SV Bruchhausen-Vilsen - Newsartikel drucken


Autor: Thomas Warnke
Datum: 13.10.2020


Die 40er Jahre

Mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion 1941 spitzte sich die Kriegssituation insgesamt erheblich zu. Deutschland hatte jetzt an verschiedenen Fronten zu kämpfen, was dazu führte, dass immer mehr Soldaten gebraucht wurden. Zu Beginn der 40er Jahre wurde noch versucht, einen regulären Sportbetrieb aufrechtzuerhalten, doch fiel das auf Dauer immer schwerer. Kaum ein Verein blieb davon verschont, Soldaten abstellen zu müssen. Mit zunehmender Kriegsdauer verlagerte sich zudem das Kriegsgeschehen auf das Gebiet des Deutschen Reiches. Als ab dem 8. Mai 1945 endlich die Waffen schwiegen, hatte der fürchterlichste und grausamste Krieg der Menschheitsgeschichte endlich ein Ende gefunden. Millionen Menschen hatten den Tod gefunden, Millionen Menschen wurden vertrieben, waren vertrieben worden. Wie nach 1918 gab es zunächst keine politische Ordnung mehr. Unglaublich viel lag in Schutt und Asche.

Der spätere Sportwart des Kreissportbundes Diepholz Hermann Düver schilderte die Situation wie folgt: „Enttäuscht, an Idealen gebrochen, kehrten wir, in jugendlichem Alter Soldat geworden, aus dem letzten Krieg in unsere Heimat zurück. Wir, die wir vor dem Kriege Freunde waren und in der Jugendmannschaft Fußball gespielt … waren uns in den langen Jahren des Krieges fremd geworden. Unsere Turn- und Sportvereine … waren von der Besatzungsmacht aufgelöst bzw. zunächst verboten worden.“

So natürlich auch in Bruchhausen-Vilsen. Erst ab Anfang Oktober 1945 erlaubte die britische Besatzungsmacht wieder die Neugründung von Vereinen, machte aber zur Bedingung, dass die Anzahl der Vereine überschaubar bleiben sollte. Somit hatten sich der Turnverein und der Sportverein Bruchhausen-Vilsen quasi zwangsvereinigen müssen zum Turn- und Sportverein. Und die Fußballabteilung fand rasch Zuspruch. Junge Leute, Flüchtlinge und aus der Gefangenschaft zurückkehrende Soldaten suchten schnell die Gemeinschaft gleichgesinnter Sportkameraden. Als 1947 Hermann Wülbers aus der Gefangenschaft zurückkehrte, bekam der Verein relativ schnell auch wieder ein organisatorisches Gesicht. Zudem hatte Wülbers das Ziel, anders als 1920 unter der Ägide des Vereinsgründers Hermann Pantföder, sofort gefestigte demokratische Strukturen zu installieren und den Verein zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in der Gemeinde Bruchhausen-Vilsen zu machen. Zudem strebte er, was auch nicht anders zu erwarten war, die erneute Selbstständigkeit der Fußballabteilung an.

Das sportliche Geschehen nahm in den Wirren der Nachkriegszeit relativ zügig wieder an Fahrt auf. Die 1. Herren schaffte den Aufstieg in die Bezirksklasse, in der Jugend entwickelten sich herausragende und vielversprechende Talente und die Planungen für den Bau eines Sportplatzes auf dem Marktplatz wurden intensiviert. Die Punktspielsonntage gerieten immer mehr zu einem Großereignis in der Gemeinde. Für die durchweg zahlreichen Zuschauer wurde dabei manchmal durchaus eine „Gulaschkanone“ aufgebaut, sodass jeder Besucher manchmal auch die Gelegenheit nutzte, sich in diesen chaotischen Zeiten den Magen füllen zu können. Ebenso hatte die vereinseigene Musikgruppe hier auch ihre Einsätze.

Am 30.11.1949 fasste die Führung der Sparte Fußball im TuS den Beschluss, sich vom Gesamtverein zu lösen und wieder selbstständig zu werden. Auf der erweiterten Vorstandssitzung vom 16. Dezember 1949 wurde schließlich die Trennungserklärung festgehalten, ab dem 1. Januar 1950 war es dann soweit, der SV Bruchhausen-Vilsen von 1920 nahm zum zweiten Mal nach einem Weltkrieg einen Anlauf, um wieder eine Rolle im sportlichen und gesellschaftlichen Gefüge der Gemeinde und der Grafschaft Hoya zu spielen.

 

Recherche und Text: Horst Delekat