SV Bruchhausen-Vilsen - Newsartikel drucken


Autor: Thomas Warnke
Datum: 05.04.2020


Fußballer im Kreisgebiet wünschen sich Klarheit

Die Fußballer müssen bis auf Weiteres ausharren nach der Entscheidung des Verbandes. Dabei haben sie vor allem einen Wunsch.

In dieser Woche hätte er sich spätestens äußern wollen, doch bereits am Freitag hat der Niedersächsische Fußballverband bereits Nägel mit Köpfen gemacht. Zumindest ein bisschen. Der Spielbetrieb ruht bis auf Weiteres. Was das genau heißt, ließ der Verband offen. Er hat sich Zeit erkauft. Zerschlagen haben sich jedenfalls erst einmal die Hoffnungen der Fußballer, alsbald ihrem Hobby wieder nachgehen zu können. Wesentlich wahrscheinlicher scheint nun, dass die Saison gar nicht erst beendet wird.

So sieht es zum Beispiel Michael Steen. Der Asendorfer ist Spielausschussvorsitzender des Fußballkreises Diepholz und damit unter anderem zuständig für die Nachholspiele. „Bei 500 sind wir schon“, sagt er. Ihn treibt nun die Frage um, wie und wann das alles noch über die Bühne gehen kann? „Wenn wir bis Ende April nicht spielen können, sehe ich schwarz“, sagt er. Das erscheint derzeit unrealistisch. Zwei Wochen vor dem Neustart will der Verband sich melden. Dass das bis Mitte des Monats, also bereits in zwei Wochen, der Fall ist, glaubt Steen nicht. Mit der Verbandsankündigung, über den 19. April hinaus den Spielbetrieb auszusetzen, gingen seine Hoffnungen, die Saison noch beenden zu können, „gegen Null“. Bis auf Weiteres könne schließlich auch Juni, Juli oder gar August bedeuten. Und dann? Was bedeutet das? Was ist mit Auf- und Abstiegen? Was mit Relegationsteilnehmern? Oder passiert einfach gar nichts? „Das muss in Ruhe beschlossen werden. So kurz nach der Entscheidung kann man das noch nicht sagen“, sagt Steen.

Gedanken machen sich derweil zahlreiche Aktive in der Fußballszene. Auch Friedhelm Famulla, Trainer des Kreisligisten SV Mörsen-Scharrendorf. Ihn stört, dass der Verband noch kein klares Votum abgegeben hat. „Man sollte Fakten schaffen“, findet er. Klarheit wäre für die Mörsener durchaus vonnöten, denn sie zählen als Viertletzter der Kreisliga zum Kreis der Gefährdeten. Sie könnten bei einem Saisonabbruch je nach Wertung sogar absteigen. Als Zwölfter wären sie sicher. Diesen Rang belegt der SV Friesen Lembruch, der zwei Punkte Vorsprung, aber auch vier Spiele mehr ausgetragen hat als der SVMS. Für Famulla wäre es ein Unding, so absteigen zu müssen. „So kann man nicht entscheiden, das wäre einfach unfair.“ Er könne sich vorstellen, dass die Spielzeit komplett auf Null gestellt werde. So läuft es etwa in den Niederlanden, wo die Amateur-Saison wegen des Coronavirus bereits abgebrochen worden ist. „Aber das ist für die Mannschaften, die oben stehen, auch keine schöne Lösung“, weiß Famulla.

Denn diese Regelung würde die Aufstiegsanwärter hart treffen. Ihre erfolgreiche Saison wäre auf einen Schlag nichts mehr wert. Eine Vorstellung, mit der sich etwa der SV Bruchhausen-Vilsen und die TSG Seckenhausen-Fahrenhorst in der Kreisliga, aber auch der SV Heiligenfelde in der Bezirksliga auseinandersetzen müssen. Der SVH ist nur aufgrund des um vier Treffern schwächeren Torverhältnisses Zweiter hinter dem TSV Wetschen. Für Trainer Torben Budelmann steht fest, dass er nicht in der Haut der Verbandsvertreter stecken will: „Du kannst es nicht richtig machen.“ Ein vorzeitiges Saisonende „täte meinen Jungs und mir natürlich auch weh, weil wir eine tolle Saison hergeben müssten“. Dennoch grenze jede Entscheidung jetzt, wo noch ein Drittel der Spielzeit zu absolvieren ist, an eine Art Wettbewerbsverzerrung. Also doch die ganze Serie auf Null stellen? „Egal, was entschieden wird: Ich werde alles akzeptieren, was kommt. Wir sind nicht der Nabel der Welt, wir sind Amateurfußballer. Es gibt gerade Wichtigeres.“ Eine Sache wünscht sich Budelmann allerdings: Klarheit. „Das Schlimmste ist nicht zu wissen, worauf man gerade hintrainiert.“

Auf den Tag X, an dem es weitergehen wird, arbeiten auch die Fußballer in Seckenhausen hin. Sie haben von André Schmitz und Iman Bi-Ria Trainingspläne erhalten. „Und die Jungs halten sich dran. Das finde ich klasse“, sagt Schmitz. Ob dieser Fleiß mit dem Aufstieg belohnt wird? Schmitz hat seine Zweifel: „Ich glaube, dass die Saison abgebrochen und auf Null gestellt wird.“ Er ist ehrlich: „Für uns wäre das richtig bitter. Es wäre schade, wenn Mannschaften, die gut gearbeitet haben wie Vilsen oder wir, nicht dafür belohnt werden.“ Die TSG führt die Kreisliga souverän an, der Vorsprung auf den ersten Nichtaufstiegsplatz beträgt 14 Punkte. Die Rückkehr in die Bezirksliga war bis zum 13. März nur Formsache. Nun ist sie ein Stück in die Ferne gerückt. Resthoffnungen aber hat Schmitz noch. Eines seiner Gedankenspiele: bei Saisonabbruch den Punkteschnitt heranziehen. Das würde zumindest das Problem umgehen, dass die Teams nicht alle dieselbe Anzahl an Spielen ausgetragen haben. Eine Fortsetzung der Spielzeit kann er sich nur vorstellen, wenn es Anfang Mai weitergehen kann. „Sonst ist auch die Verletzungsgefahr zu groß“, weiß er. Auch er wünscht sich alsbald ein Ende der Ungewissheit: Die Spieler seien in ein Loch gefallen, als sie gehört hätten, dass die Pause verlängert werde. Schmitz und Bi-Ria leisten nun Aufbauarbeit. Aber was sollen sie ihren Spielern beim nächsten Mal sagen. Da wäre eine klare Linie von Verbandsseite aus sicher hilfreich.

DFB ändert seine Spielordnung

Öffnet sich für die Amateurfußballer doch noch eine Hintertür, um die Saison zu beenden? Der Deutsche Fußballbund (DFB) jedenfalls hat seine Spielordnung wegen der Corona-Krise umfassend angepasst. Wichtigste Änderungen: Die Saison kann über den 30. Juni hinaus verlängert werden. Der DFB gibt seinen Regional- und Landesverbänden aber auch die Möglichkeit, die Saison vorzeitig zu beenden oder zu annullieren. Bei einem Abbruch seien Sonderregelungen bezüglich Auf- und Abstieg möglich. Die folgende Serie darf später beginnen, teilweise oder gar ganz entfallen.
Auch die Wechselbestimmungen können sich, wenn der Weltverband Fifa zustimmt, ändern: Die Perioden, in denen sich Spieler einem neuen Klub anschließen (1. Juli bis 31. August sowie 1. bis 31. Januar) können nach DFB-Informationen angepasst werden.
Das gilt auch für die Wartefristen beim Vereinswechsel: Normalerweise können Amateure, die sechs Monate kein Spiel mehr bestritten haben, den Verein ohne Zustimmung des abgebenden Klubs wechseln. Um die Vereine zu schützen, könnten Landes- und Regionalverbände nun festlegen, dass die Corona-Zwangspause in diese Zeit nicht mit einberechnet wird. Laut DFB-Vizepräsident Rainer Koch soll mit diesen Regelungen vor allem den fünf Regional- und 21 Landesverbänden die Möglichkeit gegeben werden, so flexibel wie möglich zu agieren. Die Änderungen gelten ab sofort und sind bis zum 30. Juni 2021 gültig. Ab der Saison 2021/22 gelten wieder die alten Bestimmungen.

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 05.04.2020