SV Bruchhausen-Vilsen - Newsartikel drucken


Autor: Thomas Warnke
Datum: 30.10.2020


Die 60er Jahre

Ein Traum wurde wahr

Nach 40 Jahren war ein langgehegter Traum wahr geworden: Der Sportverein hatte endlich seinen Stadionplatz gefunden! 40 Jahre Suche nach dem idealen Standort waren vorbei, nun war er gefunden! Im August 1960 konnte die idyllisch gelegene Sportanlage am Marktplatz eingeweiht werden. Alle Spielstätten zuvor hatten den erforderlichen Ansprüchen nie genügen können. Entweder stimmten die Ausmaße des Spielfeldes nicht, oder aber der Untergrund entartete bei Regen sofort zu einer Schlammwüste oder er war vor allem nach dem Brokser Markt voller Scherben und Unrat oder es kam sogar alles zusammen. Mit dem Stadiongelände am Marktplatz, das auch heute noch Spielstätte des SV ist, hatten die Mitglieder ein Schmuckstück im Landkreis Grafschaft Hoya geschaffen, wie es damals in der Kreiszeitung hieß. Gleichzeitig hatte Hermann Wülbers einen weiteren Gedanken im Hinterkopf:

„Nicht unerwähnt mag bleiben, daß der SV von 1920 den Platz mit seinen hunderten von Bäumen für die Bevölkerung am Wochenende als Promenade geöffnet hält.“

Der gesellschaftliche Auftrag, den sich der Verein seit der Wiedergründung 1945 gestellt hatte, wurde ernst genommen. Die Bevölkerung des Ortes sollte in das Vereinsgeschehen eingebunden werden, der Verein war sich seiner Verpflichtung der Bevölkerung gegenüber bewusst. Die teilweise ja auch schon vor dem Krieg organisierten Veranstaltungen wie eben Theateraufführungen, Faschingsveranstaltungen usw. waren mittlerweile zu Höhepunkten innerhalb des Ortsgeschehens geworden.

In die so positive Gesamtentwicklung passte es dazu in jedem Fall, dass die 1. Herren in der Saison 1959/60 in die Amateurliga aufstieg. Nun hießen die Gegner nicht mehr Hoya, Heiligenfelde oder Syke, sondern auf einmal  Blauweiß Lohne, Roland Delmenhorst, Frisia Goldenstedt. Voller Stolz war der Verein in dieses Abenteuer eingestiegen, auch wenn der Aufwand immens war. Allein die Fahrtkosten trieben den Vereinsetat in für damalige Verhältnisse unglaubliche Höhen. Die Begeisterung im gesamten Verein war jedoch so groß, dass der Verein diesen Schritt gewagt hatte. Auch wenn die Herrenmannschaft 1961 den Abstieg aus dieser Klasse in Kauf nehmen musste, es war einfach ein Erlebnis, das in diese Zeit passte. Der Fußballsport boomte in Bruchhausen-Vilsen, die Jugendabteilung hatte einen unheimlichen Zulauf, für die nächsten Jahre konnte das Augenmerk auf andere Dinge im Umfeld des Fußballs gerichtet werden.

Nachdem der Austausch mit den Sportfreunden aus Karl-Marx-Stadt Mitte der 50er Jahre aus politischen Gründen nicht mehr stattfinden durfte, blieb die Vereinsführung nicht untätig. 1961 wurde die Mauer zwischen beiden deutschen Staaten gebaut, die Grenze wurde nicht nur gefühlsmäßig immer unüberwindbarer und bedrohlicher. Der Kalte Krieg zwischen dem Osten und dem Westen steuerte in seine erste Hochphase, im Oktober 1962 brachte die Kuba-Krise die Welt an den Abgrund eines 3. Weltkrieges. So streckte der Sportverein seine Fühler nach einem anderen Austauschpartner aus. Politisch von der Bundesregierung initiiert wurden deshalb vom SV 1962 Kontakte zum SC Mariendorf Berlin geknüpft, um dadurch auch die Verbundenheit mit der Bevölkerung in der eingeschlossenen Stadt Berlin deutlich zu zeigen. Über Jahre hinweg entwickelte sich ein reger Austausch zwischen beiden Vereinen, Freundschaften wurden geschlossen, zum Teil halten die Kontakte unter den daran Beteiligten bis in die Gegenwart.

Recherche und Text: Horst Delekat