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Herren 27.02.2021 von Thomas Warnke

1. Herren: Vom Außenseiter zum Wiederholungstäter. Jörn Meyers Pokalreise

Wer Kreispokal sagt, der muss auch Jörn Meyer sagen. Im Fußballkreis Diepholz haben wenige den Wettbewerb so geprägt wie der 52-Jährige. Sowohl mit dem TSV Martfeld, seinem Heimatverein, als auch mit dem SV Bruchhausen-Vilsen, bei dem er noch heute an der Seite von Patrick Tolle als Co-Trainer der ersten Mannschaft tätig ist, hat er die Trophäe in die Höhe gestemmt. Sechs Mal stand er im Finale, zwischen 2012 und 2016 sogar fünfmal in Folge. Rekord. Wahrlich nicht der einzige, den er aufgestellt hat. Eine Pokalgeschichte in sechs Episoden.

 

Episode 1: Der Favoritenschreck

Einer Sache ist sich Jörn Meyer sicher: „Fußball spielt sich in der Murmel ab.“ Es ist Kopfsache. Im Pokal ganz besonders. „Wenn du einen Gegner auf Augenhöhe hast, sind alle motiviert. Aber wenn du gegen einen Underdog spielst, glauben viele, dass da nichts passieren kann. Sie haben das Spiel im Kopf schon abgehakt“, nennt er die größte Stolperfalle des Wettbewerbs. Diese hat er sich in der Saison 1995/96 selbst zunutze gemacht. 

Mit seinen Martfeldern spielte Meyer in der 2. Kreisklasse. Viel mehr Außenseiter geht nicht. Aber ganz so einfach war es dann doch nicht, den TSV aus dem Feld der Titelanwärter zu streichen. „Wir hatten eine Bombentruppe“, blickt Meyer zurück. Nicht nur er selbst war aus seiner Vilser Zeit bereits im Bezirk erfahren. Carsten Maatz, sein Freund seit Kindestagen, war von der SG Hoya zurückgekehrt, auch Spielertrainer Erhard Meyer und Carsten Beermann hatten das SG-Trikot in der Landesliga getragen. „Mindestens 50 Prozent des Kaders hätte im Bezirk spielen können. Dazu kamen einige richtig gute Nachwuchsspieler. Wenn die erste Elf fit war, dann konnte sich ein Kreisligist die Zähne an uns ausbeißen“, erklärt Meyer, damals im besten Fußballalter. Das Niveau der Martfelder ging weit über die 2. Kreisklasse hinaus. Der Meistertitel war Formsache, „aber wir wollten unbedingt den Pokal gewinnen. Wir wollten Gegner ärgern, die vermeintlich besser waren als wir“, war der Cup das Hauptziel der Martfelder. Und sie füllten es mit Leben, deklassierten etwa den Vorjahressieger TSV Wetschen mit 4:0. In Martfeld, wo im Alltag der TVE Nordwohlde III oder SV Mörsen-Scharrendorf IV aufliefen, stolperten die Favoriten reihenweise. Auch weil Meyer regelmäßig aufdrehte: Gegen den TV Neuenkirchen erzielte er zwei Tore, gegen Wetschen legte er trotz einer Schleimbeutelentzündung ein Tor auf und erzielte eines selbst.

Und auch im Finale gegen den SV Friesen Lembruch aus der 1. Kreisklasse, den anderen Favoritenschreck der Pokalsaison, war der Mittelfeldspieler eine prägende Figur. Der Herr der ruhenden Bälle legte Carsten Beermanns 2:0 per Ecke auf. Da waren gerade einmal zehn Minuten gespielt. Carsten Maatz hatte Martfeld in Führung gebracht. Peter Brinkmanns Eigentor in der Schlussviertelstunde brachte den TSV nicht mehr ins Wanken.

Martfeld gewinnt 1996 den Pokal – Peter Brinkmann (l.) nimmt ihn entgegen.

 

Meyer feierte also seinen ersten Pokaltitel im Herrenbereich. Und wie! „Ein paar Jungs sind noch nach Schwarme gefahren zum Pfingstschützenfest. Sie wollten dort mal zeigen, wie so ein Pokal aussieht“, sagt der Martfelder und lacht ob der kleinen Sticheleien unter Nachbarn. Zuvor war ihm allerdings der Schreck in die Glieder gefahren: Er hatte die Trophäe fallen gelassen und ihr eine Delle verpasst. Dieses Missgeschick war jedoch im Siegestaumel schnell vergessen. Apropos vergessen: Am Morgen nach dem Finale war der Pokal verschwunden. Er tauchte in Schwarme wieder auf. Dort hatte er die Nacht hinter der Sektbar verbracht.

 

Episode 2: Finale aus der Ferne

Der Sieg mit Martfeld sei für ihn das erste Mal gewesen, dass er den Pokal wirklich wahrgenommen habe, sagt Meyer. Danach verlor er ihn etwas aus den Augen. In seinen Fokus rückte der Wettbewerb erst mehr als 25 Jahre später wieder. Eigentlich hatte Meyer, bereits zum Trainer aufgestiegen, nach seiner Amtszeit in Schwarme ein Sabbatjahr einlegen wollen, als jedoch im Herbst 2011 der SV Bruchhausen-Visen nach dem Aus von Uwe Sieling bei ihm anklopfte, war es mit der Ruhe schlagartig vorbei. Dem SVBV konnte er nicht absagen. „Das war eine Herzensangelegenheit.“

Meyer führte den Kreisligisten nach dessen Fehlstart in ruhiges Fahrwasser. Der Pokal, in dem Vilsen in der ersten Runde noch ohne Meyer ausgerechnet Martfeld ausgeschaltet hatte, lief eher nebenbei. „Hinfahren, gewinnen, wegfahren“, schildert der Coach die Maxime. Als der SVBV im Winter noch im Wettbewerb war, machte er sich das erste Mal Gedanken, wie weit es für ihn und sein Team gehen könnte. Beim Blick auf den Rahmenspielplan blieb ihm jedoch die Spucke weg: „Ich habe gesehen: Beim Finale bin ich im Urlaub. Ich hatte schon gebucht.“ Ein Endspiel ohne Trainer? „Da denkst du schon im ersten Moment: Sch...“, gibt Meyer zu. Aus dieser Vorstellung wurde nach Siegen über Neubruchhausen und Wagenfeld tatsächlich Realität. Meyer stand ein Finale aus der Ferne bevor.

Als in Sulingen der Ball rollte, war er in der Türkei. In Side. Zumindest körperlich. Denn in Gedanken war der Trainer, der per Handy noch eine Ansprache gehalten hatte, bei seinem Team. Während Andreas Mann das Team gegen den TuS Syke betreute, ließ sich Meyer von Betreuer Norbert Schmusch und Fabian Schlechter informieren. „Meine Frau war komplett genervt, weil ich die ganze Zeit mit dem Handy in der Hand herumgelaufen bin“, weiß er noch, dass Urlaubsstimmung nicht aufkam bei den Meyers. „Dafür lebst du das einfach zu sehr mit“, sagt der Vollblutfußballer. Seine Mannschaft aber blieb auch ohne ihn cool, gewann dank eines Doppelpacks von Salam Garaf, der auch das Tor von Christian Riemenschneider vorbereite, mit 3:1. Und während es die Vilser in der Heimat krachen ließen, wurde auch in Side gefeiert – „mit diversen Efes und Rakis“, verrät Meyer. Und mit dem Siegershirt, das er stolz zur Schau trug.

DER ERSTE STREICH: Die Vilser feiern nach dem Sieg über Syke – ohne Trainer Jörn Meyer. Der weilt im Urlaub in der Türkei.
 

Episode 3: Die Party vor der Haustür

Die eine oder andere Stichelei ob seines Urlaubs beim Finale musste sich der Trainer nach seiner Rückkehr natürlich anhören. Doch der Coach, ohnehin nie um einen flotten Konter verlegen, erwiderte nur: „Dann machen wir es in der neuen Saison eben nochmal.“ Der Hauptfokus lag aber weiterhin auf der Liga. „Du trainierst ja keine Mannschaft, um den Kreispokal zu gewinnen“, sagt Meyer – auch wenn es bei ihm rückblickend anders ausgesehen haben mag.

Der Pokal war in der Saison 2012/13 reizvoll für alle Brokser. Das Finale fand in Martfeld statt. Nebenan also. In Meyers Heimat. Dort den Titel zu holen – viel mehr geht nicht. Diese Aussicht schien den SVBV zu beflügeln. Er warf die Nachbarn Asendorf und Schwarme aus dem Wettbewerb, behielt in Barnstorf die Nerven und schaltete im Halbfinale auch Weyhe-Lahausen aus. Das Finale um die Ecke war perfekt.

Seinen Urlaub hatte Meyer wohlweislich bereits nach hinten verschoben. Dieses Mal wollte – nein: musste – er dabei sein. Er lud seine Spieler vor dem Duell mit dem Ligarivalen SV Lessen zu sich nach Hause ein, um sie auf die letzten 90 Minuten der Saison einzustimmen. Und auf ein besonderes Szenario: Noch nie hatte ein Team den Pokaltitel verteidigt. „Wir haben uns gar nicht groß damit beschäftigt. Das Finale zu erreichen, war an sich schon Highlight genug“, legte er keinen Druck auf seine Spieler. Klar war aber auch: „Du kannst dich vor so etwas nicht verschließen. Dass du etwas Besonderes leisten kannst, wird von außen an dich herangetragen.“ Vor allem in einem fußballverrückten Ort wie Bruchhausen-Vilsen.

Die Aussicht auf einen Platz in den Geschichtsbüchern des Fußballkreises lähmte die Brokser nicht. Im Gegenteil: Selten war ein Endspiel einseitiger als dieses 6:1. Salam Garaf und Richard Sikut zeigten, warum es sie alsbald zu höher spielenden Klubs ziehen sollte. Salaf traf, Sikut sogar doppelt, ebenso wie Rateb Safi. Matthias Hansack markierte das zwischenzeitliche 5:1. Zu diesem Zeitpunkt waren alle Brokser bereits in Feierlaune. Auch Hunderte Fans hatten den kurzen Anfahrtsweg auf sich genommen. Die Party nach der Partie nahm deshalb zügig Fahrt auf. Die Vilser hatten vorgesorgt, wie der Coach damals verriet: „Wir machen jetzt noch die einheimische Gastronomie unsicher. Wir haben da ein All-Inclusive-Paket.“ Wer Pokale gewinnt, der darf es ruhig krachen lassen. Und wer Geschichte schreibt, sogar umso mehr. Darin waren sich die Lilahemden damals bereits einig.

Da ist das Ding! Im Jahr 2013 verteidigt Vilsen als erste Mannschaft den Titel.

 

Besser als jeder Sportfilm

Was bisher geschah: drei Finals, drei Siege, dazu die erste Titelverteidigung überhaupt. Besser hätte die Kreispokalgeschichte von Jörn Meyer als Spieler des TSV Martfeld und als Trainer des SV Bruchhausen-Vilsen nicht beginnen können. Doch vorbei war sie noch lange nicht. Sie ging weiter und wurde reicher – sowohl an Dramen als auch an (Freuden-)Tränen.

Episode 4: Der fade Beigeschmack

Spätestens in der Saison 2013/2014 war es anders im Pokal. „Alle wollten uns schlagen, noch mehr als zuvor", spürten Meyer und Co. deutlich größere Gegenwehr. Vilsen zu bezwingen – das war das Ziel aller Teams im Wettbewerb. Doch die Lilahemden hatten längst Gefallen daran gefunden, im Finale zu stehen. „Die Jungs haben es genossen, das letzte Spiel der Saison zu bestreiten und zu zeigen, was in ihnen steckt", sagt Meyer.

Das Pokalfeuer loderte weiterhin heiß in seinen Mannen, denen der große Wurf in der Liga erneut verwehrt blieb. „Irgendwann hieß es nur noch: Wenn ihr nicht aufsteigt, dann gewinnt ihr eben den Kreispokal", erinnert sich Meyer. Aus dem vermeintlichen Stiefkind Pokal wurde in Vilsen ein vollwertiges Familienmitglied. „Diese Zeit haben alle genossen. Wir haben als Mannschaft den Ort mitgenommen", spürte der Trainer, wie die Pokalreise Team und Ort zusammenbrachte. Die Beziehung zwischen Pokal und Broksen war längst eine innige. Doch es sollten erste Risse folgen.

Nicht, dass sich diese abzeichneten. Es war wie immer: Vilsen stürmte von Runde zu Runde. Erst im Halbfinale wurde es eng. Hier wäre Meyer beinahe das widerfahren, was er bei seinem Pokalsieg als Spieler mit Martfeld einigen Kreisligisten zugefügt hatte: eine Niederlage gegen ein Team aus der 2. Kreisklasse. Beim FC Gessel-Leerßen verspielte Vilsen eine 2:0-Führung und rettete sich erst im Elfmeterschießen ins Endspiel. Das dritte Finale in Folge. Es war – natürlich – ein Rekord. Wieder hatte niemand die Lilahemden aufhalten können. Und so pilgerten am Saisonende erneut zahlreiche Vilser zum Finale, dieses Mal nach Twistringen, hoffnungsfroh, den dritten Titel in Serie feiern zu können. Zumal der Gegner aus der 1. Kreisklasse stammte.

Gegen die U23 des TuS Sulingen waren die Brokser der Favorit. Allerdings hatte das Finale „einen faden Beigeschmack", findet Meyer. Denn der TuS schickte nicht ausschließlich seine Jungs aus der Kreisklasse ins Feld, sondern auch Spieler aus der Landesliga-Mannschaft von Walter Brinkmann. Eine Mischung, die Vilsen mehr als nur Paroli bot. Während sich die Meyer-Elf die Zähne ausbiss, traf Niklas Klare per Flugkopfball zum Sulinger Sieg. Der Begriff Wettbewerbsverzerrung machte die Runde. TuS-Trainer Tim Bösche – in Schwarme einst ein Schützling Meyers – widersprach: „Das hätten andere Mannschaften an unserer Stelle genauso gemacht." Den Vilser Trainer wurmt die Niederlage noch heute. „Es war alles regelkonform, aber ob man das so machen muss, weiß ich nicht."

Die Pokalweste des SVBV war nun befleckt. Es war die erste Niederlage seit dem 0:3 gegen Wagenfeld im Halbfinale im Mai 2011. „Wir mussten eine ganz neue Erfahrung machen und den anderen beim Feiern zusehen. Das tat weh", sagt Meyer.

 

Episode 5: Das Finale tohuus

Der Frust über die Finalniederlage wich bald der Vorfreude. In der neuen Saison fand das Endspiel in Vilsen statt. „Dann ist es natürlich dein großer Traum, dabei zu sein. So eine Chance bekommst du nicht oft", weiß Meyer. Ihm schien das Schicksal zweimal hold zu sein: erst das Finale in Martfeld, nun also in Vilsen. Der gesamte Ort war aus dem Häuschen. Meyer spricht nicht von ungefähr von einem ganz speziellen Weg ins vierte Finale in Serie – aber auch in das bitterste.

Drei Jahre zuvor hatte der FC Bayern München in der Champions League sein „Finale dahoam" im Elfmeterschießen gegen den FC Chelsea verloren. Dass ihr „Finale tohuus" ähnlich enden könnte, daran verschwendeten die Vilser keinen Gedanken. Obwohl der Druck spürbar war. „Die Jungs waren fokussierter. Sie hatten dieses Endspiel im eigenen Stadion immer vor Augen. Das hat es nicht immer einfacher gemacht", weiß Meyer.

Bereits der Weg ins Endspiel war voller Dramen. Gegen Eydelstedt und Gessel siegten die Brokser erst im Elfmeterschießen. Unvergessen auch das Halbfinale beim TSV Ristedt samt der schweren Verletzung von TSV-Akteur Sascha Otten, der sich im Luftduell mit SVBV-Torhüter Dennis Kastendieck Jochbein, Augenhöhle und Oberkiefer brach. Erst nach der Pause drehte Vilsen vor mehr als 100 Gästefans ein 0:1 noch in einen Sieg. Die Meyer-Elf hatte ihr Finale tohuus

Ganz Bruchhausen-Vilsen fieberte danach dreieinhalb Wochen auf den Endspieltag hin, an dem auch die Ü50 und die Ü40 des Vereins um den Titel spielten. Es herrschte eine Vorfreude wie sonst nur am Brokser-Markt-Wochenende. Meyer und seine Mannschaft zeigten sich bereits mittags auf der Anlage. „Um unsere anderen Teams zu unterstützen", erklärt der Trainer, warum die Erste so früh auf der Anlage erschien. In den Finals zuvor hatte sich die Mannschaft im Vorfeld mehr Ruhe gegönnt. Der Fußballtag war dieses Mal also ungewohnt lang. „Das kreide ich mir bis heute an. Es war alles zu viel für die Jungs", glaubt Meyer, dass die Gesamtsituation seiner Elf noch mehr Druck aufbürdete. Die Erwartungshaltung war immens, an jeder Ecke wurden die Spieler angesprochen auf ihr Duell mit dem SV Lessen. Den hatte der SVBV zwei Jahre zuvor klar mit 6:1 bezwungen. Alle, die es mit Vilsen hielten – und das war die klare Überzahl – rechneten erneut mit einem Sieg.

Das spürte auch die Mannschaft. In positive Energie konnte sie es aber nicht umwandeln. Als das Spiel angepfiffen wurde, „hatten wir nicht mehr den vollen Fokus auf das Finale", sagt Meyer über das zähe Ringen. Von lila Leichtigkeit keine Spur. Selbst Nico Schröders Führung löste den Knoten nicht, der Ausgleichstreffer durch Magnus Wiegmann „hat den Hebel bei uns komplett umgelegt", erzählt Meyer, dass seiner Elf nichts mehr gelang. Dem Coach schwante vor dem Elfmeterschießen bereits Böses. „Als ich in die Gesichter der Jungs geschaut habe, wusste ich, dass das nichts wird." Das Selbstvertrauen war weg. Seinem Betreuer Norbert Schmusch murmelte Meyer zu: „Nobbi, ich glaube, heute gewinnen wir nicht." Er sollte Recht behalten: Marcel Schröder vergab, Vilsen verlor. Die Riesenparty fiel aus. Die kleine Delegation aus Lessen übertönte Hunderte Vilser mit Leichtigkeit. „Die haben natürlich ausgiebig gefeiert, und bei uns war die Enttäuschung riesengroß. Die Beine wollten einfach nicht so, wie es der Kopf gern gehabt hätte", sagt Meyer nach „dem bittersten Moment" seiner Pokalreise. Dieser Tag beschäftigte ihn und seine Spieler länger als nur eine schlaflose Nacht.

Zahlreiche Zuschauer auf der Anlage des SVBV

 

Episode 6: Das Happy End

Tatsächlich kamen die Vilser aus dem Tal der Tränen nicht so recht heraus. Fünf seiner ersten sieben Spiele verlor der SVBV in der neuen Serie. Als ihn die Führungsspitze in der Winterpause zum Gespräch bat, ahnte Meyer bereits: Seine Zeit endet. Und so kam es auch: Frank Fischer sollte im kommenden Sommer übernehmen. „Ich konnte das damals verstehen, und ich verstehe das auch noch heute. Das einzige, was ich wollte: Ich wollte die Saison sauber zu Ende spielen", blickt Meyer zurück. Seinem Wunsch kamen die Vilser Führungskräfte um Thomas Warnke und Thomas Kues, ohnehin nicht für Schnellschüsse in Trainerfragen bekannt, nach. Und sie sollten es nicht bereuen.

Denn obwohl der Aufstieg kein Thema mehr war (den sollte der SVBV unter Fischer im Jahr 2018 feiern), lief es im Pokal blendend. Dort war von einem Knacks nichts zu spüren. 29 Tore erzielten die Lilahemden auf dem Weg ins Finale in Serie. Vilsen wollte es allen zeigen. Noch ein einziges Mal. Ein Umbruch stand ohnehin bevor. Nicht nur Meyer würde gehen, auch mehrere Akteure wie Mirco Meyer oder Jan-Hendrik Schwirz hatten ihren Abschied angekündigt. Das Gesicht der Mannschaft würde sich verändern. Und so schwor sich die Truppe ein, den Pokal zum dritten Mal zu holen.

Der Gegner war – auch das zieht sich durch diese Geschichte – ein guter Bekannter: die U23 des TuS Sulingen, das Team, das Meyers SVBV 2014 die erste Finalniederlage beigebracht hatte. Kein Kreisklassist mehr, sondern zukünftiger Bezirksligist. „Sulingen hatte eine super Truppe. Wir waren der Außenseiter", sagt Meyer. Zumal das Finale in Sulingen stattfand. Auf der Anlage des FC zwar, aber ein gefühltes Heimspiel war es für den von Sascha Jäger trainierten TuS allemal.

Der gesamte Finaltag kommt Meyer noch heute vor wie ein Film. Ein guter, so viel sei verraten. „Es waren bereits pure Emotionen, überhaupt noch mal im Finale zu stehen, das alles noch mal erleben zu dürfen mit dieser Mannschaft. Es sind schon vor dem Spiel ein paar Tränchen geflossen", erinnert sich der 52-Jährige an all das, was auch abseits des Platzes auf die Mannschaft vor deren letzter gemeinsamer Partie einprasselte.

Nur wirkten die Emotionen dieses Mal nicht wie Blei an den Vilser Füßen, sondern vielmehr wie Doping. Der Außenseiter wuchs über sich hinaus. Dieses Mal biss sich Sulingen die Zähne aus. „Die Jungs haben aufopferungsvoll gekämpft, sich regelrecht füreinander zerrissen. Das war einfach durch die Bank ein geiles Spiel", schwärmt der Trainer, der in der Anfangsphase Nico Schröders kurioses Tor des Tages bejubelte: Ein Sulinger legte sich den Ball zu weit vor, der Vilser haute dazwischen und der Ball senkte sich ins Netz. Der Rest war Leidenschaft und Kampf. „Wir wollten den Sieg einfach mehr", sagt Meyer. Wie stolz er noch immer auf seine Truppe ist, ist ihm anzuhören. Das 1:0 – es war verdient. „Und dann stehst du da in Sulingen und hältst zum dritten Mal den Pokal hoch. Dann merkst du, wie besonders das ist. Da waren so viele Gefühle im Spiel, das war der Wahnsinn", sind die Erinnerungen Meyers noch sehr präsent. Die Mannschaft, die Fans, die Verantwortlichen, er selbst: Niemand hätte sich ein besseres Ende vorstellen können. Es war ein Abschied, der alles mitbrachte – eine rauschende Feier inklusive. Wie im Sportfilm aus Hollywood, nur in Realität. Und deshalb schöner. Eigentlich sei er kein Freund von Schnulzen, sagt Meyer. „Aber das Drehbuch hätte niemand besser schreiben können."

Epilog

Er selbst verschwand danach zumindest als Coach von der Bildfläche, im Sommer vor zwei Jahren machte ihm dann Patrick Tolle eine Rückkehr an die Seitenlinie beim SVBV schmackhaft. Meyers Worte zum Wiedereinstieg? Schon jetzt legendär: „Ich habe gehört, ihr wollt mal wieder den Kreispokal gewinnen!?" Der Wettbewerb wurde zwar wegen der Corona-Pandemie nicht beendet. „Aber wir waren noch dabei", sagt Meyer. Im Viertelfinale sogar. Das Endspiel war also schon wieder ganz nah. Dieses Kapitel von Meyers verrückter Pokalreise wurde jedoch nie abgeschlossen.

Dafür hat der Martfelder etwas geschafft, dass ihm in seiner ersten Amtszeit in Vilsen nicht gelungen ist: den Aufstieg in die Bezirksliga. Dieser eröffnet in Zukunft Raum für neue Geschichten. Dann im Bezirkspokal. Aus Martfelder Zeit weiß Meyer, wie man auch dort für Furore sorgt: Schließlich warf er nach dem Kreispokalsieg 1996 im Wettbewerb auf Bezirksebene ausgerechnet Bruchhausen-Vilsen raus. Rolf Krause erzielte das Siegtor. Vorbereiter war – Sie ahnen es – Jörn Meyer.

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 27.02.2021

 

 

Herren 04.02.2021 von Thomas Warnke

2. Herren: Wenn Freund auf Freund folgt

Wer kommt danach? Diese Frage wird auch den scheidenden Coach Ben Weber beschäftigt haben. Die Lösung des SV Bruchhausen-Vilsen könnte für ihn besser nicht sein: Nachfolger Steffen Lange ist ein Kumpel von ihm.

Sie kennen sich. Sehr gut sogar. „Steffen ist ein super enger Freund von mir“, sagt Ben Weber. Steffen? Das ist Steffen Lange, der sich als Torjäger der zweiten Fußballherrenmannschaft des SV Bruchhausen-Vilsen einen Namen gemacht hat. Der SVBV ist sein Verein. Genau wie Webers. In der Zweiten haben sie jahrelang zusammengearbeitet. Im vergangenen Sommer hörte Lange auf, der Lehrer wechselte an die Seitenlinie, als Co-Trainer bei der U11 an der Seite seines Bruders Daniel. Nun zieht auch Weber einen Schlussstrich. Er legt sein Traineramt am Saisonende nieder (wir berichteten). Dafür steigt Lange wieder ein beim Kreisligisten. Der Freund folgt also auf den Freund. „Das ist die perfekte Lösung“, sagt Weber. Diesen Vorschusslorbeeren will Lange in der Serie 2021/22 gerecht werden – und baut dabei auch auf die Mannschaft.

Webers Lob ist kein Freundschaftsdienst. Es ist sportlich ehrlich gemeint. „Steffen hatte immer die Idee, Trainer zu werden. Er hat definitiv das Zeug dazu“, lobt der 24-Jährige seinen zehn Jahre älteren Nachfolger. Er habe nicht nur Fußballsachverstand, sondern auch den richtigen Charakter. Und den nötigen Ehrgeiz dazu: „Es braucht einfach einen Trainer, der Lust hat und sich genügend Zeit dafür nehmen kann, auch außerhalb der Trainingszeiten mit den Spielern zu sprechen und Gegner zu beobachten. Dafür ist Steffen genau der richtige Mann“, sagt Weber. Lust darauf hat auch er noch. Die Zeit aber ist knapp. „Mein Beruf lässt das nicht zu“, unterstreicht er. Der Auszubildende zum Veranstaltungskaufmann rechnet zwar in diesem Jahr nicht mehr mit einem vollen Eventkalender, dafür aber im kommenden. „Dann kann ich nicht garantieren, dass ich die Aufgabe als Trainer noch richtig machen kann. Das haben weder die Jungs noch der Verein verdient“, erklärt Weber.

 

Auf hohem Niveau etablieren

Sein Team übergibt er in ihm bestens bekannte Hände. Ein gutes Gefühl sei das, sagt er. Lange war Herrenspieler, als Weber als 17-Jähriger bereits bei der Zweiten trainierte. Da er noch nicht volljährig war, durfte er nicht spielen. Als Zuschauer aber konnte er Lange beobachten, den Stürmer, der die Vilser Reserve liebevoll „meine Mannschaft“ nennt. Ihr blieb er bis auf einen kurzen Abstecher zur Ersten treu. Mit ihr durchlebte er schöne, aber auch schwierige Jahre. Er war in der Hoch-Zeit in der Kreisliga A dabei, aber auch beim Abstieg bis hinunter in die 2. Kreisklasse. Nun ist die Zweite wieder am Höhepunkt angekommen. In der Kreisliga – mehr geht nicht. „Wir haben seit drei, vier Jahren wieder ambitionierte Fußballer in der Mannschaft“, nennt Lange einen Grund für den Aufschwung. Die Fußballsparte des SVBV hat nun zwei Aushängeschilder.

Langes Aufgabe wird sein, die Zweite auf dem hohen Niveau zu etablieren. Er selbst habe nicht damit gerechnet, ein Trainerkandidat zu sein. „Ich war überrascht“, gibt Lange, der von Webers Entscheidung natürlich wusste, zu. Aber er habe auch nicht viel Zeit gebraucht, um eine Entscheidung zu fällen. Die Chance, die sich ihm bot, wollte er unbedingt ergreifen.

Als Trainerneuling im Herrenbereich traut er sich die Kreisliga durchaus zu. „Aber ich weiß auch, dass es nicht selbstverständlich ist, dass man sofort in dieser Liga anfangen darf“, dankt Lange, der im kommenden Jahr seine B-Lizenz machen will, dem Verein für das Vertrauen. Aus Sicht der Verantwortlichen kommt die Entscheidung für Lange allerdings nicht überraschend: Sie befördern ein Gesicht der Zweiten zum Chef. Eine interne Lösung ist bei den Lilahemden immer ein Thema.

Langes Blick auf die kommende Saison ist euphorisch. „Die Grundlagen sind sehr gut“, findet er viele Dinge vor, auf denen er aufbauen kann. Die Zweite sei mittlerweile ein Sprungbrett. „Wer sich in der Kreisliga durchsetzt, kann es auch in der Bezirksliga schaffen. Wir haben eine Durchlässigkeit im Verein. Das finde ich sehr wichtig“, kann er auch jungen Spielern Perspektiven aufzeigen. 

Aber wird er als Stürmer auch die eher defensive und auf Konter ausgerichtete Taktik übernehmen? Oder klappt er das Visier des Aufsteigers, der sich bis auf Rang drei vorgespielt hat, hoch? „Ich bin ein Freund davon, Ballbesitzfußball zu spielen. Das ist ein etwas anderer Ansatz als jetzt, aber wir haben die richtigen Jungs dafür in der Mannschaft. Alle können gut kicken“, sagt er. Er betont allerdings auch: „Man muss danach gehen, was für die Mannschaft das Beste ist.“ Sein System durchdrücken – das will er nicht.

 

Eine andere Rolle

Stattdessen will Lange seine Mannschaft mitnehmen. „Die meisten Jungs kenne ich bereits seit Jahren, und ich habe auch in dieser Saison viele Spiele gesehen“, wird es keine Probleme geben, den richtigen Zugang zu finden. Aber macht seine Nähe zur Truppe die Aufgabe nicht auch schwierig? Wenn ein Mitspieler zum Trainer aufsteigt, hat das durchaus seine Tücken. Der Coach Lange ist nicht mehr mit dem Spieler Lange zu vergleichen. Es ist eine andere, eine autoritärere Rolle, die Entscheidungen erfordert, die ein Mitspieler nicht treffen muss. Das ist Lange bewusst. Sorgen macht er sich allerdings nicht: „Wir können das schon trennen. Durch mein Alter bin ich in den letzten Jahren schon aus der Truppe herausgestochen. Ich verstehe mich mit allen gut, aber ich habe nicht einen so verwurzelten Freundeskreis innerhalb der Truppe wie zum Beispiel Ben.“

Und mit Weber als Coach hat es schließlich auch sehr gut funktioniert. „Das zeigt mir einfach auch, was das für eine super Mannschaft ist“, lobt der scheidende Trainer das Vermögen der Spieler, Sport und Privates zu trennen, so gut das eben im Amateurbereich möglich ist. Lange sieht darüber hinaus einen weiteren Vorteil: „Dadurch, dass ich ein Jahr weg war, bin ich auch ein bisschen raus aus der Mannschaft. Dieser Abstand ist ganz gut, glaube ich.“ Eng zusammenrücken, da ist er sich sicher, werden er und seine Spieler in der kommenden Saison ohnehin.

 

Irgendwann Seite an Seite?

Den Blick in die Zukunft wagt auch Weber. Wegen mehrerer Verletzungen musste er seine Laufbahn als Spieler auf dem Feld frühzeitig beenden. Mit dem Trainergeschäft dagegen hat er trotz des bevorstehenden Ausscheidens noch nicht abgeschlossen. „Ich bin noch jung, da kann noch einiges passieren“, bekräftigt er, dass eine Rückkehr zum Fußball denkbar ist. Möglicherweise wieder bei seinem SVBV – und an der Seite seines Freundes Lange. „Das“, sagt Weber, „wäre auf jeden Fall eine coole Sache.“

 

Weitere Informationen

Steffen Lange und sein ungewöhnlicher Spitzname

Die eine oder andere „Bude“ hat Steffen Lange für den SV Bruchhausen-Vilsen erzielt. Nicht umsonst galt er als Torjäger der Zweiten. Einen weiteren Beweis hat übrigens Ben Weber selbst geliefert: Denn wenn der Noch-Trainer des Kreisligisten in seinem Handy die Kontakte durchsucht, dann findet er Steffen Lange nicht etwa bei den Buchstaben L oder S. Im Gegenteil: Gespeichert ist die Nummer unter dem Namen Mario Gómez.

Richtig gelesen. Mario Gómez, Ex-Stürmer des VfB Stuttgart, des FC Bayern München und der Nationalmannschaft. „Mario Gomez ist ein kleiner Spaß zwischen uns“, verrät Weber – und schickt im Chat einen lachenden Smiley hinterher. Ein kleiner Spaß also. Und was sagt Lange dazu? „Ich finde, dass Mario Gómez ein vollkommen verkannter Stürmer ist. Er wurde oft belächelt, dabei hat er immer seine Tore gemacht.“ Nicht umsonst sei er der Bayern-Stürmer mit der drittbesten Torquote. Nur Gerd Müller und Robert Lewandowski liegen vor dem 35-Jährigen. Seine Tore, das ist nicht von der Hand zu weisen, hat auch Lange in Vilsen immer gemacht. Insofern ist eine gewisse Vergleichbarkeit da. „Mir gefällt auch der Charakter: Er ist unaufgeregt und selbstreflektiert“, bricht der eine Angreifer zudem eine Lanze für den anderen.

Gómez wurde allerdings nicht nur durch seine Tore berühmt, sondern auch durch einige Fehlschüsse. Unvergessen sein Verstolperer bei der Europameisterschaft 2008 im entscheidenden Gruppenspiel gegen Österreich, vielleicht einen Meter von der Torlinie entfernt. „Den einen oder anderen Hundertprozentigen habe ich auch drüber gehauen“, sagt Lange und schmunzelt. „Aber ich habe auch den einen oder anderen Unmöglichen weggemacht“, fügt er an. Das können eben nur echte Stürmer. Egal ob in der Bundes- oder aber in der Kreisliga.

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 04.02.2021

Herren 26.01.2021 von Thomas Warnke

2. Herren: Lange folgt in Vilsen auf Weber

Neuer Trainer für Kreisliga-Reserve

Bruchhausen-Vilsen. Dass der SV Bruchhausen-Vilsen mit einem neuen Trainer für seine erste Herrenmannschaft in die kommenden Saison starten wird, steht bereits seit Längerem fest. Torsten Klein wird auf Patrick Tolle folgen. Jetzt machen die Lila-Hemden öffentlich, dass es auch in der zweiten Herren in der neuen Spielzeit einen Wechsel auf der Kommandobrücke geben wird. Ben Weber wird nach Angaben des Klubs aus beruflichen Gründen den Job an der Seitenlinie nicht mehr wahrnehmen können. Sein Nachfolger stammt aus den eigenen Reihen.

Den Entschluss Webers kommentiert Thomas Warnke, der erste Vorsitzende des SVBV, in einer Pressemitteilung wie folgt: „Ben ist in der Veranstaltungsbranche tätig. Ab dem Sommer kann er seine Verfügbarkeit nicht mehr garantieren. Für Ben gilt: ganz oder gar nicht. Ich habe vollstes Verständnis für seine Entscheidung.“ Bis zum Ende der laufenden Saison wird Weber mit der Mannschaft, die er bis in die Kreisliga geführt hat, alles für die Mission Klassenerhalt geben. Mit 16 Punkten aus neun Spielen belegt die SVBV-Reserve derzeit den dritten Rang. Das ist umso beachtlicher, weil das Team in der Spielzeit 2017/18 noch in der 2. Kreisklasse auf Torejagd gegangen ist. Weber und die Mannschaft hätten eine beeindruckende Leistung gezeigt, so Warnke. „Dafür bedanken wir uns schon jetzt.“

Den Nachfolger haben die Vilser in den eigenen Reihen gefunden. Anders als Klein bei der ersten Mannschaft hat der Neue bei der Zweiten definitiv Stallgeruch: Steffen Lange heißt der Neue an der Seitenlinie – und er kennt das Team aus dem Effeff: Lange hat bis vor einem Jahr selbst noch seine Schuhe für das Weber-Team geschnürt und galt als Torjäger des Teams. „Mit ihm gewinnt der SVBV einen weiteren Wunschkandidaten“, freut sich Warnke darüber, die Reserve auch in Zukunft in guten Händen zu wissen.

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 26.01.2021

 

Herren 24.01.2021 von Thomas Warnke

2. Herren: Steffen Lange folgt auf Ben Weber

Steffen Lange folgt auf Ben Weber als Trainer unserer zweiten Herren ab der Saison 21/22

Auch in der zweiten Herren wird es in der kommenden Saison einen Trainerwechsel geben. Ben Weber wird aus beruflichen Gründen den Job an der Seitenlinie nicht mehr wahrnehmen können. Dieses teilte er dem Vorstand vor einigen Wochen mit. „Ben ist in der Veranstaltungsbranche. Ab dem Sommer kann er seine Verfügbarkeit nicht mehr garantieren. Für Ben gilt ganz oder garnicht. Ich habe vollstes Verständnis für Ben`s Entscheidung“ so Thomas Warnke. Bis zum Ende der laufenden Saison wird Ben Weber und die Zweite alles für die Mission Klassenerhalt geben. Hoffen wir, dass diese sportlich beendet werden kann. In nur einer Saison haben Ben und die zweite Herren eine beeindruckende Leistung in der Kreisliga gezeigt. Dafür bedanken wir uns schon jetzt.

 

Steffen Lange folgt auf Ben Weber

Wir freuen uns sehr, dass Steffen Lange seine Zusage gegeben hat. Steffen ist kein Unbekannter beim SVBV. Bis vor einem Jahr hat er noch seine Schuhe für die Zweite geschnürt und galt als Torjäger der Zweiten. Mit ihm gewinnt der SVBV einen weiteren Wunschkandidaten. 

 

 

Herren 15.01.2021 von Thomas Warnke

1. Herren: Zwei Pläne in der Schublade: So kann es weitergehen in den Bezirksligen

Vor Ostern wird es wohl nichts mit einer Saisonfortsetzung. Abgeschrieben ist die Spielzeit aber noch nicht. Zwei Varianten hat der Bezirk Hannover nun vorgestellt. Ein Problem: die Vorbereitungszeit.

Amateurfußball im Jahr 2021 – das gleicht einem Blick in die Glaskugel. Wann zum Beispiel die Bezirksligisten aus dem Diepholzer Nordkreis wieder auf dem Platz stehen und um Punkte spielen werden, konnte ihnen am Mittwochabend niemand genau sagen. Auch nicht die Verantwortlichen des NFV-Bezirks Hannover um den ersten Vorsitzenden August-Wilhelm Winsmann und seinen Stellvertreter und Spielausschuss-Chef Thorsten Schuschel. Perspektiven, wie es weitergehen kann, zeigten sie den Vertretern der insgesamt 79 Bezirksligisten beim virtuellen Treffen allerdings durchaus auf.

Zwei Varianten stellte Schuschel vor, wobei schnell deutlich wurde: An einen schnellen Start ist für die Fußballer nicht zu denken. Ende März, Anfang April – auf eine frühere Rückkehr in den Punktspielbetrieb brauchen sich die Kicker unter anderem der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst, des SV Bruchhausen-Vilsen, des TuS Sudweyhe, des SC Twistringen, des SV Heiligenfelde, des TSV Bassum, des TV Stuhr und des TSV Okel nicht einzustellen.

Die erste der beiden Varianten sieht vor, dass die Vorrunde ab dem 21. März oder spätestens 10. April beginnt, normal beendet wird und dann die Auf- und Abstiegsrunden folgen. Sprich: Die Saison wird komplett zu Ende gespielt. Keine Partie würde ausfallen. Die Nordkreis-Klubs müssten vor der Aufteilung noch fünf mal ran. Falls der erste Plan nicht zu halten sein sollte, tritt die Alternative in Kraft: Demnach werden die Qualifikationsrunden abgebrochen, es geht sofort mit Auf- und Abstiegsrunden weiter. Die Plätze werden nach der Quotientenregel vergeben. In der Staffel mit den Nordkreis-Mannschaften braucht jetzt allerdings niemand vorschnell den Taschenrechner zu zücken: Alle Teams haben neun Begegnungen ausgetragen. Das jetzige Tabellenbild wäre also auch das endgültige. Demnach würden die beiden Aufsteiger Seckenhausen und Vilsen in die Aufstiegsrunde gehen.

Eine sportliche Lösung ist also der Königsweg für den Bezirk. Die große Frage, die die Trainer beschäftigt: Ist diese überhaupt möglich? „Ich finde es gut, dass wir zumindest einen Zieltermin haben“, sagt Benjamin Jacobeit, gemeinsam mit Sven Helms für den TuS Sudweyhe verantwortlich. Etwas, auf das man den Fokus richten kann, auch wenn natürlich nicht klar ist, ob Plan A oder B überhaupt einzuhalten sind. „Alles ist schwammig“, fasst Torsten Klein, Trainer des TSV Bassum, die Gesamtsituation zusammen. Ein Vorwurf sei das nicht, ergänzt er. „Mehr ist im Moment auch nicht möglich. Man kann nur abwarten.“ Er wundere sich allerdings darüber, dass ein Abbruch nicht groß thematisiert wurde. Der Bezirk sei aber auch noch nicht unter Zugzwang. An einen Neustart im März und auch im April mag Klein allerdings nicht glauben. Und auch Seckenhausens Coach Iman Bi Ria hält den Mai für wahrscheinlicher. Dann würde es mit Sicht auf beide Modelle eng werden.

Einig sind sich die Trainer darin, dass eine zweiwöchige Vorbereitungszeit zu kurz ist. „Nach vielen Monaten Pause brauchen wir mehr Zeit. Da geht es um Bewegungsabläufe, um Koordination, um Balance und Zweikampfverhalten. Da muss man erst wieder reinkommen“, sagt Jacobeit und befürchtet einige Verletzte. Ähnliche Sorgen macht sich Bi Ria, vor allem mit Blick auf die erste Variante: „Zwei Wochen Vorbereitung für 14 Spiele. Da mache ich mir Sorgen um die Gesundheit der Spieler.“ Die große Bedeutung der Spiele erhöhe das Risiko sogar noch. Unter diesem Gesichtspunkt könne man besser die Vorrunde abbrechen und mit mehr Vorbereitungszeit in die Auf- und Abstiegsrunden starten, findet er.

Die Seckenhauser sagen das als Spitzenreiter natürlich aus einer entspannten Position heraus. Die Sudweyher etwa würden bei Variante B dagegen keine Chance mehr auf die Aufstiegsrunde haben und sie wegen eines Punktes verpassen. Natürlich wäre das bitter, sagt Jacobeit. Aus sportlicher Sicht sogar das Worst-Case-Szenario. Aber allein darum geht es schon lange nicht mehr. "Letztendlich sage ich: Lasst uns einfach Fußball spielen, wenn es wieder möglich ist.

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 15.01.2021

Herren 19.11.2020 von Thomas Warnke

1. Herren: Vilsens Raketenstarter

Neuzugänge im Check: Hauke Wortmann hat sich beim SV Bruchhausen-Vilsen auf Anhieb etabliert

Bruchhausen-Vilsen. Er kam als ein Versprechen für die Zukunft. Von einem Spieler, der in der A-Jugend-Bezirksliga in zehn Spielen zehn Tore erzielte und im selben Jahr in der 2. Kreisklasse der Herren in zwölf Begegnungen 13 Mal erfolgreich war, durfte sich der SV Bruchhausen-Vilsen durchaus etwas erwarten. Aber wie es dann für Hauke Wortmann und die Lilahemden in der Bezirksliga gelaufen ist, das dürfte beide Seiten überrascht haben. Der 19-jährige Angreifer ist nämlich zu mehr geworden als ein Spieler mit sehr vielversprechender Perspektive. Er ist Stammspieler, Pressingmaschine und Torschütze in Personalunion. Ein Glücksgriff also für den frechen Aufsteiger.

Wobei der Begriff Glücksgriff nur auf den ersten Blick stimmt. Denn die Vilser wussten sehr genau, wen sie sich da ins Boot holten. Wortmann hatte schließlich bereits mit einem Großteil der Mannschaft in der A-Jugend zusammengespielt. „Das war definitiv ein Grund für mich, wieder nach Vilsen zu kommen. Ich kannte die meisten Spieler bereits“, verrät Wortmann, der keine lange Zeit der Eingewöhnung benötigte. Denn auch der Stil von Trainer Patrick Tolle war ihm bestens bekannt. „In der A-Jugend haben wir bereits miteinander gearbeitet, deshalb wollte ich ihn jetzt unbedingt wieder trainieren“, hatte der Coach das Sturmtalent immer im Blick und verfolgte die Entwicklung genau. Schließlich wusste Tolle, der sein Traineramt am Ende der Saison an Torsten Klein abgibt, was er von dem jungen Mann erwarten konnte.

Da ist zum einen das Tempo, das Wortmann mitbringt. „Hauke ist eine absolute Rakete. Ich kenne keinen viel Besseren in seiner Jahrgangsstufe“, sagt Tolle. Ein größeres Lob gibt es kaum, zumal Tolle etliche Jahre lang Jugendtrainer war und damit einen guten Überblick über die Talente der Region hat. Unbegründet ist seine Einordnung also nicht. Einen Antritt und eine Endgeschwindigkeit wie die des 19-Jährigen gibt es in der Bezirksliga kaum ein zweites Mal. Wortmann passt perfekt zum Spiel der Brokser, die nach Ballgewinnen zum Beispiel über Moritz Warnke oder auch Chedli Belkhir in höchstem Tempo zum Gegenangriff übergehen können. Wenn Wortmann Platz bekommt, dann ist er kaum zu bremsen.

Doch nicht nur das zeichnet den Angreifer aus, der in jedem der neun Pflichtspiele in der Startelf stand. „Hauke ist für sein Alter auch mental ein sehr starker Spieler“, schwärmt Tolle davon, dass der Angreifer voller Selbstvertrauen auftritt und sich auch von teilweise deutlich erfahreneren und robusteren Gegenspielern nicht unterkriegen lässt. „Seine Siegermentalität tut uns gut“, findet der Trainer.

In der Vorbereitung in Höchstform

Wortmann hat seinen Teil dazu beigetragen, dass sich Vilsen auf seine Stärken konzentrieren kann und sich nicht nach dem Gegner richten muss. Ein gewaltiger und vor allem alles andere als alltäglicher Pluspunkt für einen Aufsteiger. „Dass es so gut für uns läuft, hatte ich wahrlich nicht erwartet“, sagt das Talent.

Und auch sich selbst hatte es nicht unbedingt von Beginn an in einer derart tragenden Rolle gesehen. Dass es menschlich passen würde, daran bestand kaum ein Zweifel. Dass es auch sportlich derart ohne Anlaufschwierigkeiten harmoniert, war eine Hoffnung gewesen, die sich schnell sogar übererfüllte. „Schon die Vorbereitung war mega“, fasst Tolle kurz, aber prägnant zusammen, was Wortmann ab August aufs Feld brachte. Gegen den Kreisligisten TSV Weyhe-Lahausen erzielte er das erste Tor der Vilser Saison – und hatte von da an einen Lauf mit dem Doppelpack beim 2:1-Sieg gegen den Landesligisten TSV Etelsen als Höhepunkt.

„Ich war einfach ziemlich motiviert und hatte eine super Vorbereitung gespielt. Es tat mir gut, dass ich sofort getroffen habe“, erklärt Wortmann seinen Raketenstart im Vilser Dress. „Es lief perfekt, auch weil ich überhaupt keine Probleme mit Verletzungen hatte.“ Tolle kam an seinem Stürmer zum Start der Pflichtspiele nicht vorbei – und wollte das auch gar nicht. Beim 3:8 in Sudweyhe erzielte der 19-Jährige seinen ersten Saisontreffer und legte wenige Tage später seinen zweiten nach. Sein Tor in Stuhr bescherte den Vilsern drei Punkte. Seitdem wartet der junge Offensivmann aber auf ein Erfolgserlebnis. „Natürlich würde ich am liebsten in jedem Spiel treffen, aber für mich ist in erster Linie wichtig, dass wir unsere Spiele gewinnen“, stellt er den Erfolg des Teams über die persönliche Trefferquote.

Dass seine Aussage mehr als eine Floskel ist, beweist Wortmann Partie für Partie. „Er arbeitet viel nach hinten, presst gut und erobert viele Bälle“, schätzt Tolle ihn für den immensen Aufwand, den er betreibt. „Körperlich ist der Herrenbereich natürlich härter als die Jugend“, hat Wortmann erfahren. Verändert habe sich aber auch das Tempo. „Das Spiel ist wesentlich schneller als noch in der 2. Kreisklasse, in der ich mit Schwarme gespielt habe. Ich muss defensiv mehr mitarbeiten. Aber das macht mir nichts aus.“

Ohnehin muss er flexibel sein, mal mehr über den Flügel, mal mehr durchs Zentrum kommen. „Ich spiele schon am liebsten zentral. Aber die eine, perfekte Rolle gibt es für mich nicht“, sagt der Angreifer. Das wird sein Trainer gern hören. Er dürfte nach dem Neustart der Liga weiter auf Wortmann bauen. Dass er eine Bereicherung ist, das hat der Rohdiamant schließlich innerhalb kürzester Zeit bewiesen.

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 19.11.2020

Herren 18.11.2020 von Thomas Warnke

1. Herren: Pinzer hat sich seine Chance erarbeitet

Glatt lief es nach seiner Rückkehr nach Vilsen für Benjamin Pinzer zunächst nicht. Er verletzte sich, stand dann etwas in der zweiten Reihe. Dann aber erkämpfte er sich seine Chance im Training.

Bruchhausen-Vilsen. Benjamin Pinzer war in der vergangenen Saison bereits dort, wo seine jetzigen Mitspieler vom SV Bruchhausen-Vilsen unbedingt hinwollten: in der Bezirksliga. Mit dem TSV Okel zeigte er, wie ein Aufsteiger in der siebthöchsten Spielklasse bestehen kann. Nun ist Pinzer wieder ein Brokser – und spielt mit seiner Mannschaft erfolgreicher als noch im Vorjahr mit dem TSV. Nur der eigene Beitrag könnte größer sein.

Nein, eine wirklich tragende Rolle nimmt Pinzer bei den Vilsern noch nicht ein. Vier von neun Spielen hat er bestritten, zweimal stand er in der Startelf, zweimal kam er von der Bank. „Am Anfang hat mich eine Zerrung zurückgeworfen“, hatte der Rückkehrer Verletzungspech, als es darum ging, sich für die Stammplätze zu positionieren. Und später hatte Trainer Patrick Tolle wenig Gründe, seine Startformation zu verändern. Es lief rund beim Aufsteiger und Tabellenzweiten. „Das muss man dann auch so respektieren“, sagt Pinzer, der um die Konkurrenz in der Offensive, die er am besten über die linke Außenbahn verstärkt, weiß: „Wir sind da eben auch sehr gut besetzt.“ Ein Gespräch mit Tolle suchte er dennoch. Der Trainer gab ihm einen Tipp: Er solle sich im Training anbieten, sich dort zerreißen, auf sich aufmerksam machen. Und das tat Pinzer. „Benni hat sich nie hängen lassen“, lobt der Coach den 20-Jährigen, der bissig blieb und auf seine Chance lauerte. Die verdiente er sich und stand – ausgerechnet – beim Auswärtsspiel in Okel das erste Mal von Beginn auf dem Platz. Und traf gegen den Ex-Klub, dem er im Vorjahr wegen diverser Verletzungen so oft gefehlt hatte, nach wenigen Minuten zur Führung. „Richtig gefreut habe ich mich nicht“, verrät Pinzer.

Gegen Twistringen in der Startelf

Für ihn selbst war das Tor dennoch ganz wichtig. „Dadurch bin ich wieder so richtig angekommen in Vilsen“, findet er. Gegen Bassum kam er danach noch einmal von der Bank, zum Abschluss beim 3:3 gegen Twistringen stand er von Beginn an auf dem Platz und war Teil der verrückten Aufholjagd nach dem 0:3-Rückstand. „Ich denke, wir alle haben bislang keinen schlechten Eindruck hinterlassen“, sagt er mit Blick auf die derzeit unterbrochene Serie.

So soll es weitergehen, wenn der Ball wieder rollt. Dann will auch Pinzer wieder in der Startelf stehen. Deshalb hält er sich mit Ausdauerläufen und täglichen Workouts fit. „Ich will noch mehr Spielzeit bekommen“, nennt er sein persönliches Ziel. „Und mit der Mannschaft noch mehr Spiele gewinnen.“ Tolle stellt dem 20-Jährigen jedenfalls weitere Einsätze in Aussicht: „Benni hat den nötigen Ehrgeiz. Er hat sich immer mehr rangearbeitet ans Team.“ Weiterhin gilt: Pinzer muss da sein, wenn sich die Chance bietet.

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 18.11.2020

Herren 27.10.2020 von Thomas Warnke

1. Herren: Der Dirigent des Comebacks

Vilsens Spiel in Twistringen schien bereits im ersten Durchgang verloren. Doch mit dem Kapitän kam die Wende. Jan-Christoph Kornau war ein Grund dafür, dass sich der SVBV noch einen Zähler sicherte.

Er kam in ein Spiel, das eigentlich schon entschieden war. Wohl niemand auf der Sportanlage des SC Twistringen beneidete Jan-Christoph Kornau um seine Jokerrolle, betrat er doch bei einem 0:3-Zwischenstand seines SV Bruchhausen-Vilsen den Platz. Doch dann wurde der 24-Jährige zum Schlüsselspieler: Er stabilisierte seine Mannschaft und dirigierte sie aus der Innenverteidigerposition heraus zum nicht mehr für möglich gehaltenen 3:3-Unentschieden.

Nicht mehr für möglich gehalten? Kornau sieht das ein bisschen anders: „Uns darf man nie abschreiben. Dafür haben wir zu viele gute Jungs in der Mannschaft, die man nicht einfach klein kriegt“, findet der Kapitän. Doch er gibt auch zu, „dass nicht davon auszugehen war, dass wir das Ruder noch einmal herumreißen können“. Daran hatte Kornau selbst einen großen Anteil. Er gab dem Team Halt.

Der hatte den Broksern zuvor gefehlt. So stark sie in den Wochen zuvor verteidigt hatten – in der Delmestadt fehlten ihnen Ordnung und Zweikampfstärke. Vor allem Alexander Kues hatte einen gebrauchten Tag erwischt. „Ich musste ihn und die Mannschaft schützen“, erklärte Trainer Patrick Tolle nach der frühen Auswechslung des Blondschopfes, der kurz vor einem Platzverweis stand. Gerade war das 0:3 gefallen, Vilsen schien auf ein Debakel zuzusteuern.

Doch dann kam Kornau. Mit ihm wendete sich das Blatt. „Das waren wir auch unseren Fans schuldig“, fand der Eingewechselte. Einige Vilser hatten sich sogar mit einem Bus auf den Weg gemacht. „Da wäre es peinlich gewesen, wenn wir uns hätten abschießen lassen“, wusste Kornau. Er war vor allem stolz darauf, mit dem Comeback ein Signal gesendet zu haben: „Es wird oft gemunkelt, dass wir uns in den entscheidenden Momenten einscheißen, auf gut Deutsch gesagt. Aber wir haben gezeigt, dass wir uns nicht aufgeben.“

Kornau übernimmt Verantwortung

Dass sich die Gäste nicht geschlagen geben, lag auch am Kapitän. „Die Mannschaft hat mir mit diesem Amt auch Vertrauen geschenkt. Ich bin bereit, vorwegzugehen und ein Spiel an mich zu reißen“, sagt Kornau. In Twistringen brauchte es einen Typen wie ihn. Er richtete seine Mitspieler wieder auf. Den zweiten Kapitän Moritz Warnke zum Beispiel. „Moritz machte nicht sein bestes Spiel. In den Wochen davor aber war er herausragend. Jetzt war es mal an uns, für ihn da zu sein.“ Kornau packte an, half, wo er nur konnte, und sah, wie sein Team noch vor der Pause wieder herankam. „Das Tor von Chedli (Belkhir, Anm. d. Red.) war ganz wichtig für uns. Wir saßen danach in der Kabine und waren alle extrem heiß. Jeder hat daran geglaubt, dass wir den Punkt noch holen können. Wir haben gespürt, dass Twistringen Probleme hat. Und wir sind vorne sehr stark. Alle haben großen Respekt vor Hauke (Wortmann, Anm. d. Red.) und Chedli. Das haben wir genutzt.“ Kornau selbst agierte in den Zweikämpfen und in der Spieleröffnung stark und trug darüber hinaus einen Treffer zum Remis bei. Nachdem Belkhir im Strafraum zu Fall gekommen war, übernahm er Verantwortung und verwandelte den Elfmeter zum 2:3. Vertrauen gerechtfertigt. Das galt nicht nur für diese Szene, sondern für das gesamte Spiel, das dank Böschens Ausgleichstor ein gerechtes Ende fand.

„Wir können stolz sein“, findet Kornau und bezieht in diese Aussage die gesamte Saison mit ein. Der Aufsteiger ist ein Kandidat für die Meisterrunde. Vor allem, weil es innerhalb des Teams passt und der Verein der Mannschaft Zeit gegeben hat, sich zu entwickeln. „Als wir aus der Bezirksliga abgestiegen sind, waren wir noch sehr jung. Jetzt sind wir ein bisschen reifer und haben gute Neuzugänge dazu bekommen wie Hauke Wortmann oder Benjamin Pinzer“, erklärt Kornau. Dass Coach Tolle am Ende der Saison geht, hat das Team nicht aus der Bahn geworfen. „Wir wollen Patrick einen guten Abschied bescheren“, unterstreicht der 24-Jährige. Dafür wird er alles geben, selbst wenn er wie in Twistringen von der Bank kommt. Eigentlich will der Kapitän lieber starten. Nach einem Muskelfaserriss verlor er jedoch seinen Stammplatz. „Es gab keinen Grund, die Mannschaft wieder umzubauen. Wir haben ja sehr erfolgreich gespielt. Und dann ist es als Kapitän wichtig, nicht zu stänkern“, ordnet er seine Rolle dem Teamerfolg unter. Dennoch sei er froh gewesen, mal wieder mehr Spielzeit zu bekommen. Genutzt für eine Empfehlung hat er sie allemal.

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 27.10.2020

Herren 26.10.2020 von Thomas Warnke

1. Herren: Ein wilder Ritt

Twistringen führt im Spitzenspiel gegen Vilsen bereits 3:0, doch die Gäste schaffen das Comeback

Twistringen. Ob es für beide Mannschaften das vorerst letzte Spiel war? Sowohl Uwe Küpker, Trainer des SC Twistringen, als auch Patrick Tolle, Coach des SV Bruchhausen-Vilsen, äußerten diese Vermutung. Sollten beide Recht behalten, können sie zumindest behaupten, sich mit einem denkwürdigen Bezirksliga-Spiel in die Pause verabschiedet zu haben: Beim 3:3 (3:1)-Unentschieden führten die Gastgeber bereits mit 3:0, doch den Gästen gelang ein tolles Comeback. Am Ende hätten beide Teams den wilden Ritt für sich entscheiden können.

Rein tabellarisch stand der Zähler den Broksern gut zu Gesicht, verteidigten sie doch Rang zwei gegen einen direkten Konkurrenten. Auch aus moralischer Sicht konnte die Tolle-Elf sicherlich besser mit dem Ergebnis leben. „Ich habe den Jungs in der Kabine gesagt, dass sie etwas Großes schaffen können. Ein 0:3 haben wir noch nie aufgeholt“, sagte der Coach. Dass dieses Unterfangen gelingen könnte, hatte sich bereits vor dem Seitenwechsel angedeutet. Denn nach dem 0:3 zeigten die Vilser eine Trotzreaktion und kamen durch Chedli Belkhir zum wichtigen ersten Treffer (43.).

Bis dato war gar nichts nach Plan verlaufen. „Wir waren überhaupt nicht in den Zweikämpfen“, erkannte Tolle ein entscheidendes Problem, das die Twistringer mit den Debütanten Aaron Djulic und Enrico Müller prompt nutzten: Lennart Bors traf doppelt. Zunächst verschaffte er sich robust gegen Mathis Mann Platz und überwand Maximilian Kues (19.). „Für mich ein klares Foul. Er geht nur in den Mann“, fand Vilsens Dennis Böschen. Beim zweiten Gegentreffer legte Marten Köhler den Ball unglücklich in Bors’ Lauf, und der SCT-Kapitän bedankte sich (24.). Und es kam noch besser für die Twistringer: Lüder Uhlhorn eroberte den Ball gegen Alexander Kues, der sich nur noch mit einem Foul zu helfen wusste – Strafstoß. Hannes Fortkamp verwandelte zum 3:0 und damit zur vermeintlichen Vorentscheidung (31.). „Es war in den ersten 30 Minuten ein super Spiel von uns“, fasste Küpker das Geschehen aus Sicht der Blaumeisen zusammen.

Doch der SVBV war noch nicht besiegt und knüpfte nach der Pause an die Leistung von vor dem Seitenwechsel an. Der Druck wuchs immer weiter: Hauke Wortmann (46.) und Belkhir (47.) untermauerten die Offensivambitionen, Jannik Blome verhinderte zweimal das zweite Tor (49.). Twistringen kam nicht zur Ruhe, der zweite Gegentreffer durch Jan-Christoph Kornaus Foulelfmeter schien schon fast überfällig (52.). Allerdings hatte keine Blaumeise ein Vergehen an Belkhir gesehen. „Sogar Vilsens Bank hat gelacht“, hatte der gesperrte Philipp Meyer beobachtet.

Den Eifer der Brokser befeuerte das Tor nur noch mehr. Und sie legten prompt nach: Böschen veredelte Belkhirs Vorarbeit (56.) – das 3:3. Und es war noch viel Zeit, die Partie komplett zu drehen. „Wir hätten es sogar packen können“, sagte Tolle mit Blick darauf, dass seine Elf weiter drückte. Oder wie er es sagte: „Die Jungs haben sich zerrissen und alles rausgehauen.“ Angeführt wurden sie von Kornau, der nach seiner frühen Einwechslung für den platzverweisgefährdeten Alexander Kues die Sicherheit ins Vilser Spiel zurückbrachte. „Er hat Verantwortung übernommen und als junger Kerl das Spiel geleitet“, lobte der Coach seinen Verteidiger.

Dass er das Ergebnis am Ende als gerecht bezeichnete, lag auch daran, dass sich die Twistringer wieder sammelten. Die letzte Chance des Spiels besaßen sogar die Gastgeber, doch Nico von Weihe konnte den Ball per Kopf nicht mehr entscheidend drücken (87.). Es wäre der verrückte Schlusspunkt einer irren Partie gewesen. „Wir hätten gerne gewonnen, aber wenn man das ganze Spiel betrachtet, geht das Ergebnis schon so in Ordnung“, fand Küpker. Zumal das Resultat seiner Elf alle Chancen für die Meisterrunde offen hält. „Das hätten uns die meisten vor der Saison nicht zugetraut.“ Als sich die Nerven so langsam beruhigt hatten, fand SCT-Co-Trainer Michael Schultalbers die wohl besten Worte für das Spiel: „Das war Werbung für den Fußball.“

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 26.10.2020

Herren 26.10.2020 von Thomas Warnke

2. Herren: Vilsen beendet Negativlauf

Barrien. Im Aufsteigerduell der Kreisliga Diepholz hat der TSV Barrien auf eigenem Platz eine 1:2 (0:0)-Niederlage gegen den SV Bruchhausen-Vilsen II hinnehmen müssen. TSV-Trainer Daniele Guerra sparte dennoch nicht mit Lob, hatte er doch vor der Begegnung große Personalprobleme zu lösen: „Die Hälfte meiner Mannschaft wollte aus Sorge vor dem Corona-Virus gar nicht antreten, wir haben Herren aus der Ü40 überredet“, klärte der Coach auf. „Dieses Team hat riesig gekämpft und alles versucht.“ Die Vilser haben sich mit dem Sieg nach zuvor vier Spielen ohne Dreier im Meisterrundenrennen zurückgemeldet.

Im ersten Durchgang waren die Gastgeber sogar torgefährlicher, allen voran Nils Petersen, der in der 25. Minute allein auf Vilsens Keeper Tobias Stuwe zulief. Das Leder brachte er am Torwart, aber auch am Tor vorbei. Auf der Gegenseite musste Oldie Karsten Köitsch im TSV-Kasten nur einmal sein Können gegen Nico Schröder aufblitzen lassen, bereinigte die Eins-gegen-eins-Situation aber gelassen.

Nach der Pause wechselte SV-Coach Ben Weber mit Christian Mewes und Sören Schweers reichlich Offensivpower ein. Prompt kamen die Gäste besser in die Partie, erarbeiteten sich Standardsituationen – und nutzten sie auch. Fast eine Stunde war gespielt, da brachte Luca-Ole Rother einen Eckball gefährlich vors Tor, Arsen Orzjan stieg hoch und köpfte das Spielgerät unhaltbar zum 1:0 (59.) in die Maschen. Wenige Minuten später nahezu die gleiche Aktion: Wieder servierte Rother einen Eckball auf Orzjan, der diesmal jedoch per Kopf auf Christian Mewes verlängerte, der am zweiten Pfosten lauerte und den Ball zum 2:0 (66.) über die Linie drückte.

Nach feinem Doppelpass mit Marvin Glander verkürzte Marc Behrens kurz vor Schluss zwar noch auf 1:2 (82.), für einen Punktgewinn reichte es nicht mehr. „Wir haben unsere Niederlagenserie beendet“, atmete Gäste-Coach Ben Weber nach dem Abpfiff durch. „Nicht mit der besten Leistung, aber wir haben gut gearbeitet.“

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 26.10.2020

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