SV Bruchhausen-Vilsen - Newsartikel drucken


Autor: Thomas Warnke
Datum: 21.09.2020


Das lila Bollwerk

Der SV Bruchhausen-Vilsen spielt beim 2:0 über Heiligenfelde zum dritten Mal zu null und träumt von der Aufstiegsrunde

Bruchhausen-Vilsen. Patrick Tolle bescheinigte seiner Mannschaft einfach nur eine "Eins-a-Leistung", während sein Partner Jörn Meyer davon sprach, sehr, sehr stolz auf das Team zu sein. Für die beiden Trainer des SV Bruchhausen-Vilsen war der 2:0 (1:0)-Sieg über den SV Heiligenfelde nicht irgendein Erfolg. Er war für sie ein Beleg dafür, dass sich ihr Team entwickelt hat.

Vor allem die defensive Stabilität beeindruckte das Trainerduo. Zum dritten Mal im vierten Spiel hielten die Brokser die Null. "Jeder hat sich voll reingehauen. Wir haben fast nichts zugelassen und alles mit einer großen Ruhe verteidigt", lobte Tolle seine junge Elf. Die musste in der Tat nur einmal wirklich zittern, als Joshua Brandhoff in der Anfangsphase den Ball an Torhüter Maximilian Kues vorbei spitzelte. Doch Mathis Mann, der mit seinem Partner Alexander Kues in der Innenverteidigung einen sehr guten Job machte, bereinigte die Situation (5.). Mehr ließen die Gastgeber, die in ihrem vergangenen Bezirksligajahr noch reichlich Lehrgeld gezahlt hatten, nicht zu. "Das war erste Sahne", kam Tolle aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Er sei auch emotional stolz. Ein bisschen klang das so, als hätten seine Schützlinge gerade ihre Reifeprüfung mit Bravour bestanden.

Der Schlüssel zum Erfolg war jedoch nicht nur eine grundsolide Defensive, sondern auch eine gnadenlose Effektivität. Zwei Standards nutzten die Gastgeber zum Sieg: Beim 1:0 traf Justus Wicke nach einem Eckball per Kopf (29.), beim 2:0 war Chedli Belkhir nach einem Freistoß aus dem rechten Halbfeld mit dem Fuß zur Stelle (77.). Der Angreifer verpasste kurz darauf das dritte Tor, scheiterte an der Latte (81.). Auch die Lilahemden hatte nicht viele Chancen, aber sie waren gefährlicher als die Gäste.

Der Elf von Torben Budelmann und Mustafa Cali war nach der dritten Pleite im vierten Spiel bedient. "Wir waren 90 Minuten besser, wir versuchen Fußball zu spielen", fand Budelmann, dem die defensivere Ausrichtung der Gastgeber nicht schmeckte. "Du musst dich jede Woche durchwühlen. Das macht irgendwann keinen Spaß mehr." Dass bei seiner und Calis Mannschaft auch nicht alles glatt lief, daraus machte er keinen Hehl. Es habe in manchen Momenten die Überzeugung gefehlt, sah er einen überwiegend glücklosen Auftritt. Selbst als die Gäste in der Schlussphase ausschließlich mit langen Bällen agierten, gaben sich die Gastgeber keine Blöße.

Dass es schwer werden würde, sei ihm von Beginn an klar gewesen, fügte Budelmann an. Mit Björn Isensee und Tobias Dickmann fehlten zwei prägende Figuren des SVH-Spiels. Auffällig war vor allem die Ruhe auf dem Platz. Die Gästespieler waren in erster Linie mit sich selbst beschäftigt auf der Suche nach Sicherheit und Vertrauen. Beides fanden sie nur bedingt. Und während Vilsen als Dritter von der Aufstiegsrunde träumen darf, läuft der SVH der Musik als Sechster hinterher. "Von oben" wolle er gar nicht sprechen, sagte Budelmann. "Oben ist wurscht."

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 21.09.2020