SV Bruchhausen-Vilsen - Newsartikel drucken


Autor: Thomas Warnke
Datum: 24.07.2019


Das Alphatier r├╝ckt ins zweite Glied

In der neuen Rolle als Co-Trainer ist Jörn Meyer zum SV Bruchhausen-Vilsen zurückgekehrt und will mit Patrick Tolle viel bewegen

Bruchhausen-Vilsen. Jörn Meyer und Patrick Tolle kennen sich seit vielen Jahren, hatten schon beim TSV Asendorf eine Trainer-Spieler-Beziehung. "Dass aus Patrick mal ein Trainer wird, habe ich damals überhaupt nicht erwartet", gibt Meyer zu. Umso weniger dürfte er damals damit gerechnet haben, einmal als Co-Trainer an der Seite Tolles zu arbeiten. Doch seit knapp zwei Wochen ist dieses Szenario Realität. Meyer ist in offizieller Funktion zurück beim SV Bruchhausen-Vilsen. Mit Tolle verantwortet er nun den Neustart beim Absteiger in die Fußball-Kreisliga.

"Ich bin noch in der Phase des Reinschnupperns und Kennenlernens", verrät Meyer. Neu ist freilich nicht alles für den Coach, der bereits fünf Jahre lang bei den Lilahemden an der Seitenlinie stand und dabei fünf Mal in Folge ins Kreispokalfinale einzog und den Wettbewerb sogar dreimal gewann. Kein Wunder also, dass er sich bei der Mannschaft mit folgenden Worten vorstellte, als er die Kabine betrat: "Ich habe gehört, ihr wollt mal wieder den Kreispokal gewinnen." Die Lacher hatte Meyer damit auf seiner Seite. Ein bisschen sei es für ein Gefühl des Nach-Hause-Kommens gewesen, führt er aus. "Mit vielen Jungs habe ich ja bereits gearbeitet", sagt er mit Blick auf sein einstiges Engagement beim SVBV, das mit der Saison 2015/16 endete. Ihm folgten Frank Fischer und eben Patrick Tolle, der sich in Vilsen längst einen Namen als Coach gemacht hat, zunächst im Frauen-, dann im Jugendbereich. "Patrick ist erwachsen geworden", attestiert Meyer seinem Partner. Tolles Weg als Coach ist von Erfolgen gepflastert, er führte unter anderem die A-Jugend vom Kreis in den Bezirk.

Der Trainer Tolle hat jedoch nicht nur dem Trainer Meyer imponiert – dies gilt auch umgekehrt. "Wir verstehen uns sehr gut und haben auch privat ein gutes Verhältnis", verrät Tolle, der unter Meyer nicht nur in Asendorf, sondern auch in Vilsen spielte. Er sieht in der Einstellung der Partner Parallelen. "Was Mannschaftsdienlichkeit und Teambuilding angeht, sind wir auf einer Wellenlänge von unseren Vorstellungen." Da er auch die fachlichen Qualitäten Meyers schätzt, wollte er ihn direkt im Winter, als er zusätzlich zur A-Jugend auch die erste Herrenmannschaft übernahm, als Partner an seiner Seite wissen. Doch damals verpuffte sein Werben, obwohl Meyer keinen Trainerjob hatte. "Ich bin ehrlich: Ich habe in den letzten drei Jahren so viele Angebote abgelehnt, weil ich nicht das Gefühl hatte, dass ich etwas vermisse", genoss Meyer die Freizeit mit der Familie, die er in mehr als vier Jahrzehnten auf dem Platz als Spieler oder Trainer kaum kannte. "Deshalb war ich im Winter noch nicht bereit, wieder einzusteigen", verdeutlicht er.

Ein Gespräch bis tief in die Nacht

An einem Sonnabend vor einigen Wochen aber trafen sich Meyer und Tolle. Beide saßen zusammen, diskutierten bis tief in die Nacht. Nach einer Woche Bedenkzeit war die Zusammenarbeit besiegelt. Für Meyer, der als Ü50-Spieler der Vilser eigentlich nie so richtig weg war vom SVBV, ist sie eine Art Experiment, denn er muss sich in eine neue Rolle hineinfinden. "Ich bin immer ein Alphatier gewesen, bin meist allein vorweg marschiert. Oft hatte ich nicht einmal einen Co-Trainer", blickt er zurück. Jetzt rückt er ins zweite Glied. "Patrick ist der Leitwolf", macht er die Rollenverteilung deutlich. Tolle geht voran, Meyer geht mit, wenn auch in vermeintlich kleineren Schritten: "Ich versuche, einmal in der Woche auf dem Trainingsplatz zu stehen, und will bei so vielen Spielen wie möglich dabei sein", erklärt er sein Pensum. Er wird nicht der 100-Prozent-Meyer vergangener Tage sein – aber für Tolle trotzdem ein immens wichtiger Partner: "Wir beide werden uns gut ergänzen. Die Trainingsarbeit wird total vereinfacht, weil wir jetzt Gruppen bilden können. Da sehen zwei Trainer mehr als einer", hat der Chef bereits die Vorteile erkannt.

Aber können zwei Coaches unterschiedlicher Generation überhaupt eine gemeinsame Linie finden? Ihre Auffassungen sind nicht gleich – das weiß Tolle, der Trainer-Jungspund, das weiß auch Meyer, der Mann der alten Garde. Das zeigte sich zuletzt bei der Sportwerbewoche in Wietzen, als das Team im Spiel um Platz 3 gegen die SG Hoya (5:0) im ersten Durchgang nach Meyers und im zweiten nach Tolles Vorstellungen spielte. "Aber wir entwickeln in unseren Diskussionen konstruktive Ideen", sieht Meyer grundsätzlich Vorteile. Dass er schnell den Zugang zu den zahlreichen Talenten bekommt, daran zweifelt er nicht. Von den Spielern hat er ohnehin einen sehr guten Eindruck gewonnen: "Das ist eine tolle Truppe. Mit den Jungs können wir einiges bewegen." Dafür werden Tolle und Meyer in Zukunft gemeinsam ackern – der eine als der Mann an der Front, der andere als Wegbegleiter und Helfer mit Rat und Tat. Die erste Pflichtspielaufgabe hat es mit dem Pokalspiel beim TuS St. Hülfe-Heede am Freitagabend bereits in sich. Doch die Vilser sind zuversichtlich, schließlich haben sie nicht nur viel Erfahrung für ihren Trainerstab gewonnen, sondern auch einen echten Experten in Sachen Pokal.

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 24.07.2019