SV Bruchhausen-Vilsen - Newsartikel drucken


Autor: Thomas Warnke
Datum: 19.11.2020


Vilsens Raketenstarter

Neuzugänge im Check: Hauke Wortmann hat sich beim SV Bruchhausen-Vilsen auf Anhieb etabliert

Bruchhausen-Vilsen. Er kam als ein Versprechen für die Zukunft. Von einem Spieler, der in der A-Jugend-Bezirksliga in zehn Spielen zehn Tore erzielte und im selben Jahr in der 2. Kreisklasse der Herren in zwölf Begegnungen 13 Mal erfolgreich war, durfte sich der SV Bruchhausen-Vilsen durchaus etwas erwarten. Aber wie es dann für Hauke Wortmann und die Lilahemden in der Bezirksliga gelaufen ist, das dürfte beide Seiten überrascht haben. Der 19-jährige Angreifer ist nämlich zu mehr geworden als ein Spieler mit sehr vielversprechender Perspektive. Er ist Stammspieler, Pressingmaschine und Torschütze in Personalunion. Ein Glücksgriff also für den frechen Aufsteiger.

Wobei der Begriff Glücksgriff nur auf den ersten Blick stimmt. Denn die Vilser wussten sehr genau, wen sie sich da ins Boot holten. Wortmann hatte schließlich bereits mit einem Großteil der Mannschaft in der A-Jugend zusammengespielt. „Das war definitiv ein Grund für mich, wieder nach Vilsen zu kommen. Ich kannte die meisten Spieler bereits“, verrät Wortmann, der keine lange Zeit der Eingewöhnung benötigte. Denn auch der Stil von Trainer Patrick Tolle war ihm bestens bekannt. „In der A-Jugend haben wir bereits miteinander gearbeitet, deshalb wollte ich ihn jetzt unbedingt wieder trainieren“, hatte der Coach das Sturmtalent immer im Blick und verfolgte die Entwicklung genau. Schließlich wusste Tolle, der sein Traineramt am Ende der Saison an Torsten Klein abgibt, was er von dem jungen Mann erwarten konnte.

Da ist zum einen das Tempo, das Wortmann mitbringt. „Hauke ist eine absolute Rakete. Ich kenne keinen viel Besseren in seiner Jahrgangsstufe“, sagt Tolle. Ein größeres Lob gibt es kaum, zumal Tolle etliche Jahre lang Jugendtrainer war und damit einen guten Überblick über die Talente der Region hat. Unbegründet ist seine Einordnung also nicht. Einen Antritt und eine Endgeschwindigkeit wie die des 19-Jährigen gibt es in der Bezirksliga kaum ein zweites Mal. Wortmann passt perfekt zum Spiel der Brokser, die nach Ballgewinnen zum Beispiel über Moritz Warnke oder auch Chedli Belkhir in höchstem Tempo zum Gegenangriff übergehen können. Wenn Wortmann Platz bekommt, dann ist er kaum zu bremsen.

Doch nicht nur das zeichnet den Angreifer aus, der in jedem der neun Pflichtspiele in der Startelf stand. „Hauke ist für sein Alter auch mental ein sehr starker Spieler“, schwärmt Tolle davon, dass der Angreifer voller Selbstvertrauen auftritt und sich auch von teilweise deutlich erfahreneren und robusteren Gegenspielern nicht unterkriegen lässt. „Seine Siegermentalität tut uns gut“, findet der Trainer.

In der Vorbereitung in Höchstform

Wortmann hat seinen Teil dazu beigetragen, dass sich Vilsen auf seine Stärken konzentrieren kann und sich nicht nach dem Gegner richten muss. Ein gewaltiger und vor allem alles andere als alltäglicher Pluspunkt für einen Aufsteiger. „Dass es so gut für uns läuft, hatte ich wahrlich nicht erwartet“, sagt das Talent.

Und auch sich selbst hatte es nicht unbedingt von Beginn an in einer derart tragenden Rolle gesehen. Dass es menschlich passen würde, daran bestand kaum ein Zweifel. Dass es auch sportlich derart ohne Anlaufschwierigkeiten harmoniert, war eine Hoffnung gewesen, die sich schnell sogar übererfüllte. „Schon die Vorbereitung war mega“, fasst Tolle kurz, aber prägnant zusammen, was Wortmann ab August aufs Feld brachte. Gegen den Kreisligisten TSV Weyhe-Lahausen erzielte er das erste Tor der Vilser Saison – und hatte von da an einen Lauf mit dem Doppelpack beim 2:1-Sieg gegen den Landesligisten TSV Etelsen als Höhepunkt.

„Ich war einfach ziemlich motiviert und hatte eine super Vorbereitung gespielt. Es tat mir gut, dass ich sofort getroffen habe“, erklärt Wortmann seinen Raketenstart im Vilser Dress. „Es lief perfekt, auch weil ich überhaupt keine Probleme mit Verletzungen hatte.“ Tolle kam an seinem Stürmer zum Start der Pflichtspiele nicht vorbei – und wollte das auch gar nicht. Beim 3:8 in Sudweyhe erzielte der 19-Jährige seinen ersten Saisontreffer und legte wenige Tage später seinen zweiten nach. Sein Tor in Stuhr bescherte den Vilsern drei Punkte. Seitdem wartet der junge Offensivmann aber auf ein Erfolgserlebnis. „Natürlich würde ich am liebsten in jedem Spiel treffen, aber für mich ist in erster Linie wichtig, dass wir unsere Spiele gewinnen“, stellt er den Erfolg des Teams über die persönliche Trefferquote.

Dass seine Aussage mehr als eine Floskel ist, beweist Wortmann Partie für Partie. „Er arbeitet viel nach hinten, presst gut und erobert viele Bälle“, schätzt Tolle ihn für den immensen Aufwand, den er betreibt. „Körperlich ist der Herrenbereich natürlich härter als die Jugend“, hat Wortmann erfahren. Verändert habe sich aber auch das Tempo. „Das Spiel ist wesentlich schneller als noch in der 2. Kreisklasse, in der ich mit Schwarme gespielt habe. Ich muss defensiv mehr mitarbeiten. Aber das macht mir nichts aus.“

Ohnehin muss er flexibel sein, mal mehr über den Flügel, mal mehr durchs Zentrum kommen. „Ich spiele schon am liebsten zentral. Aber die eine, perfekte Rolle gibt es für mich nicht“, sagt der Angreifer. Das wird sein Trainer gern hören. Er dürfte nach dem Neustart der Liga weiter auf Wortmann bauen. Dass er eine Bereicherung ist, das hat der Rohdiamant schließlich innerhalb kürzester Zeit bewiesen.

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 19.11.2020