header
SVBV 2020 16.12.2020 von Thomas Warnke

… doch dann kam „Corona“

Voller Optimismus starteten die Mannschaften des SV Bruchhausen-Vilsen in die neue Saison 2019/20. Der vorgezeichnete Weg wurde eingehalten: Die E-Jugend gewann die Hallenkreismeisterschaft und hochkarätig besetzte Turniere in Oldenburg, Stenum und Bremen, die 1. und die 2. Herren hielten sich in der Spitzengruppe der Kreisliga und 1. Kreisklasse. Im Februar 2020 war dementsprechend auch in der Presse zu lesen:

„Der SV Bruchhausen-Vilsen könnte am Ende der Saison Vereinsgeschichte schreiben, wenn die erste und zweite Herren in die nächsthöhere Liga aufsteigen ...“.

Im eFootball, der jüngsten Sportart im SV, gewannen das SV-Team mit Arsen Orzjan und Sören Gerdes die Niedersächsische Vizemeisterschaft, ein neues erfolgreiches Jahrzehnt für den SV Bruchhausen-Vilsen schien sich anzudeuten...,

 

… doch dann kam „Corona“!

 

Zunächst schien es sich nur um eine in Asien angesiedelte Viruserkrankung zu handeln, doch dann rückte von Tag zu Tag das Grauen immer näher an Europa heran, bis schließlich Ende Januar auch erste Fälle in Deutschland bekannt wurden. Als Mitte März die WHO den Zustand der Pandemie ausgerufen hatte, kam nahezu der gesamte Sportbetrieb in Deutschland und der Welt zum Erliegen. Die Olympischen Spiele, Welt- und Europameisterschaften und vieles anderes mehr wurden abgesagt und verschoben, in den Fußball-Amateurbereichen wurden die Ligaspiele erst gar nicht wieder aufgenommen. Die einzelnen Sportverbände tagten fieberhaft, um hinsichtlich einer möglichen Fortführung des Ligabetriebes zu einer Lösung zu gelangen. Verschiedene Rechenmodelle in der Frage des Aufstiegs wurden diskutiert, Absteiger gab es in dieser Saison nicht. Und tatsächlich war es dann so, dass die 1. und 2. Herren des SVBV aufsteigen konnten. Die Saison 1920/21 wurde neu durchstrukturiert, der Spielbetrieb konnte unter speziellen Hygienemaßnahmen im Herbst 2020 wieder beginnen, bis zum zweiten Lockdown.

Es erweist sich nun, dass der SV Bruchhausen-Vilsen in den vergangenen Jahren gut beraten war, keine finanziellen Kraftakte vollführt zu haben, um einzelne Mannschaften des Vereins in die höchsten Ligen des Amateurfußballs hineinzubringen. Das ursprüngliche Ziel, ein integrativer, wesentlicher Bestandteil in der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen sein zu wollen, hatte seit Gründung des Vereins an oberster Stelle gestanden.

Die „Corona-Pandemie“ wird dazu führen, dass erhebliche Veränderungen im Vereinswesen zu beklagen sein werden. Der dadurch hervorgerufene Mitgliederschwund bei einzelnen Vereinen wird  unweigerlich zu Insolvenzen führen. Es wird sich zeigen, ob der Sport von der Spitze bis zur Basis eine tatsächliche Solidargemeinschaft ist. Darauf käme es nämlich an, um das so wichtige und bedeutende Vereinswesen am Leben zu erhalten. Der ehemalige Samtgemeindebürgermeister Horst Wiesch und der Fleckensbürgermeister Peter Schmitz sagten 2013 absolut zutreffend:

„... Vereine verbinden Menschen mit gleichen und ähnlichen Zielen, Interessen, Anliegen … und schaffen Gemeinschaft … Ein Verein muss gedeihen und wachsen, sich neuen Anforderungen stellen und attraktiv bleiben … Wir brauchen die Vereine in unserer Gesellschaft wie das tägliche Brot. Sie geben ihren Mitgliedern Halt und die Möglichkeit zur Verwirklichung ihrer Vorstellungen.“

Vereine waren und sind ein Spiegelbild der Gesellschaft, sie haben elementare Funktionen übernommen, die für die Gesellschaft überlebenswichtig sind. Nur sind die Aufgaben gewachsen!

Der SV Bruchhausen-Vilsen ist bereit dazu, sich auch weiterhin dieser Verpflichtung zu stellen!

Dies ist der 12. und letzte Teil eines nur kurzen Auszuges aus der Jubiläums-Chronik des SV Bruchhausen-Vilsen zum 100jährigen Vereinsjubiläums. Auf über 400 Seiten, reich bebildert und umfassend erläutert, wird in dieser Chronik die Geschichte des Vereins von der Weimarer Republik über das Dritte Reich bis hin zur Bundesrepublik Deutschland geschildert. Sie ist käuflich zu erwerben über die Homepage des SV Bruchhausen-Vilsen sowie über die Buchhandlung Böhnert  in Bruchhausen-Vilsen.

Recherche und Text: Horst Delekat

SVBV 2020 15.12.2020 von Thomas Warnke

Onlinebestellung der Vereinschronik wieder möglich

Durch den Corona-bedingten Lockdown können wir die Chronik ab dem 16.12. leider nicht mehr im Einzelhandel anbieten. Ihr habt aber die Möglichkeit unsere Chronik hier online zu bestellen. Wir kümmern uns darum, dass diese an euch ausgeliefert werden kann. Die dadurch entstehenden Versandkosten müssen wir leider an euch weitergeben.

Hier geht es zur Onlinebestellung

SVBV 2020 09.12.2020 von Thomas Warnke

2010 - 2019

Der Verein ist schuldenfrei und gesund

„Der Verein ist schuldenfrei und finanziell gesund, wir sind erfolgreich und wir haben Potenzial nach oben. Der SV Bruchhausen-Vilsen hat Fahrt aufgenommen.“

So berichtet der Präsident Thomas Warnke auf der Jahreshauptversammlung im Januar 2011. Und damit hatte er recht. Die gegen Ende des Jahres 2009 definierten Ziele waren tatkräftig angegangen worden: in vielen Bereichen wurden die unterschiedlichsten  Aktivitäten innerhalb des Vereins unterstützt und gefördert. Der Verein wollte ebenso seine öffentliche Präsenz deutlich erweitern, auch sollten die „inneren Strukturen“ optimiert werden. Präzise hieß das, dass durch die Einrichtung der Position eines „Sportlichen Leiters“ eine engere Verbindung zwischen der A- und B-Jugend und der 1. und 2. Herren geschaffen werden sollte. Damit wurde nicht nur eine Aufwertung des Jugendbereichs erreicht, der gesamte Verein sollte davon profitieren. Und genau das trat auch ein: Eine unglaubliche Aktivität auf allen Ebenen setzte ein. Meisterschaften und Pokalsiege in einer noch nicht dagewesenen Fülle wurden erreicht, 31 Titel in diesem Jahrzehnt, nicht einbezogen Hallenmeisterschaften und Siege in Vorbereitungsturnieren. Die jahrelange Arbeit und das Engagement aller Vereinsmitglieder trug erkennbare Früchte. Der Altersdurchschnitt der 1. Herren betrug 20,9 Jahre und entsprach genau dem, was der 1. Vorsitzende Thomas Warnke in seinem „Fundament der lila-weißen Zukunft“ fixiert hatte: die nahezu professionelle Konzentration auf den Jugendbereich verbunden mit einer weiteren gesellschaftlichen Herausforderung. Angesichts der geöffneten Grenzen und des Zustroms an Flüchtlingen gewann der Aspekt der Integration von Aussiedlern, Emigranten und Flüchtlingen für den SV Bruchhausen-Vilsen eine übergeordnete Aufgabe.

„Visitenkarte SVBV – Mit allem, was wir als Mitglieder tun, wie wir uns verhalten und in der Öffentlichkeit auftreten, werden wir genau beobachtet. Daher ist die wichtigste Leitlinie für den gesamten Verein „Respekt“. Respektvoller Umgang innerhalb des Teams, mit dem Gegner und allen Nationalitäten, Geschlechtern und Generationen gehört selbstverständlich dazu. Es ist ein großer Unterschied, ob man sich Respekt verschafft oder Respekt verdient! Wenn aber die Gemeinsamkeit des SVBV verletzt wird, werden wir nicht davor zurückschrecken, Mitglieder aus dem Verein auszuschließen. Dies tun wir aus Respekt vor den anderen Mitgliedern!“

Und diese Haltung schwappte über. Die Alten Herren erreichten erneut das Finalturnier um die Niedersachsenmeisterschaft, diesmal dazu auch noch die Oldies (Ü 50). Eine Super-Oldie-Mannschaft (Ü 60) konnte gemeldet werden, als erste Mannschaft im Landkreis Diepholz überhaupt. Gerade im Jugendbereich präsentierte sich der SV Bruchhausen-Vilsen bei vielen Turnieren, u.a. nahmen die B-Juniorinnen in diesem Jahrzehnt mehrfach an einem internationalen Turnier in Barcelona teil und hinterließen auf dieser Ebene einen hervorragenden Eindruck.

Die Schilderung der vergangenen Jahrzehnte zeigte eine kontinuierliche Verbesserung auf allen Ebenen. Die sportlichen Erfolge im unteren Amateurbereich waren kaum mehr zu überbieten, durch die vielen weiteren Aktivitäten gewann der SV einen ungeheuren Zulauf. Das Identifikationspotential stieg damit auch in einer Weise, wie es einige Jahrzehnte zuvor kaum jemand hatte erahnen können. Homepage und Fanshop trugen natürlich ebenso dazu bei. Nur eines durfte darüber nicht vergessen werden:

Dieser Erfolg hatte seine Basis in einem unglaublich harten Einsatz aller Verantwortlichen, die als ehrenamtlich Tätige in ihrer Freizeit dafür sorgten, dass der „Betrieb SVBV ins Laufen“ kommen konnte. Auf der Jahreshauptversammlung 2012 hieß es denn auch folgerichtig vom Präsidenten:

„“... (..) ich (möchte) diesen Ehrenamtlichen danken. Ohne Euch (da gibt es keinen Zweifel) würde es den SV Bruchhausen-Vilsen nicht geben. Es würden nicht jeden Tag über 250 Jugendliche betreut werden. Es würde keinen Fußball und keinen Spaß geben. Die Integration von ausländischen und deutschen Kindern würde weniger stattfinden. Die Welt wäre insgesamt trauriger!“

Die Vorzeichen für das Jubiläumsjahr waren nahezu perfekt. Die Früchte der jahrelangen Arbeit brauchten eigentlich nur noch eingefahren zu werden – doch dann tauchte ein Gegner auf, den keiner auf dem Plan hatte.

Recherche und Text: Horst Delekat

SVBV 2020 02.12.2020 von Thomas Warnke

Die Zweitausender

Einzug in das neue Jahrtausend – der SV BV 2.0

Die 90er Jahre hatten die Messlatte für die Verantwortlichen des SV Bruchhausen-Vilsen hoch gehängt. Die positive Entwicklung des Vereins war im Grunde kaum mehr zu toppen. Damit verbunden war aber auch ein immenser Arbeitsaufwand für den Vorstand des SV um den Präsidenten Hermann Grieme und ab 2005 Reinhard Kleinschmidt. Mit dem Erfolg waren natürlich auch die Ansprüche der Mitglieder gestiegen. In der Vereinszeitung zu Beginn dieses Jahrtausends erhob der langjährige Jugendleiter Johann Mewes dementsprechend seine Stimme und forderte nachdrücklich mehr Trainer und Betreuer sowie bessere Trainingsmöglichkeiten. Dieser Weckruf wurde erhört, auch wenn es eine immerwährende Frage bleiben sollte, wie gute Mitarbeiter gewonnen werden könnten. Qualifizierte Trainer mit modernen Trainingsmethoden waren und sind nun einmal ein Erfolgsgarant für eine positive Entwicklung. Der Vorstand mit der Jugendabteilung bemühte sich vor allem darum, auch im Bereich der jüngeren Sportler des SV semiprofessionelle Verhältnisse zu schaffen. Als besonders positiv erwies sich hier die Kooperation im Jugendbereich mit den Nachbarvereinen TSV Martfeld, TSV Asendorf, TSV Süstedt und TSV Schwarme. Alle Jugendlichen aus allen Gemeinden konnten somit immer sicher sein, in einer Mannschaft gut trainiert werden zu können und – vor allem – auch spielen zu können. Das Angebot war groß genug. Dadurch war die Freude am Sport und die Motivation für den Sport in jedem Fall gegeben.

24 Kreis- und Staffelmeisterschaften sowie drei Kreispokalsiege konnten in diesem ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausend verzeichnet werden – eine unglaubliche Anzahl an Titeln! Bemerkenswert dabei waren die vielen Titel im Bereich der F- und E-Jugend, ein Beweis für die richtige Zielsetzung des Vereins.

Genauso bemerkenswert ist aber auch, dass sich auch die Altherrenabteilung nicht „lumpen ließ“: Die Oldies holten in dieser Zeit zwei Titel, die Alte Herren qualifizierte sich 2009 sogar für die Niedersachsenmeisterschaft. Auch die Fußballdamen gewannen zum ersten Mal die Kreismeisterschaft. Lediglich die Korbball-Abteilung konnte nach bald 25 Jahren Spielbetrieb 2004 keine Mannschaft mehr melden. Ohne Zweifel ein Wermutstropfen, dafür allerdings wuchs die Beteiligung in der Sparte Mädchen- und Frauenfußball.

Der Vereinsvorsitzende Reinhard Kleinschmidt konnte somit zum Ende seiner Vorstandsarbeit 2007 voller Stolz mitteilen:

„Allein im Jugendbereich konnten wir 52 kleine Pokale an unsere Spieler in Anerkennung für ihre Leistungen überreichen. Der Sport im Verein steht in voller Blüte und lebt von den vielen engagierten Mitgliedern und Betreuern. Und mit vereinten Kräften sollte es uns gelingen, uns stets ein wenig zu verbessern.“

Mit diesen nicht geringen Ansprüchen legte er das Heft des Handelns auf der Jahreshauptversammlung 2008 in die Hände seines Nachfolgers Thomas Warnke, der nun begann, den „SV Bruchhausen-Vilsen v. 1920“ zu einem „SV BV 2.0“ zu gestalten. Es galt, die weiteren „Umstrukturierungen“ auf die Anforderungen des 21. Jahrhunderts einzuleiten, dabei allerdings auch wesentliche Grundsätze aus der Tradition des Sportvereins beizubehalten. Kein leichtes Unterfangen, aber ihm gelang dieser Spagat in eindrucksvoller Weise. Er schaffte es, die Generationen im „digitalen Zeitalter“ eng miteinander zu verbinden. Daneben sollten es bei den sportlichen Leistungen nicht unbedingt einen Einbruch geben. Thomas Warnke schwebte dafür auch eine enge Kooperation mit dem Gymnasium Bruchhausen-Vilsen vor. Begeistert fand er hier Unterstützung bei dem damaligen Schulleiter Reinhard Heinrichs, der treffend bemerkte:

„Wenn es uns gelingt, Kinder und Jugendliche von der Straße in den Verein zu bekommen, ist unsere Aufgabe gelungen“.

Mit der Einrichtung der Homepage schaffte es der Sportverein, eben auch viele dieser Jugendlichen anzusprechen. Gleichzeitig wurden damit auch weitere Forderungen an einen Verein der Moderne eingelöst: Transparenz, Information, Öffentlichkeit. Der neu eingerichtete Fanshop brachte zudem die Möglichkeit der Identifikation mit dem Verein mit sich.

Der Schritt zum „SV BV 2.0“ war getan.

Recherche und Text: Horst Delekat

 

 

 

 

 

 

 

SVBV 2020 02.12.2020 von Thomas Warnke

Vereinschronik des SV Bruchhausen-Vilsen ab sofort bei Buchhandel Böhnert erhältlich!

Liebe Freunde und Fans des SV Bruchhausen-Vilsen,

die Vereinschronik ist ab sofort bei Schreibwaren Böhnert in Bruchhausen-Vilsen für den Preis von 33,50 € erhältlich.

 

SVBV 2020 01.12.2020 von Thomas Warnke

Wo Fußball gelebt wird

Der SV Bruchhausen-Vilsen ist an seinem 100. Geburtstag sportlich und strukturell zukunftssicher aufgestellt

Wenn es ein Ständchen gibt, dann ein leises. Ganz gewiss keines, das dem Anlass gerecht wird. 100 Jahre SV Bruchhausen-Vilsen. Den Geburtstag an diesem Dienstag wollte der Verein groß feiern mit einem Festkommers und einem Ball am kommenden Wochenende als Höhepunkt. „Jetzt ist alles ein bisschen anders“, sagt Thomas Warnke. Er kommt nicht umhin festzustellen: Für ein Jubiläum hat sich der Verein eigentlich das falsche Jahr ausgesucht.

So sehr die Corona-Pandemie auch die Pläne der Brokser durchkreuzt hat, so wenig lässt sich Warnke jedoch die Laune verderben. „Wir können unseren 100. Geburtstag auch 2021 feiern“, bekräftigt er. Das Jubiläum werden sich die Lilahemden nicht verderben lassen. Es wird allerdings anders sein als beim 75. Geburtstag, als Willi Lemke die Festansprache hielt und die Brokser gegen den SV Werder Bremen und den FC St. Pauli spielten. „Dieser Gedanke“, sagt Warnke, „ist mometan total weit weg.“

Es ist der Blick ins Innere des Vereins, der ihm Freude bereitet. Sportlich steht die erste Mannschaft in der Bezirksliga glänzend da. Dasselbe gilt für die Zweite in der Kreisliga. Auch die rund 570 Mitglieder beweisen: Der SVBV boomt. In den 90er-Jahren war der Verein noch rund 450 Mitglieder stark. „Seit zwei Jahren sind die Austritte extrem zurückgegangen“, hat Warnke beobachtet. Stattdessen wächst der Klub von Jahr zu Jahr weiter.

Heute prägt eine junge Generation die erste Vilser Herrenmannschaft. Motor des Spiels im zentralen Mittelfeld ist Moritz Warnke.
 

„Das Spannende ist, dass sich die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen seit der Gründung auch bei uns im Verein widerspiegeln“, findet der Vorsitzende. Der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg, die Zeit der Träume und Proteste Ende der 60er- und Anfang der 70er-Jahre – all das hat auch die Brokser geprägt. Eigenständig waren sie nicht immer. Vereinsgründer Hermann Pantföder war ein Heimkehrer aus dem Ersten Weltkrieg. Er brachte den Fußball von der Front mit. Zunächst spielten er und seine Mitstreiter im Männerturnverein Bruchhausen. Doch so recht wurden Turner und Kicker nicht warm miteinander. Dadurch wuchs der Wunsch nach Eigenständigkeit. Der 1. Dezember 1920 ist als Gründungsdatum in die Annalen des SV Bruchhausen-Vilsen eingegangen.

Beim Sportplatzbau packten sie alle mit an, sogar die Briten. Der Platz wurde im Jahr 1960 eingeweiht. Dort finden noch heute Spiele und Trainingseinheiten der Vilser statt.
 

Dass Pantföder später Karriere in der SA machte, ist eine weitere Facette der SVBV-Geschichte. Auf ihn folgte mit Hermann Wülbers ein Präsident, der das genaue Gegenteil verkörperte. Die Gegensätze der Gesellschaft finden sich auch im Verein wieder, der 1926 die erste Meisterschaft im NFV-Sportgau feierte. Weitere Meilensteine waren etwa der Aufstieg in die Amateurliga 1960 und im selben Jahr die Einweihung der Sportanlage am Marktplatz. Dort spielen die Brokser noch heute, mittlerweile aber sind ein zweiter Platz und eine Tribüne dazugekommen. Seit 1970 steht dort auch ein Sportheim. Einmalig sind auch die fünf Finaleinzüge im Kreispokal zwischen 2012 und 2016. Am Ende feierte Vilsen drei Titel.

Zwei Zwangsfusionen

Zweimal musste der SVBV mit dem Turnverein, dem anderen großen Klub des Ortes, zwangsfusionieren. Einmal während der NS-Zeit und einmal nach dem Zweiten Weltkrieg unter britischer Besatzungsmacht. Zusammen blieben die Klubs nie. Das Thema Fusion stand dennoch in der jüngeren Vergangenheit ein paar Mal auf der Tagesordnung, besonders dann, wenn es an Vorstandskandidaten mangelte. Eine Fusion könne er in der Zukunft nicht komplett ausschließen, sagt Warnke zwar, „aber ich kann es mir nur vorstellen, wenn man es nicht aufgrund eines Zwanges tut. Ich glaube aber, dass beide Vereine gut aufgestellt sind.“

Mit Fug und Recht kann Warnke, seit 2008 an der Spitze der Brokser, das von seinem Klub behaupten. Das Vereinsgelände ist ein Schmuckstück, die Zuschauerzahlen sind hoch, die Zahl der Helfer ebenso. „Es ist schon so, dass es da einen gewissen Lokalpatriotismus gibt. Was wir machen, hat eine Bedeutung für die Leute“, findet der Vorsitzende. Das hänge vor allem damit zusammen, dass der Großteil der Spieler aus dem Ort käme. „Die Leute kennen sie, deshalb interessieren sie sich für sie.“ Ein Beleg dafür war etwa die Stickeraktion, eine der wenigen Geburtstags-Ideen, die realisiert werden konnte. „Das war Ortsthema. Es wurde mehr verkauft, als wir erwartet haben. Genaue Zahlen haben wir nicht, aber viele Verkaufsstellen mussten oft nachbestellen“, blickt Warnke zurück. Dass der SV Bruchhausen-Vilsen ein fester Bestandteil des Ortes ist, wird besonders während des Brokser Marktes deutlich. Der Festplatz ist direkt gegenüber der Marktplatzarena. Beim Heimspiel der Lilahemden am Sonnabendnachmittag stehen die Zuschauer nicht selten in Zweier- oder Dreierreihen um das Spielfeld herum. „Da spürt man die Verbundenheit am meisten. Es ist der Markt der Heimkehrer. Dann sind viele da, die nicht mehr in Vilsen leben, und sie schauen sich unser Spiel an“, freut sich Warnke. Der SVBV bedeute Zusammenhalt, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Das habe sich in 100 Jahren nicht geändert.

Seit 2008 Vorsitzender: Thomas Warnke

 

Nur der Fußball hält sich

Obwohl es auch Orchester-, Box- oder auch Schauspiel- und Korbballgruppen gab, hat im Verein nur Fußball überdauert. „Ein Ein-Sparten-Verein macht die Entscheidungsprozesse einfacher“, müssen Warnke und seine Mitstreiter nicht auf andere Abteilungen schauen. Die Hierarchien sind flach. Alles dreht sich um Fußball. Das sorgt für eine besondere Atmosphäre. Dass sich der Klub mit seiner kostenintensiven Sparte halten kann, macht der Vorsitzende unter anderem an der Arbeit seiner Vorgänger fest. „Sie haben frühzeitig erkannt, dass wir nicht nur auf Beiträge setzen können.“ Die seien nämlich in der Regel Mitte des Jahres aufgebraucht. „Wir brauchen ein gutes Konzept für Sponsoren, wir brauchen Bandenwerbung, wir pflegen unsere Anlage selbst, um die Kosten gering zu halten. Die Beiträge machen bei uns 40, 45 Prozent aus. So können wir gut leben.“

Die Zukunft beschäftigt Warnke und Co. jederzeit. Mit seiner Bewässerungsanlage war der SVBV einer der Vorreiter im Kreis Diepholz, nun will er sich CO2-neutral aufstellen. Auch eine Anzeigetafel spielt in den Gedanken der Verantwortlichen einen Rolle. „Wir lachen oft darüber, aber die Dinge, über die wir gelacht haben, sind oft gekommen“, sagt der Vorsitzende. Die kleine Tribüne soll zudem lila-weiße Sitzschalen erhalten. All das sind eher kleine strukturelle Planspiele. Das große Ganze passt.

Doch gilt das auch personell? Warnke, der sich selbst am Wochenende als Fan und nicht als Vorsitzenden sieht, wollte ursprünglich zehn Jahre im Amt bleiben. Zwölf sind es mittlerweile. „Ich bin so selbstbewusst zu sagen, dass ich meinen Beitrag an der Entwicklung der letzten Jahre hatte. Aber wir sind jetzt auch an einem Kipppunkt. Ich glaube, dass es in dem Verein Leute gibt, die das jetzt noch besser können. Es ist unsere Aufgabe im Vorstand, diejenigen zu finden und zu erkennen. Ob das ein Jahr dauert, ein halbes oder drei, das weiß ich nicht“, denkt er an die Zeit nach seiner Ära.

Die Chance, sich zu etablieren

Dabei spielt freilich auch der Sport eine Rolle. Im Herren-, Damen- und Mädchen- sowie im Seniorenbereich hat Warnke nichts zu bemängeln. Bei den Junioren sieht es etwas anders aus. „Wir haben Probleme, Trainer zu bekommen, die Zeit haben und qualifiziert sind. Wir hätten besser darauf achten müssen, ob das, was wir geschaffen haben, nachhaltig ist“, ist der Vorsitzende selbstkritisch. Mit Blick auf die Aushängeschilder, nämlich die erste und die zweite Herrenmannschaft, ist er positiv gestimmt. „Die Chance, dass wir uns in der Bezirksliga etablieren, war wahrscheinlich nie größer als jetzt“, sagt er über die junge Elf mit viel Potenzial. „Die Zweite spielt zudem in der Kreisliga eine super Saison. Viele Spieler sind nicht weit weg von der Ersten“, sieht er eine große Leistungsdichte. 

Doch selbst, wenn sich der Verein, der Fußball lebt, nicht auf Dauer auf Bezirksebene etablieren könne, sei das kein Beinbruch. „Wichtig ist, dass die Leute über den Verein sagen: Das ist meins, da fühle ich mich zuhause, damit kann ich mich identifizieren.“ Das Image spiele eine entscheidende Rolle für die Zukunftsfähigkeit. „Wie es ist, siehst du daran, welche Geschichten erzählt und wie sie erzählt werden“, weiß Warnke. Storys gibt es jede Menge nach 100 Jahren. Erzählt werden sie in Vilsen mit einem Lächeln im Gesicht. Das ist für Warnke und seinen SVBV das schönste Geburtstagsgeschenk. Die große Sause, der Festkommers und ein Ballsaal in Lila und Weiß, die Feier mit den Mitgliedern und den Freunden – all das soll im kommenden Jahr folgen. Ausschließlich leise soll der Geburtstag nicht verstreichen.

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 01.12.2020

SVBV 2020 27.11.2020 von Thomas Warnke

Seinem Verein zuliebe

Dreieinhalb Jahre hat Horst Delekat an der Vereinschronik des SV Bruchhausen-Vilsen gewerkelt

Bruchhausen-Vilsen. Das große Jubiläum ist in greifbarer Nähe. Am Dienstag, 1. Dezember, wird der SV Bruchhausen-Vilsen sage und schreibe 100 Jahre alt. Eine große Sause wird es aufgrund der momentanen Corona-Situation logischerweise nicht geben. Trotzdem gibt es Grund zur Freude für die Anhänger des Vereins: Denn die Vereinschronik des SV Bruchhausen-Vilsen über das bald 100-jährige Bestehen befindet sich in wenigen Tagen im Umlauf und kann bei Schreibwaren Böhnert in Bruchhausen-Vilsen käuflich erworben werden. 

Und wie kann es auch nicht anders sein, als dass sich ein gebürtiger Brokser um die gesamte Vereinschronik gekümmert hat. Horst Delekat, geboren in Bruchhausen-Vilsen und mit acht Jahren in den Verein eingetreten, hat knapp dreieinhalb (!) Jahre an dem Werk gearbeitet. Seinem SV Bruchhausen-Vilsen zuliebe. Natürlich kennt Delekat den Ort und auch den Verein wie seine Westentasche, auch wenn er mittlerweile als Oberstudienrat für Politik und Wirtschaft an einer Schule in Stade in der Nähe von Hamburg arbeitet. Bis zu einem Alter von 29 Jahren hat Delekat für den SV Bruchhausen-Vilsen die Fußballschuhe geschnürt, unter anderem mit der ersten Herren den Aufstieg in die Bezirksklasse miterlebt. „Das waren schon tolle Zeiten“, erinnert er sich gerne zurück. „Wir hatten eine richtig gute Truppe zusammen.“ 

Auch wenn er selber nicht mehr kickte, war er im Verein aktiv und kümmerte sich von 1983 bis 1993 komplett alleine um die Vereinszeitung des SV Bruchhausen-Vilsen, die einmal jährlich erschienen und auch jetzt noch präsent ist. Seit 1993 kümmert er sich zudem um die Vereinsgeschichte, die Rubriken Gegenwart und Zukunft hat Georg Hasemann übernommen.

So war es dann auch keine Überraschung, dass Thomas Warnke, seines Zeichens Vorsitzender des SVBV, auf Delekat zukam und ihn bat, die Vereinschronik für das 100-jährige Bestehen zu übernehmen. „Ich musste nicht lange überlegen. Es war eine interessante Aufgabe für mich. Und dem Verein hatte ich einfach eine Menge zu verdanken, denn der Vereinssport ist für mich immer sehr wichtig gewesen. Beim SV Bruchhausen-Vilsen habe ich wesentliche Erfahrungen für mein Leben gemacht“, betont der mittlerweile 65-Jährige, der seit 1983 in Stade lebt.

Ein etwas anderes Konzept

Doch wie genau ist Delekat an die Vereinschronik herangegangen? „Ich habe zunächst einmal ein Konzept entwickelt und das dem Vorstand in einem Treffen vorgelegt. Ich wollte es etwas anders machen, als die üblichen Vereinschroniken mit den ganzen Erfolgen. Meine Idee war, die Chronik auch gesellschaftlich-politisch aufzuziehen.“ Damit war der Verein einverstanden und Delekat machte sich ans Werk. „Ich hatte so viel Material zur Verfügung, weshalb sich die Recherche immer wieder erweitert hat“, beschreibt Delekat. „Unter anderem konnte ich auf die Zeitungsarchive, die Protokolle der Jahreshauptversammlungen, die Jahresberichte der Vereinsvorsitzenden und meine eigenen Unterlagen der Vereinsgeschichte zurückgreifen. Und daraus sind dann eben 24 Kapitel entstanden.“

Dafür habe er sich systematisch vorgearbeitet und einzelne Blöcke vorgenommen, erzählt Delekat. „Eine Woche waren die Zeitungsarchive dran, eine Woche die Vereinshefte. Und das ging dann immer so weiter. Dann hat sich alles wie ein großes Puzzleteil mit der Zeit zusammengefügt.“

Und nun, nach rund dreieinhalb Jahren, sei er froh und stolz darauf, die Vereinschronik zum 100-Jährigen fertiggestellt zu haben: „Und ich bin gespannt, wie sie bei den Leuten im Ort ankommen wird.“ Durch diese Arbeit hat Delekat wieder etwas dazugelernt: „Es ist mir nochmals deutlich geworden, was für einen Stellenwert der Verein für den gesamten Ort hat. Der SV Bruchhausen-Vilsen ist ein zentraler Fixpunkt gewesen und will das in Zukunft auch weiterhin sein. Das Ganze hat mir auch gezeigt, wie viel mir der Verein eigentlich bedeutet. Und dafür bin ich einfach nur dankbar.“

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 27.11.2020

SVBV 2020 21.11.2020 von Thomas Warnke

Die 90er Jahre

Auf Wolke Sieben

Überglücklich waren am Anfang dieses Jahrzehnts nicht nur die Vorstandsmitglieder des Sportvereins. Der jahrzehntelange Kampf um eine Optimierung der Sportanlagen hatte endlich Erfolg gezeigt: Mit dem 70jährigen Vereinsjubiläum im Sommer 1990 fand die Einweihung der Stadionsportanlage oberhalb des alten Platzes statt, der damit endlich entlastet und vernünftig gepflegt werden konnte. 1994 wurde eine Tribüne errichtet, daneben wurden immer deutlichere Verbesserungen am Vereinsheim vorgenommen. Beste Voraussetzungen für „sportliche Höchstleistungen“ also. Und die Aktiven setzten die Wünsche und Hoffnungen des Vorstandes in diesem Jahrzehnt sofort in die Tat um. Allein 20 Staffel- und Kreismeisterschaften gingen in den 90er Jahren an den SV, dazu noch ein Kreispokalsieg und eine Vize-Staffelmeisterschaft der jüngsten Sparte des SV, der Korbballdamen.

Die Meistertitel wurden fast ausschließlich im Junioren- und Alt-Seniorenbereich eingefahren. Der SV Bruchhausen-Vilsen war attraktiv für alle Altersgruppen geworden: Der Jugendbereich boomte genauso wie der Seniorenbereich. Im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen blieben Seniorenspieler nach dem Ende ihrer Karriere in der 1., 2. oder 3. Herren weiter im Verein und betätigten sich aktiv in den Altherren-Mannschaften. 1990 verlieh der DFB dem SV die Auszeichnung „für eine bemerkenswerte Jugendarbeit“ der Sepp-Herberger-Stiftung. Ein ganz wichtiger und wesentlicher Schritt zur Unterstützung der jüngsten Sportlerinnen und Sportler im Verein war 1995 die Gründung des Jugendfördervereins. Der Gründungsvorstand um Hermann Grieme und Johann Mewes setzte klare Zeichen dafür, dass in der Arbeit dieses Vereins die Zukunft  zu suchen sei. Ihre Nachfolger Heinrich Büntemeyer und Jan Kornau bauten das Engagement bis in die Gegenwart weiter aus.

Ein absoluter Höhepunkt in den 90er Jahren war zweifellos das 75jährige Vereinsjubiläum im Sommer 1995. Der Manager des SV Werder Bremen, Willi Lemke, hielt die Festansprache, einen Tag zuvor hatte die Bundesligamannschaft gegen die 1. Herren des SV Bruchhausen-Vilsen einen begeisternden Eindruck hinterlassen. In der Jubiläumswoche, in der der SV noch gegen den FC St. Pauli antrat, fanden sich auf der Sportanlage 4000 Zuschauer ein, die so einen überaus positiven Eindruck von den Aktivitäten des Gesamtvereins gewinnen konnten. In einer Grußbotschaft der Gemeinde Bruchhausen-Vilsen zu diesem Jubiläum hieß es dementsprechend folögerichtig:

„Das ist ein Jubiläum, das es verdient, gefeiert und in entsprechendem Maße gewürdigt zu werden... Seit dem Gründungstag am 1.12.1920 hat es der SV Bruchhausen-Vilsen von 1920 e.V. stets verstanden, sich den Gepflogenheiten und Bedingungen der Zeit anzupassen, ohne jedoch die traditionellen Werte zu vernachlässigen. Nur so ist es zu erklären, dass der heute 450 Mitglieder starke Verein bereits nach kurzer Zeit zu einer festen Größe in der örtlichen Gemeinschaft des Fleckens Bruchhausen-Vilsen wurde ...“.

Für die Jugend sowohl der Gemeinde als auch natürlich des Sportvereins wurde ein Jahr später dieser Eindruck noch vertieft, als der VILSA-Cup die zweite Hälfte der 90er Jahre für die E- und D-Jugend-Mannschaften prägte. Mit der Unterstützung des Vereinssponsors trat in diesen Jahren der hochkarätige Nachwuchs von Mannschaften wie Bayern München, HSV, VfB Stuttgart, Hannover 96, Werder Bremen und weiteren namhaften Mannschaften der 1. und 2. Bundesliga in Bruchhausen-Vilsen an, ein Erlebnis, das kaum jemand vergessen haben dürfte.

Passend und quasi krönender Abschluss dieses Jahrzehnts war dann der Aufstieg der 1. Herren in die Bezirksliga. Die Planungen und Hoffnungen der Verantwortlichen im SV waren in Erfüllung gegangen. Der Verein war hervorragend aufgestellt, von der Jugend bis in den Altherrenbereich, von den Ehrenamtlichen bis zu den passiven Mitgliedern. Es war wie in den frühen Jahrzehnten: Der SV organisierte etwas – und alle kamen!

Recherche und Text: Horst Delekat

SVBV 2020 14.11.2020 von Thomas Warnke

Die 80er Jahre

Harte Arbeit trägt Früchte

Demokratie und Transparenz: die Ideale, die ab den 70er Jahren die Vereinsführungspolitik dominierten, waren das Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit nach dem Krieg. Der demokratische Weckruf war gehört worden, der Sportverein Bruchhausen-Vilsen hatte sich eine zeitgemäße und zukunftsorientierte Struktur gegeben. Allen Vereinsmitgliedern ab 16 Jahren waren nunmehr die Möglichkeiten zur Mitbestimmung eingeräumt. Der personelle Umbruch auf nahezu allen Ebenen des Vereins war eingeleitet worden. Die für die einzelnen Mannschaften des Vereins tätigen Trainer und Betreuer wurden nunmehr bewusst ausgesucht oder verpflichtet: es wurde einfach Wert darauf gelegt, in jeglicher Hinsicht den Staub der Vergangenheit abzuschütteln. Die Vereinsführung unter dem Präsidenten Dieter Borcherding suchte permanent nach Möglichkeiten, alle Bereiche innerhalb des Vereins zu optimieren. Der sportliche Erfolg ließ dementsprechend auch nicht lange auf sich warten. Die 80er Jahre waren gekennzeichnet durch eine Fülle von Kreis- und Staffelmeisterschaften, Kreispokalsiegen und Aufstiegen sowohl im Herren- als auch im Jugendbereich. 1981 schaffte es die 1. Herren des Vereins endlich wieder, auf Bezirksebene dabei zu sein, was zu einem sofortigen Anreiz innerhalb des Jugendbereichs sorgte. 1983 wird die B-Jugend Kreismeister, die D-Jugend Staffelsieger. 1985 steigt die A-Jugend in die Bezirksliga auf, die 3. Herren wird Staffelsieger, 1986 Kreismeister C-Jugend, 1987 Staffelmeister F-Jugend, die 2. Herren wird Kreispokalsieger und 1989 Kreismeister A-Jugend, ebenfalls A/B-Jugend und Staffelmeisterschaft bei der F-Jugend.

Als ein weiteres wesentliches Mittel dafür, nahezu jedes Mitglied noch stärker an den Verein anzubinden, konnte die Gründung der „SV - Vereinszeitung“ gelten. Die 1. Ausgabe wurde von Dieter Borcherding eingeleitet mit den Worten: „1983 ist zwar kein Jubiläumsjahr, jedoch ist es uns nach längerer Zeit wieder ein Bedürfnis, unseren Verein mit dieser Broschüre einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Aber auch für unsere eigenen Mitglieder ist dieses Vereinsheft als Informations- und Nachschlagewerk gedacht.“

Seit 1983 und damit seit fast 40 Jahren  erscheint die „SV – Vereinszeitung“, einmal im Jahr pünktlich zum Brokser Markt. Alle Mannschaften des Vereines finden in ihr Berücksichtigung. Pläne und Perspektiven des Vereins werden dargestellt, auch wird in fester Folge ein Blick in die Vergangenheit geworfen. Daneben wird der durch die Werbepartner erzielte Reinerlös direkt und in voller Höhe vor allem in die Jugendarbeit des Vereins gesteckt. Bis in die Gegenwart ist die Vereinszeitung ein Riesenerfolg, getragen von ehrenamtlichen Kräften.

Diese insgesamt so positive Entwicklung des Gesamtvereins hatte paradoxerweise aber auch negative Auswirkungen zur Folge. Die von allen so sehr gelobte und wunderschön gelegene Sportanlage, die sog. Marktplatzarena, konnte den Andrang an Mannschaften seit längerer Zeit schon nicht mehr verkraften. Gegen Ende des Jahrzehntes wollten fast 20 Mannschaften in jeder Woche dort sowohl trainieren als auch Punktspiele durchführen. Der einzige Platz stand schlicht unter Dauerbeanspruchung. Gästemannschaften beschwerten sich sowohl vor als auch nach den Punktspielen permanent über die unglaublich schlechte Qualität des Platzes. In den Strafräumen war so gut wie kein Grashalm mehr zu erkennen, bei Trockenheit standen die Spieler im Sandstaub. Pausenlos startete der Vorstand schon seit Jahren Bemühungen, hier eine Verbesserung zu erreichen. Mit der Gemeinde wurde geredet, mit dem Vereinswirt. Alles wurde getan, um endlich ein zweites Spielfeld zu bekommen und dem alten Platz die so dringend benötigte Ruhe zu verschaffen. Und endlich, nach Jahren harter Verhandlungen, konnte Dieter Borcherding 1989 folgendes verkünden:

„Unser größter Erfolg des Jahres wurde jedoch nicht auf dem Sportplatz erzielt, sondern am Verhandlungstisch: Der langersehnte zweite Sportplatz kann nun endlich gebaut werden, da unser Vereinswirt eine zusätzliche Fläche auf Pachtbasis zur Verfügung gestellt hat. Unser besonderer Dank gilt in diesem Zusammenhang dem Samtgemeinderat und der Verwaltung, ohne deren Engagement das Vorhaben gescheitert wäre.“

Recherche und Text: Horst Delekat

 

 

SVBV 2020 03.11.2020 von Thomas Warnke

Die 70er Jahre

Die Jugend revoltiert

Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre befand sich die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland komplett im Umbruch. Die Zweifel an den Autoritäten waren in vollem Gang, das Aufbegehren gegen überholte Traditionen unüberhörbar. Alte Zöpfe sollten abgeschnitten, die belastete Vergangenheit Deutschlands endlich aufgearbeitet werden. Mit Willy Brandt bekam Deutschland 1969 zum ersten Mal nach dem Krieg einen sozialdemokratischen Bundeskanzler. Sein Wahlkampfslogan „Mehr Demokratie wagen!“ war richtungsweisend vor allem für die junge Generation, deren Revolte nicht mehr zu stoppen war. Demokratie und Mitbestimmung sollten in allen Bereichen des Lebens Eingang finden. Dementsprechend wurden diese Forderungen auch im Sportverein laut. Zweifelsohne hatte Hermann Wülbers sich erhebliche Verdienste um den Wiederaufbau des Sportvereins erworben, seine teilweise rigide Vorgehensweise bei der Durchsetzung seiner Ziele war aber definitiv nicht mehr zeitgemäß.

Dieter Borcherding, der 1974 zum Präsidenten gewählt wurde, hatte nunmehr die schwierige Aufgabe zu bewältigen, die Generationen unter einen Hut zu bekommen. Und das war nicht leicht. Gerade aus dem A- und B-Jugend-Bereich wurde der Wunsch nach einer totalen Umwälzung der Verhältnisse immer lauter. Weg vom „Hipp-Hipp-Hurra – Enthusiasmus“ hin zur Mitbestimmung auf allen Ebenen, das war das nachvollziehbare Ziel der Jugendlichen im Sportverein. Dieser Prozess, den Dieter Borcherding mit einem unglaublichen Engagement und Geschick steuerte, führte schließlich dazu, dass die Beteiligung der Jugendlichen durch gewählte Jugendvertreter satzungsmäßig festgeschrieben wurde. Die ersten Jugendsprecher Hartmut Juricke, Ulf-Werner Schmidt, Kurt Henschel und Werner Schmitz nahmen ihr Amt mit Nachdruck wahr, die Zeiten hatten sich einfach geändert. So gesehen trat auch auf dieser Ebene wieder Ruhe ein.

Der Sportverein hatte nunmehr die besten Voraussetzungen geschaffen. Die ausgesprochen ansehnliche Stadionanlage an dem Wunschplatz war seit den 60er Jahren endlich da, die alte Umkleidebaracke ohne Duschen und Toiletten war (zum Glück) abgebrannt und ein neues, modernes Sportheim konnte gebaut und zum Vereinsjubiläum 1970 eingeweiht werden.

Ebenso positiv war, dass der Verein einen kontinuierlichen Zulauf an Mitgliedern vermelden konnte. Dadurch allerdings mussten Überlegungen angestellt werden, wie für alle Mannschaften Trainingszeiten einzurichten seien. Die einzige Möglichkeit, allen gerecht zu werden, bestand in der Installation einer leistungsstarken Flutlichtanlage, wodurch bis weit in den Abend hinein trainiert werden konnte. Die Organisation dieses Vorhabens wurde noch einmal in die Hände des Ehrenvorsitzenden Hermann Wülbers gelegt, der mit bekanntem Einsatz an die Umsetzung des Planes ging. Innerhalb eines halben Jahres konnte dann auch „Vollzug“ gemeldet werden. Die Anlage stand und übertraf alle Erwartungen. Und für die Einweihung hatte sich der Vorstand etwas Besonderes überlegt: Ein Prominentenspiel gegen altbekannte Fußballstars. Dieses Spiel zur Einweihung der Flutlichtanlage wurde auf den 23. August 1975 gelegt, dem Tag der Eröffnung des Volksfestes „Brokser Markt“. Und wie erhofft strömten die Zuschauer auf die Stadionanlage. Noch nie gesehene 4000 Zuschauer suchten die Gelegenheit, Stars aus der jüngeren, aber auch ferneren Vergangenheit leibhaftig sehen zu können. Ehemalige Nationalspieler, Weltmeister und Deutsche Meister wie Uwe Seeler, Helmut Rahn, Horst Szymaniak, Willi Schulz, Bernd Patzke, Max Lorenz, Günther Bernard, Pico Schütz, Heinz Steinmann und andere  hatten mit der sog. „Uwe-Seeler-Traditionself“ den Weg nach Bruchhausen-Vilsen angetreten. Bei traumhaftem Sommerwetter wurde den Zuschauern ein Spektakel der Alt-Internationalen geboten, die in einer ansprechenden Partie mit 6 : 0 gegen die übernervösen Hausherren gewannen. Das Ergebnis allerdings war egal, das Erlebnis für jeden Spieler und vor allem für den Verein hingegen unbeschreiblich. Fußball boomte in Bruchhausen-Vilsen!

Recherche und Text: Horst Delekat

Zurück 1 3
Beitragsarchiv