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Herren 19.11.2020 von Thomas Warnke

1. Herren: Vilsens Raketenstarter

Neuzugänge im Check: Hauke Wortmann hat sich beim SV Bruchhausen-Vilsen auf Anhieb etabliert

Bruchhausen-Vilsen. Er kam als ein Versprechen für die Zukunft. Von einem Spieler, der in der A-Jugend-Bezirksliga in zehn Spielen zehn Tore erzielte und im selben Jahr in der 2. Kreisklasse der Herren in zwölf Begegnungen 13 Mal erfolgreich war, durfte sich der SV Bruchhausen-Vilsen durchaus etwas erwarten. Aber wie es dann für Hauke Wortmann und die Lilahemden in der Bezirksliga gelaufen ist, das dürfte beide Seiten überrascht haben. Der 19-jährige Angreifer ist nämlich zu mehr geworden als ein Spieler mit sehr vielversprechender Perspektive. Er ist Stammspieler, Pressingmaschine und Torschütze in Personalunion. Ein Glücksgriff also für den frechen Aufsteiger.

Wobei der Begriff Glücksgriff nur auf den ersten Blick stimmt. Denn die Vilser wussten sehr genau, wen sie sich da ins Boot holten. Wortmann hatte schließlich bereits mit einem Großteil der Mannschaft in der A-Jugend zusammengespielt. „Das war definitiv ein Grund für mich, wieder nach Vilsen zu kommen. Ich kannte die meisten Spieler bereits“, verrät Wortmann, der keine lange Zeit der Eingewöhnung benötigte. Denn auch der Stil von Trainer Patrick Tolle war ihm bestens bekannt. „In der A-Jugend haben wir bereits miteinander gearbeitet, deshalb wollte ich ihn jetzt unbedingt wieder trainieren“, hatte der Coach das Sturmtalent immer im Blick und verfolgte die Entwicklung genau. Schließlich wusste Tolle, der sein Traineramt am Ende der Saison an Torsten Klein abgibt, was er von dem jungen Mann erwarten konnte.

Da ist zum einen das Tempo, das Wortmann mitbringt. „Hauke ist eine absolute Rakete. Ich kenne keinen viel Besseren in seiner Jahrgangsstufe“, sagt Tolle. Ein größeres Lob gibt es kaum, zumal Tolle etliche Jahre lang Jugendtrainer war und damit einen guten Überblick über die Talente der Region hat. Unbegründet ist seine Einordnung also nicht. Einen Antritt und eine Endgeschwindigkeit wie die des 19-Jährigen gibt es in der Bezirksliga kaum ein zweites Mal. Wortmann passt perfekt zum Spiel der Brokser, die nach Ballgewinnen zum Beispiel über Moritz Warnke oder auch Chedli Belkhir in höchstem Tempo zum Gegenangriff übergehen können. Wenn Wortmann Platz bekommt, dann ist er kaum zu bremsen.

Doch nicht nur das zeichnet den Angreifer aus, der in jedem der neun Pflichtspiele in der Startelf stand. „Hauke ist für sein Alter auch mental ein sehr starker Spieler“, schwärmt Tolle davon, dass der Angreifer voller Selbstvertrauen auftritt und sich auch von teilweise deutlich erfahreneren und robusteren Gegenspielern nicht unterkriegen lässt. „Seine Siegermentalität tut uns gut“, findet der Trainer.

In der Vorbereitung in Höchstform

Wortmann hat seinen Teil dazu beigetragen, dass sich Vilsen auf seine Stärken konzentrieren kann und sich nicht nach dem Gegner richten muss. Ein gewaltiger und vor allem alles andere als alltäglicher Pluspunkt für einen Aufsteiger. „Dass es so gut für uns läuft, hatte ich wahrlich nicht erwartet“, sagt das Talent.

Und auch sich selbst hatte es nicht unbedingt von Beginn an in einer derart tragenden Rolle gesehen. Dass es menschlich passen würde, daran bestand kaum ein Zweifel. Dass es auch sportlich derart ohne Anlaufschwierigkeiten harmoniert, war eine Hoffnung gewesen, die sich schnell sogar übererfüllte. „Schon die Vorbereitung war mega“, fasst Tolle kurz, aber prägnant zusammen, was Wortmann ab August aufs Feld brachte. Gegen den Kreisligisten TSV Weyhe-Lahausen erzielte er das erste Tor der Vilser Saison – und hatte von da an einen Lauf mit dem Doppelpack beim 2:1-Sieg gegen den Landesligisten TSV Etelsen als Höhepunkt.

„Ich war einfach ziemlich motiviert und hatte eine super Vorbereitung gespielt. Es tat mir gut, dass ich sofort getroffen habe“, erklärt Wortmann seinen Raketenstart im Vilser Dress. „Es lief perfekt, auch weil ich überhaupt keine Probleme mit Verletzungen hatte.“ Tolle kam an seinem Stürmer zum Start der Pflichtspiele nicht vorbei – und wollte das auch gar nicht. Beim 3:8 in Sudweyhe erzielte der 19-Jährige seinen ersten Saisontreffer und legte wenige Tage später seinen zweiten nach. Sein Tor in Stuhr bescherte den Vilsern drei Punkte. Seitdem wartet der junge Offensivmann aber auf ein Erfolgserlebnis. „Natürlich würde ich am liebsten in jedem Spiel treffen, aber für mich ist in erster Linie wichtig, dass wir unsere Spiele gewinnen“, stellt er den Erfolg des Teams über die persönliche Trefferquote.

Dass seine Aussage mehr als eine Floskel ist, beweist Wortmann Partie für Partie. „Er arbeitet viel nach hinten, presst gut und erobert viele Bälle“, schätzt Tolle ihn für den immensen Aufwand, den er betreibt. „Körperlich ist der Herrenbereich natürlich härter als die Jugend“, hat Wortmann erfahren. Verändert habe sich aber auch das Tempo. „Das Spiel ist wesentlich schneller als noch in der 2. Kreisklasse, in der ich mit Schwarme gespielt habe. Ich muss defensiv mehr mitarbeiten. Aber das macht mir nichts aus.“

Ohnehin muss er flexibel sein, mal mehr über den Flügel, mal mehr durchs Zentrum kommen. „Ich spiele schon am liebsten zentral. Aber die eine, perfekte Rolle gibt es für mich nicht“, sagt der Angreifer. Das wird sein Trainer gern hören. Er dürfte nach dem Neustart der Liga weiter auf Wortmann bauen. Dass er eine Bereicherung ist, das hat der Rohdiamant schließlich innerhalb kürzester Zeit bewiesen.

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 19.11.2020

Herren 18.11.2020 von Thomas Warnke

1. Herren: Pinzer hat sich seine Chance erarbeitet

Glatt lief es nach seiner Rückkehr nach Vilsen für Benjamin Pinzer zunächst nicht. Er verletzte sich, stand dann etwas in der zweiten Reihe. Dann aber erkämpfte er sich seine Chance im Training.

Bruchhausen-Vilsen. Benjamin Pinzer war in der vergangenen Saison bereits dort, wo seine jetzigen Mitspieler vom SV Bruchhausen-Vilsen unbedingt hinwollten: in der Bezirksliga. Mit dem TSV Okel zeigte er, wie ein Aufsteiger in der siebthöchsten Spielklasse bestehen kann. Nun ist Pinzer wieder ein Brokser – und spielt mit seiner Mannschaft erfolgreicher als noch im Vorjahr mit dem TSV. Nur der eigene Beitrag könnte größer sein.

Nein, eine wirklich tragende Rolle nimmt Pinzer bei den Vilsern noch nicht ein. Vier von neun Spielen hat er bestritten, zweimal stand er in der Startelf, zweimal kam er von der Bank. „Am Anfang hat mich eine Zerrung zurückgeworfen“, hatte der Rückkehrer Verletzungspech, als es darum ging, sich für die Stammplätze zu positionieren. Und später hatte Trainer Patrick Tolle wenig Gründe, seine Startformation zu verändern. Es lief rund beim Aufsteiger und Tabellenzweiten. „Das muss man dann auch so respektieren“, sagt Pinzer, der um die Konkurrenz in der Offensive, die er am besten über die linke Außenbahn verstärkt, weiß: „Wir sind da eben auch sehr gut besetzt.“ Ein Gespräch mit Tolle suchte er dennoch. Der Trainer gab ihm einen Tipp: Er solle sich im Training anbieten, sich dort zerreißen, auf sich aufmerksam machen. Und das tat Pinzer. „Benni hat sich nie hängen lassen“, lobt der Coach den 20-Jährigen, der bissig blieb und auf seine Chance lauerte. Die verdiente er sich und stand – ausgerechnet – beim Auswärtsspiel in Okel das erste Mal von Beginn auf dem Platz. Und traf gegen den Ex-Klub, dem er im Vorjahr wegen diverser Verletzungen so oft gefehlt hatte, nach wenigen Minuten zur Führung. „Richtig gefreut habe ich mich nicht“, verrät Pinzer.

Gegen Twistringen in der Startelf

Für ihn selbst war das Tor dennoch ganz wichtig. „Dadurch bin ich wieder so richtig angekommen in Vilsen“, findet er. Gegen Bassum kam er danach noch einmal von der Bank, zum Abschluss beim 3:3 gegen Twistringen stand er von Beginn an auf dem Platz und war Teil der verrückten Aufholjagd nach dem 0:3-Rückstand. „Ich denke, wir alle haben bislang keinen schlechten Eindruck hinterlassen“, sagt er mit Blick auf die derzeit unterbrochene Serie.

So soll es weitergehen, wenn der Ball wieder rollt. Dann will auch Pinzer wieder in der Startelf stehen. Deshalb hält er sich mit Ausdauerläufen und täglichen Workouts fit. „Ich will noch mehr Spielzeit bekommen“, nennt er sein persönliches Ziel. „Und mit der Mannschaft noch mehr Spiele gewinnen.“ Tolle stellt dem 20-Jährigen jedenfalls weitere Einsätze in Aussicht: „Benni hat den nötigen Ehrgeiz. Er hat sich immer mehr rangearbeitet ans Team.“ Weiterhin gilt: Pinzer muss da sein, wenn sich die Chance bietet.

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 18.11.2020

Herren 27.10.2020 von Thomas Warnke

1. Herren: Der Dirigent des Comebacks

Vilsens Spiel in Twistringen schien bereits im ersten Durchgang verloren. Doch mit dem Kapitän kam die Wende. Jan-Christoph Kornau war ein Grund dafür, dass sich der SVBV noch einen Zähler sicherte.

Er kam in ein Spiel, das eigentlich schon entschieden war. Wohl niemand auf der Sportanlage des SC Twistringen beneidete Jan-Christoph Kornau um seine Jokerrolle, betrat er doch bei einem 0:3-Zwischenstand seines SV Bruchhausen-Vilsen den Platz. Doch dann wurde der 24-Jährige zum Schlüsselspieler: Er stabilisierte seine Mannschaft und dirigierte sie aus der Innenverteidigerposition heraus zum nicht mehr für möglich gehaltenen 3:3-Unentschieden.

Nicht mehr für möglich gehalten? Kornau sieht das ein bisschen anders: „Uns darf man nie abschreiben. Dafür haben wir zu viele gute Jungs in der Mannschaft, die man nicht einfach klein kriegt“, findet der Kapitän. Doch er gibt auch zu, „dass nicht davon auszugehen war, dass wir das Ruder noch einmal herumreißen können“. Daran hatte Kornau selbst einen großen Anteil. Er gab dem Team Halt.

Der hatte den Broksern zuvor gefehlt. So stark sie in den Wochen zuvor verteidigt hatten – in der Delmestadt fehlten ihnen Ordnung und Zweikampfstärke. Vor allem Alexander Kues hatte einen gebrauchten Tag erwischt. „Ich musste ihn und die Mannschaft schützen“, erklärte Trainer Patrick Tolle nach der frühen Auswechslung des Blondschopfes, der kurz vor einem Platzverweis stand. Gerade war das 0:3 gefallen, Vilsen schien auf ein Debakel zuzusteuern.

Doch dann kam Kornau. Mit ihm wendete sich das Blatt. „Das waren wir auch unseren Fans schuldig“, fand der Eingewechselte. Einige Vilser hatten sich sogar mit einem Bus auf den Weg gemacht. „Da wäre es peinlich gewesen, wenn wir uns hätten abschießen lassen“, wusste Kornau. Er war vor allem stolz darauf, mit dem Comeback ein Signal gesendet zu haben: „Es wird oft gemunkelt, dass wir uns in den entscheidenden Momenten einscheißen, auf gut Deutsch gesagt. Aber wir haben gezeigt, dass wir uns nicht aufgeben.“

Kornau übernimmt Verantwortung

Dass sich die Gäste nicht geschlagen geben, lag auch am Kapitän. „Die Mannschaft hat mir mit diesem Amt auch Vertrauen geschenkt. Ich bin bereit, vorwegzugehen und ein Spiel an mich zu reißen“, sagt Kornau. In Twistringen brauchte es einen Typen wie ihn. Er richtete seine Mitspieler wieder auf. Den zweiten Kapitän Moritz Warnke zum Beispiel. „Moritz machte nicht sein bestes Spiel. In den Wochen davor aber war er herausragend. Jetzt war es mal an uns, für ihn da zu sein.“ Kornau packte an, half, wo er nur konnte, und sah, wie sein Team noch vor der Pause wieder herankam. „Das Tor von Chedli (Belkhir, Anm. d. Red.) war ganz wichtig für uns. Wir saßen danach in der Kabine und waren alle extrem heiß. Jeder hat daran geglaubt, dass wir den Punkt noch holen können. Wir haben gespürt, dass Twistringen Probleme hat. Und wir sind vorne sehr stark. Alle haben großen Respekt vor Hauke (Wortmann, Anm. d. Red.) und Chedli. Das haben wir genutzt.“ Kornau selbst agierte in den Zweikämpfen und in der Spieleröffnung stark und trug darüber hinaus einen Treffer zum Remis bei. Nachdem Belkhir im Strafraum zu Fall gekommen war, übernahm er Verantwortung und verwandelte den Elfmeter zum 2:3. Vertrauen gerechtfertigt. Das galt nicht nur für diese Szene, sondern für das gesamte Spiel, das dank Böschens Ausgleichstor ein gerechtes Ende fand.

„Wir können stolz sein“, findet Kornau und bezieht in diese Aussage die gesamte Saison mit ein. Der Aufsteiger ist ein Kandidat für die Meisterrunde. Vor allem, weil es innerhalb des Teams passt und der Verein der Mannschaft Zeit gegeben hat, sich zu entwickeln. „Als wir aus der Bezirksliga abgestiegen sind, waren wir noch sehr jung. Jetzt sind wir ein bisschen reifer und haben gute Neuzugänge dazu bekommen wie Hauke Wortmann oder Benjamin Pinzer“, erklärt Kornau. Dass Coach Tolle am Ende der Saison geht, hat das Team nicht aus der Bahn geworfen. „Wir wollen Patrick einen guten Abschied bescheren“, unterstreicht der 24-Jährige. Dafür wird er alles geben, selbst wenn er wie in Twistringen von der Bank kommt. Eigentlich will der Kapitän lieber starten. Nach einem Muskelfaserriss verlor er jedoch seinen Stammplatz. „Es gab keinen Grund, die Mannschaft wieder umzubauen. Wir haben ja sehr erfolgreich gespielt. Und dann ist es als Kapitän wichtig, nicht zu stänkern“, ordnet er seine Rolle dem Teamerfolg unter. Dennoch sei er froh gewesen, mal wieder mehr Spielzeit zu bekommen. Genutzt für eine Empfehlung hat er sie allemal.

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 27.10.2020

Herren 26.10.2020 von Thomas Warnke

1. Herren: Ein wilder Ritt

Twistringen führt im Spitzenspiel gegen Vilsen bereits 3:0, doch die Gäste schaffen das Comeback

Twistringen. Ob es für beide Mannschaften das vorerst letzte Spiel war? Sowohl Uwe Küpker, Trainer des SC Twistringen, als auch Patrick Tolle, Coach des SV Bruchhausen-Vilsen, äußerten diese Vermutung. Sollten beide Recht behalten, können sie zumindest behaupten, sich mit einem denkwürdigen Bezirksliga-Spiel in die Pause verabschiedet zu haben: Beim 3:3 (3:1)-Unentschieden führten die Gastgeber bereits mit 3:0, doch den Gästen gelang ein tolles Comeback. Am Ende hätten beide Teams den wilden Ritt für sich entscheiden können.

Rein tabellarisch stand der Zähler den Broksern gut zu Gesicht, verteidigten sie doch Rang zwei gegen einen direkten Konkurrenten. Auch aus moralischer Sicht konnte die Tolle-Elf sicherlich besser mit dem Ergebnis leben. „Ich habe den Jungs in der Kabine gesagt, dass sie etwas Großes schaffen können. Ein 0:3 haben wir noch nie aufgeholt“, sagte der Coach. Dass dieses Unterfangen gelingen könnte, hatte sich bereits vor dem Seitenwechsel angedeutet. Denn nach dem 0:3 zeigten die Vilser eine Trotzreaktion und kamen durch Chedli Belkhir zum wichtigen ersten Treffer (43.).

Bis dato war gar nichts nach Plan verlaufen. „Wir waren überhaupt nicht in den Zweikämpfen“, erkannte Tolle ein entscheidendes Problem, das die Twistringer mit den Debütanten Aaron Djulic und Enrico Müller prompt nutzten: Lennart Bors traf doppelt. Zunächst verschaffte er sich robust gegen Mathis Mann Platz und überwand Maximilian Kues (19.). „Für mich ein klares Foul. Er geht nur in den Mann“, fand Vilsens Dennis Böschen. Beim zweiten Gegentreffer legte Marten Köhler den Ball unglücklich in Bors’ Lauf, und der SCT-Kapitän bedankte sich (24.). Und es kam noch besser für die Twistringer: Lüder Uhlhorn eroberte den Ball gegen Alexander Kues, der sich nur noch mit einem Foul zu helfen wusste – Strafstoß. Hannes Fortkamp verwandelte zum 3:0 und damit zur vermeintlichen Vorentscheidung (31.). „Es war in den ersten 30 Minuten ein super Spiel von uns“, fasste Küpker das Geschehen aus Sicht der Blaumeisen zusammen.

Doch der SVBV war noch nicht besiegt und knüpfte nach der Pause an die Leistung von vor dem Seitenwechsel an. Der Druck wuchs immer weiter: Hauke Wortmann (46.) und Belkhir (47.) untermauerten die Offensivambitionen, Jannik Blome verhinderte zweimal das zweite Tor (49.). Twistringen kam nicht zur Ruhe, der zweite Gegentreffer durch Jan-Christoph Kornaus Foulelfmeter schien schon fast überfällig (52.). Allerdings hatte keine Blaumeise ein Vergehen an Belkhir gesehen. „Sogar Vilsens Bank hat gelacht“, hatte der gesperrte Philipp Meyer beobachtet.

Den Eifer der Brokser befeuerte das Tor nur noch mehr. Und sie legten prompt nach: Böschen veredelte Belkhirs Vorarbeit (56.) – das 3:3. Und es war noch viel Zeit, die Partie komplett zu drehen. „Wir hätten es sogar packen können“, sagte Tolle mit Blick darauf, dass seine Elf weiter drückte. Oder wie er es sagte: „Die Jungs haben sich zerrissen und alles rausgehauen.“ Angeführt wurden sie von Kornau, der nach seiner frühen Einwechslung für den platzverweisgefährdeten Alexander Kues die Sicherheit ins Vilser Spiel zurückbrachte. „Er hat Verantwortung übernommen und als junger Kerl das Spiel geleitet“, lobte der Coach seinen Verteidiger.

Dass er das Ergebnis am Ende als gerecht bezeichnete, lag auch daran, dass sich die Twistringer wieder sammelten. Die letzte Chance des Spiels besaßen sogar die Gastgeber, doch Nico von Weihe konnte den Ball per Kopf nicht mehr entscheidend drücken (87.). Es wäre der verrückte Schlusspunkt einer irren Partie gewesen. „Wir hätten gerne gewonnen, aber wenn man das ganze Spiel betrachtet, geht das Ergebnis schon so in Ordnung“, fand Küpker. Zumal das Resultat seiner Elf alle Chancen für die Meisterrunde offen hält. „Das hätten uns die meisten vor der Saison nicht zugetraut.“ Als sich die Nerven so langsam beruhigt hatten, fand SCT-Co-Trainer Michael Schultalbers die wohl besten Worte für das Spiel: „Das war Werbung für den Fußball.“

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 26.10.2020

Herren 26.10.2020 von Thomas Warnke

2. Herren: Vilsen beendet Negativlauf

Barrien. Im Aufsteigerduell der Kreisliga Diepholz hat der TSV Barrien auf eigenem Platz eine 1:2 (0:0)-Niederlage gegen den SV Bruchhausen-Vilsen II hinnehmen müssen. TSV-Trainer Daniele Guerra sparte dennoch nicht mit Lob, hatte er doch vor der Begegnung große Personalprobleme zu lösen: „Die Hälfte meiner Mannschaft wollte aus Sorge vor dem Corona-Virus gar nicht antreten, wir haben Herren aus der Ü40 überredet“, klärte der Coach auf. „Dieses Team hat riesig gekämpft und alles versucht.“ Die Vilser haben sich mit dem Sieg nach zuvor vier Spielen ohne Dreier im Meisterrundenrennen zurückgemeldet.

Im ersten Durchgang waren die Gastgeber sogar torgefährlicher, allen voran Nils Petersen, der in der 25. Minute allein auf Vilsens Keeper Tobias Stuwe zulief. Das Leder brachte er am Torwart, aber auch am Tor vorbei. Auf der Gegenseite musste Oldie Karsten Köitsch im TSV-Kasten nur einmal sein Können gegen Nico Schröder aufblitzen lassen, bereinigte die Eins-gegen-eins-Situation aber gelassen.

Nach der Pause wechselte SV-Coach Ben Weber mit Christian Mewes und Sören Schweers reichlich Offensivpower ein. Prompt kamen die Gäste besser in die Partie, erarbeiteten sich Standardsituationen – und nutzten sie auch. Fast eine Stunde war gespielt, da brachte Luca-Ole Rother einen Eckball gefährlich vors Tor, Arsen Orzjan stieg hoch und köpfte das Spielgerät unhaltbar zum 1:0 (59.) in die Maschen. Wenige Minuten später nahezu die gleiche Aktion: Wieder servierte Rother einen Eckball auf Orzjan, der diesmal jedoch per Kopf auf Christian Mewes verlängerte, der am zweiten Pfosten lauerte und den Ball zum 2:0 (66.) über die Linie drückte.

Nach feinem Doppelpass mit Marvin Glander verkürzte Marc Behrens kurz vor Schluss zwar noch auf 1:2 (82.), für einen Punktgewinn reichte es nicht mehr. „Wir haben unsere Niederlagenserie beendet“, atmete Gäste-Coach Ben Weber nach dem Abpfiff durch. „Nicht mit der besten Leistung, aber wir haben gut gearbeitet.“

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 26.10.2020

Herren 19.10.2020 von Thomas Warnke

2. Herren: Daniel Koch wird zum Matchwinner für Sudweyhe II

Sudweyhes Zehner markiert in der Schlussphase beide Tore für die Gäste. Vilsens Treffer fällt zu spät.

Bruchhausen-Vilsen. Im Spitzenspiel der Kreisliga Diepholz Nord hat sich der TuS Sudweyhe II beim SV Bruchhausen-Vilsen II knapp mit 2:1 (0:0) durchgesetzt. Daniel Koch sorgte mit seinem Doppelpack für drei weitere Punkte aufseiten des TuS. Bis kurz vor Schluss sah es nach einem 0:0-Unentschieden aus, doch mit einem Distanzschuss lenkte Koch das Spiel in Richtung der Gäste.

Vilsen agierte zunächst aus einer gut gestaffelten Defensive heraus und wollte den Sudweyhern das Spiel überlassen. Auf beiden Seiten passierte lange Zeit wenig. Erst nach 43 gespielten Minuten gab es die erste Großchance der Begegnung. Der Gastgeber brach über die rechte Seite durch und kam in eine gute Abschlussposition, doch Sudweyhes Schlussmann Kevin Rajes war zur Stelle. Direkt danach waren die Vilser erneut alleine durch. Stürmer Nico Schröder stand frei vor dem Tor und scheiterte am Innenpfosten. „Wir haben nicht so richtig den Weg zum Tor gefunden. Bei dem schmalen Platz war es sehr schwer, flach in die Tiefe zu kommen. Dann kamen noch einige Fehler dazu. Wir haben es uns selbst schwer gemacht“, bemängelte Sudweyhes Trainer Eduard Scharf. Sein Vilser Gegenüber Ben Weber hatte dagegen ein „Spiel mit abwechselnd stärkeren Phasen“ gesehen.

Nach der Pause kamen beide Mannschaften mit Schwung zurück in die Partie, wobei Sudweyhe den besseren Start erwischte. Zunächst scheiterte Daniel Koch an SVBV-Schlussmann Tobias Stuwe, ehe Mika Bade aus bester Position das Tor verfehlte.

Die größte Chance des Spiels hatte jedoch die Reserve des SV Bruchhausen-Vilsen. Nico Schröder setzte sich auf der Außenbahn gegen zwei Sudweyher Abwehrspieler durch und legte den Ball in die Mitte. Dort musste Feizal Alkozei aus fünf Metern nur noch ins leere Tor einschieben, verfehlte das Gehäuse aber um einen Meter. „Den haben wir, glaube ich, alle schon drin gesehen. Aber ihm ist der Ball über den Schlappen gerutscht, und er ist zudem nicht komplett im Rhythmus, da kann man ihm so etwas nicht verübeln“, nahm Weber seinen Angreifer in Schutz.

Nun begann die starke Phase von Daniel Koch. Direkt nach der Halbzeitpause war er noch knapp gescheitert, doch in der Schlussphase fasste er sich aus 20 Metern ein Herz und zog ab. Der Ball schlug knapp neben dem linken Torpfosten ein (81.) Vilsen lockerte nun die Defensive und schob die Reihen höher. Sudweyhe nutzte die Räume und ein Steckpass fand erneut den starken Koch. Mit einem cleveren Lupfer erhöhte er auf 2:0 (90.). Den Schlusspunkt setzte Vilsens Steve Prehn. Nach einer Flanke stand er genau richtig und verkürzte mit dem Schlusspfiff zum 1:2-Endstand. „Der Sieg war alles andere als souverän. Wir haben natürlich auch davon profitiert, dass wir nicht in Rückstand geraten sind“, resümierte Scharf. Weber dagegen war trotz der Niederlage nicht unzufrieden: „Ich glaube, wir hätten auch punkten können. Am Ende ist Sudweyhe dann so stark, dass sie kurz vor Schluss doch noch treffen."

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 19.10.2020

Herren 19.10.2020 von Thomas Warnke

1. Herren: Jannik Theiß hält Sudweyhes Punkt fest

Bruchhausen-Vilsen ist im Verfolgerduells nah dran am Sieg

Bruchhausen-Vilsen.In einem ereignisreichen Aufeinandertreffen haben sich der SV Bruchhausen-Vilsen und der TuS Sudweyhe trotz vieler Großchancen torlos getrennt. „Das war heute alles andere als ein 3:8 wie noch im Hinspiel. Ich glaube, am Ende hatten wir sogar ein deutliches Chancenplus“, fand Vilsens Trainer Patrick Tolle. Mann des Spiels war Sudweyhes Schlussmann Jannik Theiß. Mit einer Reihe starker Paraden sicherte er seiner Mannschaft den einen Punkt. „Jannik war heute bärenstark, am Ende können wir sogar noch mit dem einen Punkt gut leben“, lobte Benjamin Jacobeit, Trainer des TuS Sudweyhe, seine Nummer eins. Den Twistringer Patzer konnten beide Mannschaften nur bedingt nutzen. Vilsen hat als Zweiter aber wieder einen Aufstiegsrundenplatz inne. Sudweyhe bleibt Vierter.

In der ersten Halbzeit zeigten beide Teams ein Spiel mit viel Tempo und kamen zu Torchancen. Bereits in den ersten Minuten hatten die Gastgeber vier Hochkaräter. Zwei vereitelte Torhüter Theiß, zwei Mal hatte Sudweyhe Glück, dass die Vilser das Tor knapp verfehlten. Auf der anderen Seite setzte Robin Engelhardt einen Kopfball genau zwischen Pfosten und Latte, doch auch Keeper Maximilian Kues war zur Stelle.

Nach der Pause kamen die Sudweyher stärker aus der Kabine. Mit viel Power und Zweikampfstärke nahmen sie in der ersten Viertelstunde nach dem Seitenwechsel das Heft in die Hand, doch vor dem Tor fehlte die Konsequenz. „Man merkt natürlich, dass die Hälfte des Kaders fehlt, aber vor dem Tor müssen wir die Chancen dann auch wegmachen“, sagte Jacobeit. Vilsen schaffte es, durch Standards oder schnelle Konter immer wieder gefährlich vor dem Tor der Gäste zu werden. Zweimal war der Ball eigentlich schon drin, ehe Theiß seine Finger ins Spiel brachte und das Spielgerät noch von der Linie kratzen konnte. Vilsen erspielte sich nun ein Chancenplus und war drauf und dran, in Führung zu gehen. Auch Trainer Patrick Tolle hatte eine starke Schlussphase seiner Mannschaft gesehen: „Wir haben uns sehr viele Möglichkeiten herausgespielt. Da muss man sich fragen, wie dieses Spiel 0:0 ausgehen kann“, vermisste er eigentlich nur einen Treffer seiner Elf.

Gästecoach Jacobeit gab sich derweil mit dem einen Punkt zufrieden: „Klar ist es ärgerlich, aber am Ende müssen wir sogar froh sein, das wir hier einen Punkt mitnehmen. Man könnte sagen, das war ein Spiel der Torhüter.“ Auch Patrick Tolle konnte mit dem gewonnen Zähler gut leben: „Wichtig war uns, hier nicht zu verlieren, um vor Sudweyhe zu bleiben." Das hat sein Team geschafft.

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 19.10.2020

Herren 14.10.2020 von Thomas Warnke

1. Herren: Tolle macht am Saisonende Schluss

Vilsens Trainer hört aus beruflichen Gründen auf, will bis dahin aber das Maximale erreichen

Bruchhausen-Vilsen.Patrick Tolle verfolgt eine klare Linie. Er ist ein Mann der Fakten, beruflich, aber auch im Sport. Deshalb hat der Trainer des Fußball-Bezirksligisten SV Bruchhausen-Vilsen selbst die Initiative ergriffen und frühzeitig für Klarheit gesorgt: Bis zum Ende der Saison wird er bei den Broksern an der Seitenlinie stehen. Dann aber wird Schluss sein.

Kommt dieser Schritt überraschend? Aus sportlicher Sicht definitiv, denn Vilsen ist so stark wie lange nicht, hat als Aufsteiger in sieben Spielen starke 15 Punkte geholt. "Und die nicht von ungefähr", kann Tolle auf ein eingespieltes Team bauen, dass es nicht nur jedem Gegner schwer machen, sondern jeden Kontrahenten auch bezwingen kann. Und dass vor allem noch entwicklungsfähig ist. "Die Jungs spielen geilen Fußball, und ich glaube, dass sie Bock darauf haben, noch mehr zu erreichen", sagt der Coach selbst. Warum also aufhören?

Es liegt auf der Hand, dass Tolle, der vor dem 4:2-Sieg beim TSV Bassum zunächst die SVBV-Spitze um Thomas Warnke und Thomas Kues und nach der Partie auch die Mannschaft informierte, keine sportlichen Gründe für sein Aus anführt. Beruflich fehle ihm dagegen die Zeit, sagt er. Er ist Besitzer einer eigenen Fahrschule und als Selbstständiger ohnehin eher eine Ausnahme im Trainergeschäft. Halbgas geben kommt für ihn also weder im Sport- noch im Berufsleben in Frage. Nun steht fest, dass er seine Fahrschule in den kommenden Monaten erweitern wird. Ein größerer Betrieb, mehr Verantwortung, wohl auch mehr Zeitaufwand. "Ich musste eine Entscheidung fällen", bekräftigt Tolle.

Tolle hat etwas aufgebaut

Dass dieser Entschluss gegen den Fußball gefallen ist, sei schwer für ihn gewesen. Tolle ist mit dem Sport groß geworden, sehr früh als Trainer durchgestartet, mittlerweile 14 Jahre in Folge an der Seitenlinie, davon neun in Reihen der Brokser. Er hat etliche Erfolge gefeiert, bereits mit seinen Jugendmannschaften und zuletzt mit der Rückkehr in die Bezirksliga mit den Herren. In seiner Mannschaft stehen etliche Akteure, die er bereits im Juniorenbereich ausgebildet hat. "Da sind viele Freundschaften entstanden. Ich habe dem Verein viel zu verdanken und konnte hier etwas Tolles aufbauen. Ich habe die Jungs im Team, die ich immer haben wollte. Eigentlich kann ich es immer noch nicht richtig wahrhaben, denn jetzt bin ich da, wo ich immer hinwollte als Trainer", verdeutlicht Tolle, wie schwer ihm der Schritt fällt, am Saisonende sein Amt abzugeben.

Andererseits sei er auch stolz darauf, eine intakte Mannschaft zu übergeben, sagt der Coach, der zu Beginn des Jahres 2019 auf Frank Fischer folgte und parallel noch die A-Jugend trainierte. Er mutete sich dieses Mammutprogramm zu, formte danach aus dem Herren-Absteiger in Windeseile einen Aufsteiger, der nun den Bezirk aufmischt. "Es ist sehr hart, in dieser Situation zu gehen", sagt er. Sein Aus der Mannschaft zu verkünden, sei sehr emotional gewesen. Doch ein Tag hat auch für den liierten Tolle, der zudem ein begeisterter Geflügelzüchter ist, nur 24 Stunden. "Es ist schon sehr schwer, das alles unter einen Hut zu bekommen", weiß der SVBV-Vorsitzende Warnke.

Er ist froh, noch bis zum Saisonende auf Tolle, der als Spieler für den TSV Asendorf, den SV Mörsen-Scharrendorf und den SVBV auflief, bauen zu können. "Patrick leistet überragende Arbeit", lobt Warnke den Trainer. Wie es nach dem Saisonende weitergeht, steht noch nicht fest. "Wir haben aber bereits ein Profil erstellt", sagt er und fügt erklärend an: "Es darf auch gern jemand von außen sein. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir jemanden finden werden. Wir haben nicht so einen schlechten Ruf." Das geht auch auf Tolles Arbeit zurück. Er hat den Talenten den Weg in den Seniorenbereich geebnet und dem Team eine Philosophie verliehen.

Er freue sich bereits darauf, am ersten Spieltag der kommenden Saison als Zuschauer an der Seite zu stehen, sagt er. Doch das ist Zukunftsmusik – und damit auch noch kein großes Thema für ihn. Er konzentriert sich lieber auf das Hier und Jetzt. Das sieht noch sieben Spiele bis zur Winterpause vor. Patrick Tolle wäre nicht Patrick Tolle, wenn er nicht sagen würde: "Wir wollen das Maximale herausholen." Aus der gesamten Saison natürlich. Was das ist? "Das werden wir sehen. Ich bin schon gespannt darauf", grinst er. Eines ist derweil klar: Seine Motivation wird nicht nachlassen. Im Gegenteil.

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 14.10.2020

Herren 12.10.2020 von Thomas Warnke

1. Herren: Vilsen bleibt ganz oben dran

4:2-Erfolg beim TSV Bassum

Bassum. Nein, mit der Aufstiegsrunde müsse sich seine Mannschaft nicht mehr beschäftigen, stellte Torsten Klein etwas ernüchtert fest. Diese kleine Chance hatte seine Mannschaft, der TSV Bassum, in der Fußball-Bezirksliga gerade mit der 2:4 (1:3)-Niederlage im Heimspiel gegen SV Bruchhausen-Vilsen verspielt. Die Brokser dagegen dürfen völlig zurecht weiterhin träumen: Nach der Niederlage des SC Twistringen im Spitzenspiel bei der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst (s. Bericht auf dieser Seite) trennt sie nur das schlechtere Torverhältnis vom zweiten Tabellenplatz.

"Wahnsinn, oder?" Mehr Worte musste Vilsens Trainer Patrick Tolle nicht über die Tabellensituation verlieren. Fünf Siege aus sieben Spielen hatte er selbst nicht erwartet. Doch nun sind diese 15 Punkte Realität. Dass sie nicht von ungefähr kommen, das bewies Tolles Elf in der Lindenstadt. "Wir haben – bis auf bei den beiden Gegentoren – gut verteidigt und immer wieder unsere schnellen Spieler eingesetzt", sah er, wie der Matchplan aufging. Vilsen agierte konzentriert und war gewohnt schnell im Umschaltspiel. "Wir haben über Hauke Wortmann, Chedli Belkhir und Gerrit Jüttner ganz viel Tempo gemacht. Unsere Stürmer haben die entscheidenden Lücken für die anderen gerissen", schafften die Angreifer Platz für ihre Mitstreiter. So zum Beispiel Erik Helms, der nach einer Vorarbeit von Wortmann noch in der Anfangsphase der Begegnung seine Farben in Front brachte (8.). Der Sechser, sonst ein wenig auffälliger, aber umso umtriebigerer und wichtiger Arbeiter im SVBV-Team, feierte eines seiner seltenen Tore.

Böschen trifft doppelt

Und Vilsen legte nach: Dennis Böschen traf mit einem von Patrik Remmert abgefälschten Schuss zum 0:2 (17.). Nun wurde die Luft für Bassum langsam dünn. An den guten Auftritt vom Sudweyhe-Spiel konnten die Gastgeber allerdings zu keinem Zeitpunkt anknüpfen. "Es war eine absolut verdiente Niederlage. Vilsen hat es gut gemacht und unsere Fehler bestraft. Sie waren griffig in den Zweikämpfen. All das, was wir nicht waren", monierte der Coach.

Doch sein Team gab noch nicht auf, meldete sich durch Alexander Pestkowski, der nach Vorarbeit von Florian Fröhlich den Ball mit der Brust annahmen und dann per Direktabnahme traf, zurück (27.). Aber Vilsen blieb unbeirrt, Böschen baute nach einem Konter mit einem Hammer aus 17 Metern an die Unterkante der Latte und von dort ins Tor den Vorsprung noch vor der Pause wieder auf zwei Tore aus (45.). "Das war ein ganz wichtiger Treffer für uns, weil wir uns rechtzeitig wieder zurückgemeldet haben. Und das Tor war klasse, ein richtiger Strahl", freute sich Tolle für seinen Doppeltorschützen.

Bassum besann sich jedoch noch einmal. Erneut machte Pestkowski nach Fröhlich-Vorarbeit das Spiel wieder spannend (54.). Der Ausgleich lag nun in der Luft. Fröhlich hatte ihn auf dem Fuß, traf aber das Tor nicht, nachdem er Keeper Maximilian Kues umspielt hatte (66.). Obwohl ihn Vilsens Schlussmann erwischt hatte, blieb der Bassumer auf den Beinen. Das wurde nicht belohnt. Stattdessen machte Vilsen durch Chedli Belkhir nach einem Solo alles klar (77.). Und während die Vilser jubelten, haderte Klein mit der Inkonstanz seines Teams: "Das ist einfach typisch für uns."

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 12.10.2020

Herren 11.10.2020 von Thomas Warnke

2. Herren: Kampfansage des TSV Weyhe-Lahausen

Die Mannen von Trainer Thorsten Eppler erobern durch einen 5:1-Sieg gegen den SVBV II Platz eins

Lahausen. Es war eine ereignisreiche erste Halbzeit unter Flutlicht auf dem Kunstrasen der Weyher Zentralsportanlage. Es gab ein Uwe-Seeler-Gedächnistor, einen satten Torschuss unter die Latte nach einem an Arjen Robben erinnernden Lauf und zwei Auswechslungen wegen Kopfverletzungen. Diese Verletzungsunterbrechung teilte die 45 Minuten hinsichtlich ihrer Spielanteile und sorgte somit für die Wende in der Partie. 1:1 stand es in der Fußball-Kreisliga zur Pause zwischen dem TSV Weyhe-Lahausen und dem SV Bruchhausen-Vilsen II, 45 Minuten später hatte Lahausen das Spitzenspiel mit 5:1 (1:1) für sich entschieden.

Am wichtigsten war aber, dass Lahausens Trainer Torsten Eppler und sein Vilser Kollege Ben Weger Entwarnung wegen der Verletzungen ihrer Akteure geben konnten. Es war ein langer Ball in den Strafraum gewesen, den Lahausens Dominik Mahn per Kopf erreichen wollte, dabei aber mit Vilsens Keeper Hauke Schröder zusammenprallte. Beide waren noch selbstständig vom Platz gegangen, mussten aber in Krankenhäusern behandelt werden. Mahn zog sich eine Gehirnerschütterung und Platzwunde zu, bei Schröder musste die aufgeplatzte Lippe genäht werden. Kurios war, dass auf der anderen Seite eine ähnliche Szene zum 0:1 geführt hatte. TSV-Keeper Felix Eichhorn bekam einen hohen Ball nicht richtig zu fassen. Lukas Rothers Versuch wurde noch geklärt, ehe das Spielgerät Ball bei Philip Knake landete. Der saß am Fünfmeterraum mit dem Rücken zum Tor auf dem Boden und bugsierte den Ball zum 0:1 ins Tor (17.). Uwe Seeler oder Gerd Müller hätten es nicht besser gekonnt. Später schnappte sich Lahausens Tarek Azeldin den Ball und lief von links vom Mittelkreis quer übers Feld in Richtung Strafraum und hämmerte mit dem rechten Fuß das Leder unter die Latte – 1:1 (45.+3), ein spiegelverkehrtes Robben-Tor. „Die Unterbrechung hat uns wachgerüttelt“, so Eppler, denn nach starken ersten 20 Minuten der Vilser hatte Lahausen das Zepter in die Hand genommen. Der eingewechselte Keeper Tobias Stuwe rettete gegen Moritz Drescher und Kevin Gibek. „Wir haben die Ordnung verloren“, meinte Weber, „wobei wir bis zur Pause noch ordentlich gespielt hatten."

TSV verballert noch viele Chancen

Gleichwohl war Lahausen ab Minute 25 feldüberlegen, vor allem Azeldin war auf der linken Seite sehr aktiv. Auch der eingewechselte Hussein Zabab fiel positiv auf. Zweimal traf er nach der Pause (50., 66.). Beim 2:1 staubte er einen Eckball ab, den Stuwe nur unglücklich an die Latte hatte lenken können. Später verhinderte der zweite Torwart weitere Lahauser Treffer. Aljoscha Klatte (62.) und Dominik Lindenborn trafen noch (90.+2). „Wir haben richtig gut gespielt, aber noch viele Chancen verballert“, so Eppler. Weber stimmte ihm zu: „Wir mussten mit dem 1:5 zufrieden sein.“ Die Zuschauer hatten ein gutes Spiel gesehen. Vilsen war nach der bis dato erfolgreichen Saison selbstbewusst in die Partie gestartet und hatte Lahausen ordentlich beschäftigt. Während Eppler sich von dem gedrehten Spiel eine Signalwirkung für die Saison erhofft, sah Weber die Pleite als letzte Warnung: „Wir müssen weiter konzentriert spielen, es geht nicht von selbst.“

© Mit freundlicher Genehmigung von Bremer Tageszeitungen AG, Datum: 12.10.2020

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