SV Bruchhausen-Vilsen - Newsartikel drucken


Autor: Thomas Warnke
Datum: 17.10.2018


Abschied im Winter

Trainer Frank Fischer wird den SV Bruchhausen-Vilsen am Ende des Jahres verlassen – Nachfolgersuche läuft

Bruchhausen-Vilsen. Frank Fischer hatte einen klaren Plan: Nach zehn Jahren als Trainer der Fußballer des SV Bruchhausen-Vilsen wollte er sich im kommenden Sommer mit insgesamt zwei Aufstiegen und dem Klassenerhalt in der Bezirksliga verabschieden. Dieses Szenario wird aber so nicht eintreten: Fischer wird die Vilser im dritten Jahr seiner aktuellen Amtszeit, die im Sommer 2016 begann, bereits im Winter verlassen, wie der Coach und auch der 1. Vorsitzende Thomas Warnke bestätigten. Ein Nachfolger könnte bereits in der kommenden Woche feststehen.

Es ist keine Trennung im Bösen – das machten sowohl Fischer als auch Warnke beim Gang an die Öffentlichkeit klar. Die Entscheidung, sich früher als geplant zu trennen, war schon länger gereift. Nach dem Heimspiel gegen Diepholz (2:3) am vergangenen Sonntag informierte Fischer die Mannschaft. Es gab Applaus für die ehrlichen Worte des Trainers und seine Einschätzung zur Situation. Dass es sportlich nicht läuft und die Vilser derzeit auf dem letzten Tabellenplatz rangieren, sei nicht der Grund für die Trennung. "Das macht man im Laufe der Saison ohnehin nicht gerne. Außerdem hatte Frank bei uns einen großen Kredit", machte Warnke deutlich. Außerdem hätte man sonst wohl kaum vereinbart, noch bis zum Jahresende gemeinsam weiterzumachen. Sieben Spiele sind es bis dahin noch. Auch Fischer selbst hat den Klassenerhalt noch nicht abgeschrieben. "Wir haben sehr gute A-Jugendliche, auf die wir in der Rückserie noch mehr bauen können. Außerdem kommen mit Christian Mewes und Moritz Warnke zwei gute und erfahrene Spieler nach ihren Verletzungen zurück. Die Relegation ist auf jeden Fall möglich."

Wiederhold schmerzlich vermisst

Doch wenn die Aussichten gar nicht so schlecht und die Hoffnungen auf den Klassenerhalt nicht unbegründet sind – woran hapert es dann? Fischer erklärte seinen Rücktritt mit der großen Belastung ohne einen Co-Trainer an seiner Seite: "Ich habe die Arbeit unterschätzt, alles allein zu leisten." Ihm habe jemand gefehlt, um sich auf Trainer-Ebene auszutauschen, um eine zweite Meinung zu hören und um auch mal beim Training gezielter auf einzelne Spieler eingehen zu können. Kurzum: "Lutz Wiederhold fehlt mir an allen Ecken und Enden." Mit Wiederhold hatte Fischer bis zum Bezirksliga-Aufstieg im Sommer in Vilsen zusammengearbeitet, dann beendete der Co, der auch als Spieler noch ausgeholfen hatte, seine Laufbahn. Die Lücke, die er hinterlassen hatte, schlossen die Vilser im Sommer nicht – eine Entscheidung, die sowohl der Vorstand als auch Fischer mittrugen: "Wir haben zu Saisonbeginn gesagt, wir machen es ohne Co-Trainer, weil der Neue sich an Lutz hätte messen lassen müssen", erklärte Warnke. Wiederhold sei als Mensch und Trainer hoch angesehen gewesen. "Ich hatte gehofft, dass es ohne Co-Trainer geht", sagte Fischer. Ein Trugschluss, wie auch Warnke eingestand: "Es war ein gemeinsamer Fehler von uns, dass so zu entscheiden." Mit Betreuer Norbert Schmusch und Torwarttrainer Andreas Mann verfügen die Vilser zwar über zwei engagierte Männer an Fischers Seite, beide sind aber keine klassischen Co-Trainer.

Die Atmosphäre habe sich zuletzt verändert: "Die Lockerheit ist flöten gegangen", spürte Warnke, dass sich etwas in die falsche Richtung entwickelte. Auch Fischer selbst habe gespürt, "dass ich unleidlich werde". Das habe er nicht an der Mannschaft auslassen wollen. "Das geht auch nicht. Da muss man gerade auch bei den jüngeren Spielern vorsichtig sein." Deshalb habe man sich zusammengesetzt. "Wir als Verein haben die oberste Leitlinie, dass sich alle wohlfühlen. Am Ende ist Fußball für uns alle ein Hobby", machte Warnke deutlich. Durch die Trennung erhoffe man sich zudem einen Impuls im Abstiegskampf. "Das geht jetzt natürlich wie eine Schockwelle durch den Verein, aber das kann auch ganz hilfreich sein."

Die Planungen für die Zukunft auf der Trainerposition laufen bei den Vilsern schon seit längerer Zeit, schließlich hatte Fischer schon kundgetan, nach seinem dritten Jahr Schluss machen zu wollen. "Wir haben schon Namen diskutiert", betonte Warnke, ohne allerdings in die Tiefe gehen zu wollen. Eine schnelle Lösung, vielleicht schon in der kommenden Woche, sei denkbar. Fest steht für die Verantwortlichen bereits, dass es ein Trainer der jungen Generation unter 40 Jahren sein soll. Und auch die Lehren aus der jetzigen Situation haben Warnke und die anderen Vorstandsmitglieder gezogen: Ein zweiter Mann soll auf jeden Fall dabei sein. "Den soll der neue Trainer aber mitbestimmen."

Und wie geht es für Frank Fischer weiter? "Ich werde auf keinen Fall aufhören, denn so will ich nicht abtreten", machte der Coach deutlich, dass er ein weiteres Engagement eingehen will – aber nur, wenn die Bedingungen passen: "Allein auf der Kommandobrücke werde ich definitiv nicht mehr stehen." Erst einmal wolle er sich ohnehin auf die kommenden Aufgaben mit seiner Mannschaft konzentrieren und sich möglichst erfolgreich verabschieden. Das wünscht sich auch Warnke: "Das Beste wäre, wenn zum Ende der Hinrunde alle fragen, warum Frank geht."

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 17.10.2018