SV Bruchhausen-Vilsen - Newsartikel drucken


Autor: Thomas Warnke
Datum: 27.10.2020


Der Dirigent des Comebacks

Vilsens Spiel in Twistringen schien bereits im ersten Durchgang verloren. Doch mit dem Kapitän kam die Wende. Jan-Christoph Kornau war ein Grund dafür, dass sich der SVBV noch einen Zähler sicherte.

Er kam in ein Spiel, das eigentlich schon entschieden war. Wohl niemand auf der Sportanlage des SC Twistringen beneidete Jan-Christoph Kornau um seine Jokerrolle, betrat er doch bei einem 0:3-Zwischenstand seines SV Bruchhausen-Vilsen den Platz. Doch dann wurde der 24-Jährige zum Schlüsselspieler: Er stabilisierte seine Mannschaft und dirigierte sie aus der Innenverteidigerposition heraus zum nicht mehr für möglich gehaltenen 3:3-Unentschieden.

Nicht mehr für möglich gehalten? Kornau sieht das ein bisschen anders: „Uns darf man nie abschreiben. Dafür haben wir zu viele gute Jungs in der Mannschaft, die man nicht einfach klein kriegt“, findet der Kapitän. Doch er gibt auch zu, „dass nicht davon auszugehen war, dass wir das Ruder noch einmal herumreißen können“. Daran hatte Kornau selbst einen großen Anteil. Er gab dem Team Halt.

Der hatte den Broksern zuvor gefehlt. So stark sie in den Wochen zuvor verteidigt hatten – in der Delmestadt fehlten ihnen Ordnung und Zweikampfstärke. Vor allem Alexander Kues hatte einen gebrauchten Tag erwischt. „Ich musste ihn und die Mannschaft schützen“, erklärte Trainer Patrick Tolle nach der frühen Auswechslung des Blondschopfes, der kurz vor einem Platzverweis stand. Gerade war das 0:3 gefallen, Vilsen schien auf ein Debakel zuzusteuern.

Doch dann kam Kornau. Mit ihm wendete sich das Blatt. „Das waren wir auch unseren Fans schuldig“, fand der Eingewechselte. Einige Vilser hatten sich sogar mit einem Bus auf den Weg gemacht. „Da wäre es peinlich gewesen, wenn wir uns hätten abschießen lassen“, wusste Kornau. Er war vor allem stolz darauf, mit dem Comeback ein Signal gesendet zu haben: „Es wird oft gemunkelt, dass wir uns in den entscheidenden Momenten einscheißen, auf gut Deutsch gesagt. Aber wir haben gezeigt, dass wir uns nicht aufgeben.“

Kornau übernimmt Verantwortung

Dass sich die Gäste nicht geschlagen geben, lag auch am Kapitän. „Die Mannschaft hat mir mit diesem Amt auch Vertrauen geschenkt. Ich bin bereit, vorwegzugehen und ein Spiel an mich zu reißen“, sagt Kornau. In Twistringen brauchte es einen Typen wie ihn. Er richtete seine Mitspieler wieder auf. Den zweiten Kapitän Moritz Warnke zum Beispiel. „Moritz machte nicht sein bestes Spiel. In den Wochen davor aber war er herausragend. Jetzt war es mal an uns, für ihn da zu sein.“ Kornau packte an, half, wo er nur konnte, und sah, wie sein Team noch vor der Pause wieder herankam. „Das Tor von Chedli (Belkhir, Anm. d. Red.) war ganz wichtig für uns. Wir saßen danach in der Kabine und waren alle extrem heiß. Jeder hat daran geglaubt, dass wir den Punkt noch holen können. Wir haben gespürt, dass Twistringen Probleme hat. Und wir sind vorne sehr stark. Alle haben großen Respekt vor Hauke (Wortmann, Anm. d. Red.) und Chedli. Das haben wir genutzt.“ Kornau selbst agierte in den Zweikämpfen und in der Spieleröffnung stark und trug darüber hinaus einen Treffer zum Remis bei. Nachdem Belkhir im Strafraum zu Fall gekommen war, übernahm er Verantwortung und verwandelte den Elfmeter zum 2:3. Vertrauen gerechtfertigt. Das galt nicht nur für diese Szene, sondern für das gesamte Spiel, das dank Böschens Ausgleichstor ein gerechtes Ende fand.

„Wir können stolz sein“, findet Kornau und bezieht in diese Aussage die gesamte Saison mit ein. Der Aufsteiger ist ein Kandidat für die Meisterrunde. Vor allem, weil es innerhalb des Teams passt und der Verein der Mannschaft Zeit gegeben hat, sich zu entwickeln. „Als wir aus der Bezirksliga abgestiegen sind, waren wir noch sehr jung. Jetzt sind wir ein bisschen reifer und haben gute Neuzugänge dazu bekommen wie Hauke Wortmann oder Benjamin Pinzer“, erklärt Kornau. Dass Coach Tolle am Ende der Saison geht, hat das Team nicht aus der Bahn geworfen. „Wir wollen Patrick einen guten Abschied bescheren“, unterstreicht der 24-Jährige. Dafür wird er alles geben, selbst wenn er wie in Twistringen von der Bank kommt. Eigentlich will der Kapitän lieber starten. Nach einem Muskelfaserriss verlor er jedoch seinen Stammplatz. „Es gab keinen Grund, die Mannschaft wieder umzubauen. Wir haben ja sehr erfolgreich gespielt. Und dann ist es als Kapitän wichtig, nicht zu stänkern“, ordnet er seine Rolle dem Teamerfolg unter. Dennoch sei er froh gewesen, mal wieder mehr Spielzeit zu bekommen. Genutzt für eine Empfehlung hat er sie allemal.

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 27.10.2020