SV Bruchhausen-Vilsen - Newsartikel drucken


Autor: Thomas Warnke
Datum: 26.10.2020


Ein wilder Ritt

Twistringen führt im Spitzenspiel gegen Vilsen bereits 3:0, doch die Gäste schaffen das Comeback

Twistringen. Ob es für beide Mannschaften das vorerst letzte Spiel war? Sowohl Uwe Küpker, Trainer des SC Twistringen, als auch Patrick Tolle, Coach des SV Bruchhausen-Vilsen, äußerten diese Vermutung. Sollten beide Recht behalten, können sie zumindest behaupten, sich mit einem denkwürdigen Bezirksliga-Spiel in die Pause verabschiedet zu haben: Beim 3:3 (3:1)-Unentschieden führten die Gastgeber bereits mit 3:0, doch den Gästen gelang ein tolles Comeback. Am Ende hätten beide Teams den wilden Ritt für sich entscheiden können.

Rein tabellarisch stand der Zähler den Broksern gut zu Gesicht, verteidigten sie doch Rang zwei gegen einen direkten Konkurrenten. Auch aus moralischer Sicht konnte die Tolle-Elf sicherlich besser mit dem Ergebnis leben. „Ich habe den Jungs in der Kabine gesagt, dass sie etwas Großes schaffen können. Ein 0:3 haben wir noch nie aufgeholt“, sagte der Coach. Dass dieses Unterfangen gelingen könnte, hatte sich bereits vor dem Seitenwechsel angedeutet. Denn nach dem 0:3 zeigten die Vilser eine Trotzreaktion und kamen durch Chedli Belkhir zum wichtigen ersten Treffer (43.).

Bis dato war gar nichts nach Plan verlaufen. „Wir waren überhaupt nicht in den Zweikämpfen“, erkannte Tolle ein entscheidendes Problem, das die Twistringer mit den Debütanten Aaron Djulic und Enrico Müller prompt nutzten: Lennart Bors traf doppelt. Zunächst verschaffte er sich robust gegen Mathis Mann Platz und überwand Maximilian Kues (19.). „Für mich ein klares Foul. Er geht nur in den Mann“, fand Vilsens Dennis Böschen. Beim zweiten Gegentreffer legte Marten Köhler den Ball unglücklich in Bors’ Lauf, und der SCT-Kapitän bedankte sich (24.). Und es kam noch besser für die Twistringer: Lüder Uhlhorn eroberte den Ball gegen Alexander Kues, der sich nur noch mit einem Foul zu helfen wusste – Strafstoß. Hannes Fortkamp verwandelte zum 3:0 und damit zur vermeintlichen Vorentscheidung (31.). „Es war in den ersten 30 Minuten ein super Spiel von uns“, fasste Küpker das Geschehen aus Sicht der Blaumeisen zusammen.

Doch der SVBV war noch nicht besiegt und knüpfte nach der Pause an die Leistung von vor dem Seitenwechsel an. Der Druck wuchs immer weiter: Hauke Wortmann (46.) und Belkhir (47.) untermauerten die Offensivambitionen, Jannik Blome verhinderte zweimal das zweite Tor (49.). Twistringen kam nicht zur Ruhe, der zweite Gegentreffer durch Jan-Christoph Kornaus Foulelfmeter schien schon fast überfällig (52.). Allerdings hatte keine Blaumeise ein Vergehen an Belkhir gesehen. „Sogar Vilsens Bank hat gelacht“, hatte der gesperrte Philipp Meyer beobachtet.

Den Eifer der Brokser befeuerte das Tor nur noch mehr. Und sie legten prompt nach: Böschen veredelte Belkhirs Vorarbeit (56.) – das 3:3. Und es war noch viel Zeit, die Partie komplett zu drehen. „Wir hätten es sogar packen können“, sagte Tolle mit Blick darauf, dass seine Elf weiter drückte. Oder wie er es sagte: „Die Jungs haben sich zerrissen und alles rausgehauen.“ Angeführt wurden sie von Kornau, der nach seiner frühen Einwechslung für den platzverweisgefährdeten Alexander Kues die Sicherheit ins Vilser Spiel zurückbrachte. „Er hat Verantwortung übernommen und als junger Kerl das Spiel geleitet“, lobte der Coach seinen Verteidiger.

Dass er das Ergebnis am Ende als gerecht bezeichnete, lag auch daran, dass sich die Twistringer wieder sammelten. Die letzte Chance des Spiels besaßen sogar die Gastgeber, doch Nico von Weihe konnte den Ball per Kopf nicht mehr entscheidend drücken (87.). Es wäre der verrückte Schlusspunkt einer irren Partie gewesen. „Wir hätten gerne gewonnen, aber wenn man das ganze Spiel betrachtet, geht das Ergebnis schon so in Ordnung“, fand Küpker. Zumal das Resultat seiner Elf alle Chancen für die Meisterrunde offen hält. „Das hätten uns die meisten vor der Saison nicht zugetraut.“ Als sich die Nerven so langsam beruhigt hatten, fand SCT-Co-Trainer Michael Schultalbers die wohl besten Worte für das Spiel: „Das war Werbung für den Fußball.“

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 26.10.2020