SV Bruchhausen-Vilsen - Newsartikel drucken


Autor: Thomas Warnke
Datum: 14.10.2020


Tolle macht am Saisonende Schluss

Vilsens Trainer hört aus beruflichen Gründen auf, will bis dahin aber das Maximale erreichen

Bruchhausen-Vilsen.Patrick Tolle verfolgt eine klare Linie. Er ist ein Mann der Fakten, beruflich, aber auch im Sport. Deshalb hat der Trainer des Fußball-Bezirksligisten SV Bruchhausen-Vilsen selbst die Initiative ergriffen und frühzeitig für Klarheit gesorgt: Bis zum Ende der Saison wird er bei den Broksern an der Seitenlinie stehen. Dann aber wird Schluss sein.

Kommt dieser Schritt überraschend? Aus sportlicher Sicht definitiv, denn Vilsen ist so stark wie lange nicht, hat als Aufsteiger in sieben Spielen starke 15 Punkte geholt. "Und die nicht von ungefähr", kann Tolle auf ein eingespieltes Team bauen, dass es nicht nur jedem Gegner schwer machen, sondern jeden Kontrahenten auch bezwingen kann. Und dass vor allem noch entwicklungsfähig ist. "Die Jungs spielen geilen Fußball, und ich glaube, dass sie Bock darauf haben, noch mehr zu erreichen", sagt der Coach selbst. Warum also aufhören?

Es liegt auf der Hand, dass Tolle, der vor dem 4:2-Sieg beim TSV Bassum zunächst die SVBV-Spitze um Thomas Warnke und Thomas Kues und nach der Partie auch die Mannschaft informierte, keine sportlichen Gründe für sein Aus anführt. Beruflich fehle ihm dagegen die Zeit, sagt er. Er ist Besitzer einer eigenen Fahrschule und als Selbstständiger ohnehin eher eine Ausnahme im Trainergeschäft. Halbgas geben kommt für ihn also weder im Sport- noch im Berufsleben in Frage. Nun steht fest, dass er seine Fahrschule in den kommenden Monaten erweitern wird. Ein größerer Betrieb, mehr Verantwortung, wohl auch mehr Zeitaufwand. "Ich musste eine Entscheidung fällen", bekräftigt Tolle.

Tolle hat etwas aufgebaut

Dass dieser Entschluss gegen den Fußball gefallen ist, sei schwer für ihn gewesen. Tolle ist mit dem Sport groß geworden, sehr früh als Trainer durchgestartet, mittlerweile 14 Jahre in Folge an der Seitenlinie, davon neun in Reihen der Brokser. Er hat etliche Erfolge gefeiert, bereits mit seinen Jugendmannschaften und zuletzt mit der Rückkehr in die Bezirksliga mit den Herren. In seiner Mannschaft stehen etliche Akteure, die er bereits im Juniorenbereich ausgebildet hat. "Da sind viele Freundschaften entstanden. Ich habe dem Verein viel zu verdanken und konnte hier etwas Tolles aufbauen. Ich habe die Jungs im Team, die ich immer haben wollte. Eigentlich kann ich es immer noch nicht richtig wahrhaben, denn jetzt bin ich da, wo ich immer hinwollte als Trainer", verdeutlicht Tolle, wie schwer ihm der Schritt fällt, am Saisonende sein Amt abzugeben.

Andererseits sei er auch stolz darauf, eine intakte Mannschaft zu übergeben, sagt der Coach, der zu Beginn des Jahres 2019 auf Frank Fischer folgte und parallel noch die A-Jugend trainierte. Er mutete sich dieses Mammutprogramm zu, formte danach aus dem Herren-Absteiger in Windeseile einen Aufsteiger, der nun den Bezirk aufmischt. "Es ist sehr hart, in dieser Situation zu gehen", sagt er. Sein Aus der Mannschaft zu verkünden, sei sehr emotional gewesen. Doch ein Tag hat auch für den liierten Tolle, der zudem ein begeisterter Geflügelzüchter ist, nur 24 Stunden. "Es ist schon sehr schwer, das alles unter einen Hut zu bekommen", weiß der SVBV-Vorsitzende Warnke.

Er ist froh, noch bis zum Saisonende auf Tolle, der als Spieler für den TSV Asendorf, den SV Mörsen-Scharrendorf und den SVBV auflief, bauen zu können. "Patrick leistet überragende Arbeit", lobt Warnke den Trainer. Wie es nach dem Saisonende weitergeht, steht noch nicht fest. "Wir haben aber bereits ein Profil erstellt", sagt er und fügt erklärend an: "Es darf auch gern jemand von außen sein. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir jemanden finden werden. Wir haben nicht so einen schlechten Ruf." Das geht auch auf Tolles Arbeit zurück. Er hat den Talenten den Weg in den Seniorenbereich geebnet und dem Team eine Philosophie verliehen.

Er freue sich bereits darauf, am ersten Spieltag der kommenden Saison als Zuschauer an der Seite zu stehen, sagt er. Doch das ist Zukunftsmusik – und damit auch noch kein großes Thema für ihn. Er konzentriert sich lieber auf das Hier und Jetzt. Das sieht noch sieben Spiele bis zur Winterpause vor. Patrick Tolle wäre nicht Patrick Tolle, wenn er nicht sagen würde: "Wir wollen das Maximale herausholen." Aus der gesamten Saison natürlich. Was das ist? "Das werden wir sehen. Ich bin schon gespannt darauf", grinst er. Eines ist derweil klar: Seine Motivation wird nicht nachlassen. Im Gegenteil.

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 14.10.2020