann und andere  hatten mit der sog. „Uwe-Seeler-Traditionself“ den Weg nach Bruchhausen-Vilsen angetreten. Bei traumhaftem Sommerwetter wurde den Zuschauern ein Spektakel der Alt-Internationalen geboten, die in einer ansprechenden Partie mit 6 : 0 gegen die übernervösen Hausherren gewannen. Das Ergebnis allerdings war egal, das Erlebnis für jeden Spieler und vor allem für den Verein hingegen unbeschreiblich. Fußball boomte in Bruchhausen-Vilsen!

Recherche und Text: Horst Delekat

SVBV 2020 30.10.2020 von Thomas Warnke

Die 60er Jahre

Ein Traum wurde wahr

Nach 40 Jahren war ein langgehegter Traum wahr geworden: Der Sportverein hatte endlich seinen Stadionplatz gefunden! 40 Jahre Suche nach dem idealen Standort waren vorbei, nun war er gefunden! Im August 1960 konnte die idyllisch gelegene Sportanlage am Marktplatz eingeweiht werden. Alle Spielstätten zuvor hatten den erforderlichen Ansprüchen nie genügen können. Entweder stimmten die Ausmaße des Spielfeldes nicht, oder aber der Untergrund entartete bei Regen sofort zu einer Schlammwüste oder er war vor allem nach dem Brokser Markt voller Scherben und Unrat oder es kam sogar alles zusammen. Mit dem Stadiongelände am Marktplatz, das auch heute noch Spielstätte des SV ist, hatten die Mitglieder ein Schmuckstück im Landkreis Grafschaft Hoya geschaffen, wie es damals in der Kreiszeitung hieß. Gleichzeitig hatte Hermann Wülbers einen weiteren Gedanken im Hinterkopf:

„Nicht unerwähnt mag bleiben, daß der SV von 1920 den Platz mit seinen hunderten von Bäumen für die Bevölkerung am Wochenende als Promenade geöffnet hält.“

Der gesellschaftliche Auftrag, den sich der Verein seit der Wiedergründung 1945 gestellt hatte, wurde ernst genommen. Die Bevölkerung des Ortes sollte in das Vereinsgeschehen eingebunden werden, der Verein war sich seiner Verpflichtung der Bevölkerung gegenüber bewusst. Die teilweise ja auch schon vor dem Krieg organisierten Veranstaltungen wie eben Theateraufführungen, Faschingsveranstaltungen usw. waren mittlerweile zu Höhepunkten innerhalb des Ortsgeschehens geworden.

In die so positive Gesamtentwicklung passte es dazu in jedem Fall, dass die 1. Herren in der Saison 1959/60 in die Amateurliga aufstieg. Nun hießen die Gegner nicht mehr Hoya, Heiligenfelde oder Syke, sondern auf einmal  Blauweiß Lohne, Roland Delmenhorst, Frisia Goldenstedt. Voller Stolz war der Verein in dieses Abenteuer eingestiegen, auch wenn der Aufwand immens war. Allein die Fahrtkosten trieben den Vereinsetat in für damalige Verhältnisse unglaubliche Höhen. Die Begeisterung im gesamten Verein war jedoch so groß, dass der Verein diesen Schritt gewagt hatte. Auch wenn die Herrenmannschaft 1961 den Abstieg aus dieser Klasse in Kauf nehmen musste, es war einfach ein Erlebnis, das in diese Zeit passte. Der Fußballsport boomte in Bruchhausen-Vilsen, die Jugendabteilung hatte einen unheimlichen Zulauf, für die nächsten Jahre konnte das Augenmerk auf andere Dinge im Umfeld des Fußballs gerichtet werden.

Nachdem der Austausch mit den Sportfreunden aus Karl-Marx-Stadt Mitte der 50er Jahre aus politischen Gründen nicht mehr stattfinden durfte, blieb die Vereinsführung nicht untätig. 1961 wurde die Mauer zwischen beiden deutschen Staaten gebaut, die Grenze wurde nicht nur gefühlsmäßig immer unüberwindbarer und bedrohlicher. Der Kalte Krieg zwischen dem Osten und dem Westen steuerte in seine erste Hochphase, im Oktober 1962 brachte die Kuba-Krise die Welt an den Abgrund eines 3. Weltkrieges. So streckte der Sportverein seine Fühler nach einem anderen Austauschpartner aus. Politisch von der Bundesregierung initiiert wurden deshalb vom SV 1962 Kontakte zum SC Mariendorf Berlin geknüpft, um dadurch auch die Verbundenheit mit der Bevölkerung in der eingeschlossenen Stadt Berlin deutlich zu zeigen. Über Jahre hinweg entwickelte sich ein reger Austausch zwischen beiden Vereinen, Freundschaften wurden geschlossen, zum Teil halten die Kontakte unter den daran Beteiligten bis in die Gegenwart.

Recherche und Text: Horst Delekat

SVBV 2020 26.10.2020 von Thomas Warnke

Die 50er Jahre

„Ein neues Lied, ein besseres Lied, O Freunde, will ich euch dichten! ...“, so Heinrich Heine 1844 in seinem Versepos „Deutschland. Ein Wintermärchen“ über eine Reise aus seinem Exil in Paris nach Deutschland. Und genau das entsprach auch der Vorstellung Hermann Wülbers´ über die Zukunft. Der schreckliche Krieg hatte ein Ende gefunden, die nationalsozialistische Diktatur existierte nicht mehr. Die Fehler, die nach dem 1. Weltkrieg begangen worden waren, sollten nicht wieder gemacht werden. Und Hermann Wülbers wollte, dass der SV Bruchhausen-Vilsen zu einem entscheidenden Bestandteil beim Aufbau der Demokratie in der Gesellschaft werden sollte.

Dieses Jahrzehnt hatte es denn auch insgesamt in sich für den Verein. Eine Aktion reihte sich an die nächste:

Der erste Schritt bestand zunächst erst darin, den Sportverein wieder eigenständig zu organisieren, d.h. die Loslösung vom ungeliebten Turnverein wie schon 1920 zu erreichen. Dieses Ziel war mit dem 1.1.1950 geschafft. Natürlich stand danach in erster Hinsicht das Sportprogramm auf der Tagesordnung.Vor allem der Jugend sollte wieder eine gesunde Perspektive geboten werden. Auch standen die Pläne hinsichtlich eines neuen zeitgemäßen Sportgeländes im Raum. Der bisherige Sportplatz hinter der Gaststätte Peters stand bei schlechten Witterungsverhältnissen häufig unter Wasser, für die Zuschauer existierte kaum Komfort usw. Daneben sollte sich der SV aber auch zu einem gesellschaftlichen Mittel- und Treffpunkt in Bruchhausen-Vilsen entwickeln. Um dieses Ziel zu erreichen, entschieden sich die Vereinsoberen, Veranstaltungen aus der Zeit vor dem Krieg wiederzubeleben. Theater- und Operettenaufführungen wurden wieder ins Leben gerufen, auch wurde die „Lila-Weiße-Nacht“ als Ballereignis des Jahres eingeführt. Ebenso wurden - in Zusammenarbeit mit der Schule – ausgesprochen gut besuchte Faschingsveranstaltungen für Jung und Alt organisiert, die über Jahrzehnte zu einem Höhepunkt im Ort werden sollten. Im Ort hieß es in diesen Jahren nicht selten: „Der Sportverein organisiert etwas, da gehen wir hin!“

Der besondere Clou in diesem Jahrzehnt allerdings bestand darin, dass quasi in der beginnenden Hochphase des Kalten Krieges zwischen Ost und West die Fühler in den anderen Teil Deutschlands ausgestreckt wurden, um dort durch die politische Situation eingedämmte Kontakte wieder aufzunehmen. Das Vorstandsmitglied Manfred Roscher hatte bis zum Krieg in Chemnitz gelebt. Nach dem Krieg hatte er die Kontakte zu Freunden und Verwandten dorthin wieder aufgenommen. Dabei wurden Überlegungen angestellt, wie man es denn schaffen könne, eventuell zu einem regelmäßigen Austausch überzugehen. 1955 war es dann soweit. Eine Sportdelegation des SV besuchte Karl-Marx-Stadt, wie Chemnitz zu Zeiten der DDR hieß. Die Verantwortlichen aus des dort ansässigen Vereins „BSG Aufbau-Mitte Karl-Marx-Stadt“ hatten ein vielfältiges Programm auf die Beine gestellt: Stadtbesichtigung, Leichtathletik-Wettkämpfe, ein Handballspiel und selbstverständlich auch ein Fußballspiel der jeweiligen ersten Herren-Mannschaften. Übernachtet wurde dabei in privaten Unterkünften, private und herzliche Kontakte wurden geknüpft. Ein Jahr später 1956 besuchten dann die Sportler der BSG den Sportverein in Bruchhausen-Vilsen. Auch hier wurde versucht, den Gästen ein überaus positives Bild von der Situation im Westen zu vermitteln. Schützenfest, Stadtbesuch in Bremen und ebenfalls sportliche Wettkämpfe verstärkten die freundschaftlichen Beziehungen. Zum Abschluss wurde dann den Gästen aus der DDR noch eine Art „Care-Paket“ mit Produkten mitgegeben, die es in der DDR so einfach nicht gab. Ein absolut einmaliges Ereignis, das aber dann auch einmalig bleiben sollte. Die Mauer in Berlin existierte noch nicht, ebenso noch nicht die schier unüberwindliche Grenze zwischen beiden deutschen Staaten. Besuche dieser Art trugen nun aber nicht unwesentlich dazu bei, dass immer mehr DDR-Bürger die Flucht in den Westen antraten. Und hier reagierte die kommunistische Staatsführung dann auch relativ schnell: Der so fröhlich begonnene und abgelaufene Austausch wurde nunmehr untersagt. Beide Vereine sahen sich dann tatsächlich erst nach dem Fall der Mauer 1989/90 wieder. Ein einmaliges Ereignis war der politischen Räson geopfert worden.

 

Recherche und Text: Horst Delekat

SVBV 2020 13.10.2020 von Thomas Warnke

Die 40er Jahre

Mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion 1941 spitzte sich die Kriegssituation insgesamt erheblich zu. Deutschland hatte jetzt an verschiedenen Fronten zu kämpfen, was dazu führte, dass immer mehr Soldaten gebraucht wurden. Zu Beginn der 40er Jahre wurde noch versucht, einen regulären Sportbetrieb aufrechtzuerhalten, doch fiel das auf Dauer immer schwerer. Kaum ein Verein blieb davon verschont, Soldaten abstellen zu müssen. Mit zunehmender Kriegsdauer verlagerte sich zudem das Kriegsgeschehen auf das Gebiet des Deutschen Reiches. Als ab dem 8. Mai 1945 endlich die Waffen schwiegen, hatte der fürchterlichste und grausamste Krieg der Menschheitsgeschichte endlich ein Ende gefunden. Millionen Menschen hatten den Tod gefunden, Millionen Menschen wurden vertrieben, waren vertrieben worden. Wie nach 1918 gab es zunächst keine politische Ordnung mehr. Unglaublich viel lag in Schutt und Asche.

Der spätere Sportwart des Kreissportbundes Diepholz Hermann Düver schilderte die Situation wie folgt: „Enttäuscht, an Idealen gebrochen, kehrten wir, in jugendlichem Alter Soldat geworden, aus dem letzten Krieg in unsere Heimat zurück. Wir, die wir vor dem Kriege Freunde waren und in der Jugendmannschaft Fußball gespielt … waren uns in den langen Jahren des Krieges fremd geworden. Unsere Turn- und Sportvereine … waren von der Besatzungsmacht aufgelöst bzw. zunächst verboten worden.“

So natürlich auch in Bruchhausen-Vilsen. Erst ab Anfang Oktober 1945 erlaubte die britische Besatzungsmacht wieder die Neugründung von Vereinen, machte aber zur Bedingung, dass die Anzahl der Vereine überschaubar bleiben sollte. Somit hatten sich der Turnverein und der Sportverein Bruchhausen-Vilsen quasi zwangsvereinigen müssen zum Turn- und Sportverein. Und die Fußballabteilung fand rasch Zuspruch. Junge Leute, Flüchtlinge und aus der Gefangenschaft zurückkehrende Soldaten suchten schnell die Gemeinschaft gleichgesinnter Sportkameraden. Als 1947 Hermann Wülbers aus der Gefangenschaft zurückkehrte, bekam der Verein relativ schnell auch wieder ein organisatorisches Gesicht. Zudem hatte Wülbers das Ziel, anders als 1920 unter der Ägide des Vereinsgründers Hermann Pantföder, sofort gefestigte demokratische Strukturen zu installieren und den Verein zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in der Gemeinde Bruchhausen-Vilsen zu machen. Zudem strebte er, was auch nicht anders zu erwarten war, die erneute Selbstständigkeit der Fußballabteilung an.

Das sportliche Geschehen nahm in den Wirren der Nachkriegszeit relativ zügig wieder an Fahrt auf. Die 1. Herren schaffte den Aufstieg in die Bezirksklasse, in der Jugend entwickelten sich herausragende und vielversprechende Talente und die Planungen für den Bau eines Sportplatzes auf dem Marktplatz wurden intensiviert. Die Punktspielsonntage gerieten immer mehr zu einem Großereignis in der Gemeinde. Für die durchweg zahlreichen Zuschauer wurde dabei manchmal durchaus eine „Gulaschkanone“ aufgebaut, sodass jeder Besucher manchmal auch die Gelegenheit nutzte, sich in diesen chaotischen Zeiten den Magen füllen zu können. Ebenso hatte die vereinseigene Musikgruppe hier auch ihre Einsätze.

Am 30.11.1949 fasste die Führung der Sparte Fußball im TuS den Beschluss, sich vom Gesamtverein zu lösen und wieder selbstständig zu werden. Auf der erweiterten Vorstandssitzung vom 16. Dezember 1949 wurde schließlich die Trennungserklärung festgehalten, ab dem 1. Januar 1950 war es dann soweit, der SV Bruchhausen-Vilsen von 1920 nahm zum zweiten Mal nach einem Weltkrieg einen Anlauf, um wieder eine Rolle im sportlichen und gesellschaftlichen Gefüge der Gemeinde und der Grafschaft Hoya zu spielen.

 

Recherche und Text: Horst Delekat

SVBV 2020 06.10.2020 von Thomas Warnke

Die 30er Jahre

Mit Beginn dieses Jahrzehntes veränderte sich Deutschland: Der Ton wurde rauer, das politische Chaos nahm zu, der rechtsextreme Terror breitete sich immer mehr aus. Zu Beginn der 30er Jahre war die Weimarer Republik dabei, sich zu pulverisieren. Nachdem Ende der 20er Jahre die Zustimmung für die NSDAP bei Reichstagswahlen deutlich gesunken war, versuchte sie, durch eine zunehmende Radikalisierung des Alltags die Angst der Deutschen zu schüren und den Ruf nach dem „starken Mann“ lauter werden zu lassen. Die Weltwirtschaftskrise im Oktober 1929 („Der Schwarze Freitag“) spielte ihnen dabei in die Hand: Die Staatsschulden wuchsen ins Unermessliche, die Arbeitslosigkeit erreichte ungeahnte Höhen. Nachdem Hitler in einer Koalitionsregierung im Januar 1933 an die Macht gekommen war, änderte sich innerhalb kürzester Zeit der komplette Alltag. Deutschland wurde geradezu auf Linie gebracht. Wer nicht bereit war, sich der nationalsozialistischen Idee zu unterwerfen, hatte mit Konsequenzen zu rechnen.

Und genau das passierte Hermann Wülbers. Nachdem er als Nachfolger Hermann Pantföders 1929 Präsident des Vereins geworden war, hatte er in der absolut chaotischen Zeit Deutschlands versucht, den Sportverein Bruchhausen-Vilsen in einigermaßen ruhige Gewässer zu manövrieren. Er plante für die Mitglieder des Vereins und die Bewohner des Ortes Theater- und Operettenaufführungen, organisierte Vereinsfahrten und Bälle („Die Lila-Weiße Nacht“) und auf sportlicher Ebene die Durchführung des Sportbetriebes. Er hatte nur einen „Fehler“: Er war kein Nazi. Dementsprechend warteten diese nur darauf, ihn im wahrsten Sinne des Wortes zu vernichten. Im Frühjahr 1935 bot sich ihnen die Gelegenheit. Der Ortsgruppenleiter der NSDAP in Bruchhausen-Vilsen verfasste eine kurze Stellungnahme an den Bürgermeister mit den Worten:

„Der beim Gemeindebüro beschäftigte Hermann Wülbers ist politisch unzuverlässig und als Schreibhilfe im Gemeindebüro untragbar. Ich bitte den Wülbers in aller Kürze vom Gemeindebüro zu entfernen, sollte dieses nicht geschehen, sehe ich mich veranlasst andere Wege zu beschreiten.“

Wülbers wehrte sich mit Händen und Füßen, suchte sich juristischen Beistand, auch setzten sich die Mitglieder des SV massiv für ihn ein. Aber es half nicht. Am 2. August 1935 musste er sein Amt als 1. Vorsitzender niederlegen und natürlich verlor er auch seine Stellung im Gemeindebüro. Seine Existenz war von einem auf den anderen Tag vernichtet, für einen jungen Familienvater eine reine Tragödie.

Doch Hermann Wülbers ließ sich unterkriegen. Er übernahm die Position des Geschäftsführers des Sportvereins, wie auch immer er das geschafft haben mochte und rückte somit aus dem Fokus der Nationalsozialisten. Nunmehr stand er nicht mehr so im Rampenlicht. Bis zum Kriegsausbruch am 1. September 1939 blieb er im Amt und hielt das Vereinsleben am Laufen. Mit dem 1. September erlosch im Grunde für einige Jahre die Vereinsarbeit, alle Vorstandsposten ruhten.

Ein wesentliches Anliegen in diesen Jahren war ihm neben den gesellschaftlichen Aktivitäten, für den SV möglichst optimale Verhältnisse zu schaffen. In der Gründungsphase des Vereins waren alle durchaus noch bereit gewesen, auch mit Kompromissen zu leben. Dazu gehörte u.a. das Spielfeld auf dem Marktplatz. Abgesehen davon, dass die Maße des Vereins nicht zwingend den Vorgaben entsprachen, ein weiterer wesentlicher Nachteil war, dass in jedem Jahr dort der „Brokser Heiratsmarkt“ stattfand. Kaum waren diese Festtage vorbei, waren die Spielverhältnisse im Grunde komplett unmöglich. Alles war verdreckt, voller Scherben, gesundheitsgefährdend. Regelmäßig beschwerten sich Gastmannschaften über die Unzulänglichkeiten dieser Gegebenheiten. 1935 war es dann soweit: Wülbers Bemühungen hatten Erfolg: Der Gastwirt Wilhelm Peters hatte sich einverstanden erklärt, eine Wiese für den Fußballsport freizugeben. In mühevoller gemeinschaftlicher Arbeit richteten die Mitglieder den Platz her, der dann fast 30 Jahre die Heimstätte des SV Bruchhausen-Vilsen wurde.

 

Recherche und Text: Horst Delekat

SVBV 2020 29.09.2020 von Thomas Warnke

Die 20er Jahre

Am 11. November 1918 endet der 1. Weltkrieg mit dem Waffenstillstand von Compiegne. 17 Millionen Menschen hatten in den vier Jahren dieses ersten Krieges der Moderne ihr Leben lassen müssen. Neue und fürchterliche Waffen hatten an den Frontlinien für ein grauenhaftes Gemetzel gesorgt. Überlebende kamen teilweise schwer traumatisiert in ihre Heimat zurück. Waren sie noch im August 1914 voller Zuversicht und Stolz in diese Völkerschlacht gezogen, mussten sie sich jetzt den Fragen stellen, warum der Krieg verloren gegangen sei. Da die Infrastruktur in Deutschland so gut wie unberührt vom Kriegsverlauf geblieben war und die militärische Führung immer noch der Ansicht war, man hätte den Weltkrieg gewinnen können, wenn die Heimatpolitiker nicht der Armee in den Rücken gefallen wären, waren die Schuldigen schnell ausgemacht: die Sozialdemokraten und die Kommunisten hätten Deutschland verraten und geopfert.

Nach dem Kriegsende zeigte sich die politische und gesellschaftliche Situation in Deutschland schlicht chaotisch. Der Kaiser musste abdanken und war ins Ausland gegangen, die Rechten versuchten die Situation auszunutzen, ebenso die Linken – und Gemäßigte versuchten eine Demokratie aufzubauen, die als Staatsform von einem Großteil der Bevölkerung nicht zwingend geliebt war. In diesem absoluten Chaos wuchs nur bei fast allen Deutschen die Sehnsucht nach einer festen Ordnung und nach einem Selbstwertgefühl, wie es vor dem Krieg existiert hatte.

In dieser Situation kam der junge Hermann Pantföder aus dem Krieg nach Bruchhausen-Vilsen, weil er dort auch die Liebe seines Lebens gefunden hatte. Gleichzeitig brachte er wie viele Kriegsheimkehrer die junge Sportart Fußball als durchaus ernsthaften Zeitvertreib mit. Zur Kompensation der Fronterlebnisse war Fußball für die Frontsoldaten zu einer unglaublich beliebten Abwechslung geworden. Innerhalb kürzester Zeit wusste er durch seine charismatische Art und sein Durchsetzungsvermögen eine größere Anzahl an jungen Männern und Jugendlichen von der großartigen Idee des Fußballs zu überzeugen. 1919 kam der Wunsch nach einem regulären Spielbetrieb in einer geordneten Struktur immer deutlicher auf. Für einen eigenen selbständig agierenden Verein schien es aber noch zu früh, also wurde der Anschluss an den Männerturnverein M.T.V. Bruchhausen gesucht. Im Verlauf der ersten Monate zeigte sich aber, dass die Kluft zwischen Turnern und Fußballern kaum zu überwinden war, in jedem Fall fühlten sich die Fußballer permanent von ihrer Vereinsführung massiv benachteiligt. Als logische Konsequenz wurden ab Januar 1920 konkrete Ideen entwickelt, wie sich denn ein eigenständiger Fußballverein auf die Beine stellen lassen könnte. Am 1. Dezember 1920 war es dann so weit: Der SV Bruchhausen von 1920 wurde als Verein ins Leben gerufen, Hermann Pantföder wurde der erste Präsident.

Pantföder übte dieses Amt bis 1929 aus. Schon 1925 allerdings war er in die NSDAP eingetreten und hatte innerhalb der SA rasant Karriere gemacht. Dementsprechend war es auch nicht verwunderlich, dass die Parteioberen sehr schnell erkannt hatten, welche Vorzüge dieser junge Mann aufwies. Hatte er nicht innerhalb kürzester Zeit aus einem zusammengewürfelten „Haufen“ orientierungsloser Männer eine erfolgreich agierende Mannschaft gemacht? Schon 1926 konnte die erste Meisterschaft im NFV-Sportgau eingefahren werden, 1929 folgte die zweite!

Die SA-Führung entschied somit, Pantföder nach Westfalen abzukommandieren mit der Aufgabe, dort eine schlagkräftige SA-Truppe im Regierungsbezirk Minden und Lippe aufzubauen.

Seine Verdienste um den Fußballsport in Bruchhausen sind definitiv nicht zu leugnen, zum Glück für den Verein aber war er bei der Machtergreifung der Nazis 1933 nicht mehr im Ort. Wer weiß, wie sich der Sportverein unter seiner Ägide in der Nazi-Zeit entwickelt hätte? Sein Nachfolger im Amt des Präsidenten, Hermann Wülbers, erwies sich als ein wahrer Glücksgriff für den SV. Fast ein halbes Jahrhundert lenkte er in unterschiedlichen Funktionen die Geschicke des Vereins im Sinne des demokratischen Gedankengutes und legte die Basis für den SV Bruchhausen-Vilsen, wie er heute bekannt ist. Hermann Pantföder verstarb am 31.03.1933 bei einem Autounfall in Milse/Westfalen nach einem Einsatz für die SA. In Herford wurde eine Straße und ein Marktplatz nach ihm benannt.

 

Recherche und Text: Horst Delekat

SVBV 2020 25.09.2020 von Thomas Warnke

Die Geschichte des SV Bruchhausen-Vilsen

Große Ereignisse werfen immer ihre Schatten voraus. So auch der 100jährige Geburtstag des SV Bruchhausen-Vilsen. Dieses Jubiläum am 1. Dezember 2020 kann ohne Zweifel als ein großes Ereignis gesehen werden, und das nicht nur für die Mitglieder des SV, sondern auch für die Kommune und die gesamte Region.

Dementsprechend befasste sich der Vorstand des Sportvereins schon seit mehreren Jahren mit der detaillierten Planung dieses besonderen Ereignisses. Vom Frühjahr bis zum Winter 2020 waren die unterschiedlichsten Veranstaltungen geplant, die deutlich machen sollten, was der SV in diesen 100 Jahren insgesamt erreicht hat, wie er sich darstellt.

Doch dann kam „Corona“!

Wie hinlänglich bekannt, wurden damit alle Überlegungen hinsichtlich der Durchführung nahezu aller Veranstaltungen in Deutschland, Europa und der Welt hinfällig, phasenweise kam das gesamte öffentliche Leben sogar komplett zum Erliegen.

Die Verantwortlichen des Sportvereines Bruchhausen-Vilsen beschlossen daraufhin, diese geplanten  Jubiläumsaktionen vor allem in das Jahr 2021 zu verlagern. Zu dem offiziellen Geburtstagstermin am 1. Dezember 2020 wird nunmehr die Chronik „100 Jahre SV Bruchhausen-Vilsen“ erscheinen, eine Chronik, die nicht nur die 100 Jahre eines Provinzvereins wiedergibt.

Diese Vereinsgeschichte zeigt die enge Verbindung zwischen Vereinen und gesellschaftlicher Entwicklung auf. Es ist dabei unerheblich, ob es sich um einen Provinz- oder Großverein, um eine Klein- oder Großstadt oder um eine ländliche Region handelt. Die Prozesse in unserer Gesellschaft sind immer absolut identisch verlaufen.

„100 Jahre SV Bruchhausen-Vilsen“ bedeutet also nicht nur das Aneinanderreihen von sportlichen Ergebnissen und Tabellen, sondern auch von Geschichten drumherum. Auf über 500 Seiten vermittelt diese in den letzten drei Jahren entstandene Chronik ein Bild von Menschen, Persönlichkeiten  und Ereignissen, die die Arbeit des Vereins widerspiegelt. Es wird deutlich, wie wichtig dieser Verein für diese Region ist, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart.

Die Chronik zeigt auf, dass im Grunde in 100 Jahren immer wiederkehrende Ereignisse immer gleiche Probleme hervorgerufen haben, denen in unermüdlicher Weise immer wieder begegnet werden musste und muss. Verlorene Weltkriege, Flüchtlingsströme, wirtschaftliche Krisen, Auswirkungen der Globalisierung, politischer Extremismus, all das hat seine Auswirkungen auf unsere Gesellschaft gezeigt. Und immer wieder sind es auch die Vereine gewesen, die in diesen Krisensituationen in gesellschaftlicher Hinsicht gefordert waren – so auch der SV Bruchhausen-Vilsen.

In regelmäßigen Abständen werden bis zum Jubiläumstag  in der KREISZEITUNG Geschichten aus den vergangenen 100 Jahren des SV Bruchhausen-Vilsen erscheinen.

 

Recherche und Text: Horst Delekat

SVBV 2020 24.09.2020 von Thomas Warnke

Die Geschichten drumherum

SVBV muss Jubiläumsfeiern verschieben, aber die Chronik erscheint pünktlich

Br.-Vilsen – Was hatte sich der Sportverein Bruchhausen-Vilsen (SVBV) nicht alles für dieses Jahr vorgenommen. Das 100-jährige Bestehen sollte natürlich ganz groß gefeiert werden. Jetzt wird 2020 in die Annalen eingehen als Jahr, in dem das Jubiläum nicht gefeiert werden konnte. Wegen Corona. „Es gibt ganz andere Probleme“, sagt Vorsitzender Thomas Warnke mit einem realistischen Blick auf das Weltgeschehen. „Die Planungen sind eingefroren und werden im nächsten Jahr aufgetaut“, zeigt er sich optimistisch. Die Chronik allerdings soll zum eigentlichen Geburtstag vorliegen.

Am 1. Dezember 1920 entstand der SV. Vereins-Chronist Horst Delekat hat federführend zusammengetragen, was aus dieser Zeit zu finden ist. Das war so viel, dass ein ganzes Buch zur Geschichte des SV erscheinen kann.

„Das wird keine Jubiläumsschrift im eigentlichen Sinne. Horst hat die Ereignisse im Verein in Bezug zur Zeitgeschichte gestellt“, erzählt Thomas Warnke. Die Chronik werde sich daher nicht nur für Mitglieder spannend lesen“, kündigt er das Werk an, das voraussichtlich ab November zu haben sein wird.

„Unsere Geschichte zeigt eine enge Verbindung zwischen Vereinen und gesellschaftlicher Entwicklung auf. Es ist dabei unerheblich, ob es sich um einen Provinz- oder Großverein, um eine Klein- oder Großstadt oder um eine ländliche Region handelt. Die Prozesse in unserer Gesellschaft sind immer absolut identisch verlaufen“, sagt Horst Delekat.

Der Titel „100 Jahre SV Bruchhausen-Vilsen“ bedeutet also nicht nur das Aneinanderreihen von sportlichen Ergebnissen und Tabellen, sondern auch von Geschichten drumherum. Auf mehr als 500 Seiten vermittelt diese in den vergangenen drei Jahren entstandene Chronik ein Bild von Menschen, Persönlichkeiten und Ereignissen, die die Arbeit des Vereins widerspiegele. „Es wird deutlich, wie wichtig dieser Verein für diese Region ist, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart“, sagt Delekat.

Die Chronik zeigt auf, dass im Grunde in 100 Jahren immer wiederkehrende Ereignisse immer gleiche Probleme hervorgerufen haben, denen in unermüdlicher Weise immer wieder begegnet werden musste und muss. Verlorene Weltkriege, Flüchtlingsströme, wirtschaftliche Krisen, Auswirkungen der Globalisierung, politischer Extremismus – all das hat seine Auswirkungen auf die Gesellschaft gezeigt. Und immer wieder sind es auch die Vereine gewesen, die in diesen Krisensituationen in gesellschaftlicher Hinsicht gefordert waren – so auch der SVBV.

In regelmäßigen Abständen werden bis zum Jubiläumstag auf dieser Seite Geschichten aus den vergangenen 100 Jahren des SV erscheinen. Der Gründungstag an sich wird voraussichtlich in aller Stille stattfinden. Auf die geplante Feier, den Festkommers und die lila-weiße Ballnacht verzichtet der Verein in Anbetracht der steigenden Infektionszahlen und hofft, das komplette Jubiläumsprogramm in nächsten Jahr nachholen zu können. Dazu gehören dann die Sportwoche, Public Viewing zur Europameisterschaft und Festball.

Bei aller angebrachten Vorsicht freut sich Thomas Warnke jedoch, dass der Sportplatz nach und nach wieder in Betrieb genommen werden darf. „Unsere Mitglieder und Freunde vermissen die Treffen am Spielfeldrand mehr als die Bundesliga“, weiß der Vorsitzende um den engen sozialen Zusammenhalt der SVBV-Familie.

Es gehe nicht nur darum, ein Spiel zu sehen, beobachte er. Deutlich mehr Zuschauer als bisher verfolgen das sportliche Tun auf dem Platz. Trotz der Abstandsregelungen empfinde er die Begegnungen auf dem Spotplatz jetzt als besonders persönlich. Das führt der Vorsitzende auch auf die Politik des Vereins zurück. Spätestens, seitdem er 2008 ins Amt kam, habe der Verein immer auch ins Wohlfühlen investiert. Das Vereinsheim biete einen gewissen Komfort. Vor allem aber kenne man die Spieler auf dem Feld, denn die meisten kommen tatsächlich aus dem Ort und sind nicht von außen eingekauft. „Dadurch kommen viele Zuschauer zu den Spielen. Das wiederum steigert dass Selbstwertgefühl der Mannschaften“, ist er sich sicher.Auch dieser Aspekt wird in der Chronik zu finden sein. Los geht es in einer weiteren Ausgabe dieser Woche jedoch mit einem Blick ins Gründungsjahrzehnt.

© Mit freundlicher Genehmigung der Kreiszeitung, Datum: 21.09.2020
Der Artikel wurde an einigen Stellen vom SVBV redaktionell angepasst.

Beitragsarchiv