SV Bruchhausen-Vilsen - Newsartikel drucken


Autor: Thomas Warnke
Datum: 13.01.2020


Ein kleiner Blick auf unsere im Dezember 2020 erscheinende Chronik

Das Jahr 2020 hat begonnen. 2020 ist unser Jubiläumsjahr. Wir glauben daher, dass wir an dieser Stelle einen kleinen Ausblick auf unsere im Dezember 2020 erscheinende Vereinschronik geben dürfen. Verantwortlich hierfür zeichnet sich unser langjähriges Vereinsmitglied Horst Delekat. Viel Spaß beim Lesen:

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts nahm der Fußballsport seinen Weg von England auf den Kontinent, dann allerdings verlief die Entwicklung in Deutschland rasant. Nach dem Ende des 1. Weltkrieges fanden sich in Bruchhausen-Vilsen knapp zwei Dutzend junge Männer, die sich nicht für das Turnen interessierten, sondern die neue Mannschaftssportart ausüben wollten. Unter Führung Hermann Pantföders schloss man sich zunächst 1919 dem M.T.V. Bruchhausen an und gründete dort die Sparte Fußball. Die Turner allerdings beobachteten diese Bewegung relativ argwöhnisch, dachten auch nicht wirklich daran, diese Sportart großartig finanziell zu unterstützen. Nur: Die Sparte Fußball fand immer mehr begeisterte interessierte junge Leute. Als schließlich Hermann Pantföder einen zusätzlichen Ball anschaffen wollte, damit der Spielbetrieb einigermaßen regulär ablaufen konnte, verweigerte der Vorstand des M.T.V. diesen Kauf. Das führte schon nach kurzer Zeit zum bevorstehenden Bruch zwischen dem Hauptverein M.T.V. und der Fußballsparte. Endgültig war es dann soweit, als am 1. Dezember 1920 die Fußballer ihren eigenen Verein, den SV Bruchhausen, gründeten.

Innerhalb kürzester Zeit fasste dieser Sport im Kreis Fuß: Hoya, Syke, Hassel, Bassum, überall entstanden Fußballabteilungen, auch wenn es bis zur Durchführung eines regulären Fußballbetriebes in Form von Spielklassen noch etwas dauern sollte. In Bruchhausen aber geriet der SV in gewisser Hinsicht zu einem gesellschaftlichen Mittel- und Anlaufpunkt des Ortes. Dem Verein angeschlossen war eine Musikkapelle, zudem  eine Abteilung, die Operetten und Theaterstücke aufführten. So fanden im Verlaufe der Jahre regelmäßig Aufführungen statt. Unter dem späteren 1. Vorsitzenden Hermann Wülbers, der selbst nie in seinem Leben Fußball gespielt hatte, seine ganze Kraft aber in die Arbeit in einen Fußballverein steckte, wurde die sog. "Lila-Weiße-Nacht" zu einem gesellschaftlichen Ereignis, an dem der ganze Ort teilnahm. Auch waren die Aufführungen der Theaterabteilung ein absoluter Höhepunkt, zudem fanden legendäre Ausflüge der Vereinsmitglieder in den norddeutschen Raum statt.

Mit Beginn des Dritten Reiches wurde die Arbeit in allen Sportvereinen durchaus mit der Frage der Wehrertüchtigung verknüpft, so auch im SV. Gleichwohl versuchte Wülbers alles, um dem SV immer noch einen anderen Charakter zu verschaffen, was dazu führte, dass die Nationalsozialisten alles daran setzen, ihn von seinen Ämtern zu entlassen. Zudem wurde er mit einem Berufsverbot belegt, was durchaus existentielle Konsequenzen nach sich zog. Im Hintergrund aber zog Wülbers unbeirrt weiter seine Fäden. Gleich nach dem Ende des braunen Spuks 1945 arbeitete er wieder daran, dem Verein erneut eine zentrale Position im Ortsleben zu verschaffen. Die britische Besatzungsmacht hatte zunächst beschlossen, beide ortsansässigen Vereine, SV und TV, zu einem Verein zu verbinden. Mit Wirkung vom 1.1.1950 wurde der SV aber durch das Betreiben von Hermann Wülbers wieder selbständig.  Wülbers sah jetzt mit den Vereinsmitgliedern  die Aufgabe darin, ein zentraler Anlaufpunkt für den Ort zu werden. In Zusammenarbeit mit der Schule wurde der Fasching für mehrere Jahrzehnte ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens, Theater und Operette fanden wiederum viel Anklang in der Bevölkerung. Bemerkenswert allerdings war in den 50er Jahren ein anderes, man kann sagen nationales Ereignis. Die Welt fand sich in einer immer gefährlicher werdenden Konfrontation zwischen Ost und West. Die Grenze zwischen Kommunismus und Kapitalismus zog sich mitten durch Deutschland, der Kalte Krieg nahm immer bedrohlichere Formen an. Auf Anregung des Vereinsmitgliedes Manfred Roscher aber, den es nach dem 2. Weltkrieg von Chemnitz (zu dem Zeitpunkt Karl-Marx-Stadt) nach Bruchhausen-Vilsen verschlagen hatte, wurde auf "dunklen Wegen" der Kontakt zu seinem ehemaligen Sportverein, dem "SV Aufbau-Mitte Karl-Marx-Stadt" gesucht - und tatsächlich: im August 1955 fuhr eine Sportdelegation des SV Bruchhausen-Vilsen in die DDR zu einem mehrtätigen Aufenthalt verbunden mit einem Sportfest, ein Jahr darauf über Pfingsten durften die Sportler aus der DDR zum "Klassenfeind" nach Bruchhausen-Vilsen reisen. Für die damalige Zeit mit der speziellen brisanten politischen Stimmung ein unglaubliches Ereignis.

1959 wurde ein großes Ziel des SV endlich wahr: die Suche nach einer vernünftigen Sportstätte hatte endlich Erfolg. Das jetzige Sportgelände am Marktplatz bei Schröder-Mügge konnte gepachtet werden und im Verlaufe der Jahre immer weiter durch erhebliche Eigenleistung der Vereinsmitglieder ausgebaut und optimiert werden. Dieses wunderschön gelegene Sportareal kann durchaus als "Schmuckstück" bezeichnet werden. Mittlerweile sind hier zwei Plätze zu finden, das Sportheim wurde in den letzten Jahren erweitert.

Sportlich gesehen pendelt die 1. Herren des Vereins zwischen Kreisliga und Bezirksliga, man kann sagen, nicht unbedingt hoch. Doch ist es nicht zwingend das Ziel des Vereins, hier in ungesunder Weise Kraftanstrengungen zu unternehmen, die eventuell einen Bruch in den Gesamtverein herbeiführen könnten. Das Ziel ist vielmehr, für die jungen Menschen in Bruchhausen-Vilsen und Umgebung ein Anlaufpunkt zu sein, ihnen zu vermitteln, dass Mannschaftssport ein hervorragendes Mittel zur Integration darstellt. Mittlerweile nehmen fast 30 Mannschaften in den Farben "Lila-Weiß" am Spielbetrieb teil, Männer und Frauen. Der Verein tut immens viel, um den Gemeinschaftsgedanken zu fördern, d.h. auch die passiven Mitglieder sind hier angesprochen. Die Bereitschaft, ehrenamtliche Tätigkeiten im Verein zu übernehmen, ist ausgesprochen groß. Und auf lokaler Ebene sind denn durchaus auch ansprechende Erfolge zu verzeichnen: Kreismeisterschaften und Pokalsiege werden in allen Jahrgangsstufen in schöner Regelmäßigkeit eingefahren, die Spiele am Wochenende auf dem Sportgelände finden durchaus viele Zuschauer, die Stimmung ist positiv gelöst.

Und hierin ist auch weiterhin das Ziel des Vereins zu sehen: Die Förderung des Vereinslebens, der Gemeinschaftsgedanke und Teamgeist, die Integration ausländischer Mitbürger. Es gibt gerade in dieser Zeit viel zu tun, der SV hat die Arbeit aufgenommen.